22.01.2012
"Nathan der Weise"
 


 



An einem Spätnachmittag erhob sich David von der Mittagsruhe und ging auf dem flachen Dach des Königspalastes auf und ab. Da sah er im Hof des Nachbarhauses eine Frau, die gerade badete. Sie war sehr schön.
David ließ einen Diener kommen und erkundigte sich, wer sie sei. Man sagte ihm: »Das ist doch Batseba, die Tochter Ammiëls und Frau des Hethiters Urija.«
David schickte Boten hin und ließ sie holen. Sie kam zu ihm, und er schlief mit ihr.
Die Frau wurde schwanger und ließ David ausrichten: »Ich bin schwanger geworden!«



Da sandte er einen Boten zu Joab mit dem Befehl: »Schick mir den Hetiter Urija her!« Und Joab schickte ihn zu David.
Als Urija kam, erkundigte sich David, ob es Joab gut gehe und den Kriegsleuten gut gehe und ob die Kampfhandlungen erfolgreich verliefen.
Am nächsten Morgen schrieb David einen Brief an Joab und ließ ihn durch Urija überbringen.
Darin stand: »Stellt Urija in die vorderste Linie, wo der Kampf am härtesten ist! Dann zieht euch plötzlich von ihm zurück, so dass er erschlagen wird und den Tod findet.«
Joab wusste, wo die Gegner ihre tapfersten Kämpfer hatten. Als nun die Israeliten die Stadt weiter belagerten, stellte er Urija genau an diese Stelle.
Einmal machten dort die Belagerten einen Ausfall und lieferten Joab ein Gefecht, bei dem einige von Davids Leuten fielen. Auch Urija fand dabei den Tod.

Joab meldete David den Verlauf des Gefechts.
Als die Frau Urijas hörte, dass ihr Mann gefallen war, hielt sie für ihn die Totenklage.
Nach Ablauf der Trauerzeit holte David sie zu sich in seinen Palast und heiratete sie. Sie gebar ihm einen Sohn.
Doch dem HERRN missfiel, was David getan hatte.



Deshalb sandte der HERR den Propheten Nathan zu David. Nathan ging zum König und sagte:
»Ich muss dir einen Rechtsfall vortragen: Zwei Männer lebten in derselben Stadt. Der eine war reich, der andere arm.
Der Reiche besaß eine große Zahl von Schafen und Rindern.
Der Arme hatte nichts außer einem einzigen kleinen Lämmchen. Er hatte es gekauft und zog es zusammen mit seinen Kindern bei sich auf. Es aß von seinem Brot, trank aus seinem Becher und schlief in seinem Schoß. Er hielt es wie eine Tochter.
Eines Tages bekam der reiche Mann Besuch. Er wollte keines von seinen eigenen Schafen oder Rindern für seinen Gast hergeben. Darum nahm er dem Armen das Lamm weg und setzte es seinem Gast vor.«
David brach in heftigen Zorn aus und rief: »So gewiss der HERR lebt: Der Mann, der das getan hat, muss sterben!
Und das Lamm muss er vierfach ersetzen - als Strafe dafür, dass er diese Untat begangen und kein Mitleid gehabt hat!«



»Du bist der Mann!« sagte Nathan zu David. »Und so spricht der HERR, der Gott Israels:
'Ich habe dich zum König über Israel gesalbt* und dich vor den Nachstellungen Sauls gerettet.
Ich habe dir den ganzen Besitz deines Herrn gegeben, habe seine Frauen in deinen Schoß gelegt und dich zum König über Juda und Israel gemacht. Und wenn das noch zu wenig war, hätte ich dir noch dies und das geben können.
Warum hast du meine Gebote missachtet und getan, was mir missfällt? Du hast den Hetiter Urija auf dem Gewissen, durch das Schwert der Ammoniter hast du ihn umbringen lassen, und dann hast du dir seine Frau genommen.
Genauso wird nun das Schwert sich in aller Zukunft in deiner Familie Opfer suchen, weil du mich missachtet und die Frau des Hetiters zu deiner Frau gemacht hast.'«
David sagte zu Nathan: »Ich bekenne mich schuldig vor dem HERRN!«



Nathan erwiderte: »Auch wenn der HERR über deine Schuld hinwegsieht und du nicht sterben musst -
der Sohn, den dir Batseba geboren hat, muss sterben, weil du mit deiner Untat den HERRN verhöhnt hast!«
Dann ging Nathan nach Hause.
Der HERR aber ließ das Kind, das Urijas Frau geboren hatte, schwer krank werden.
Nach einer Woche starb das Kind. Keiner von Davids Dienern wagte ihm zu sagen, dass es tot war. »Schon als das Kind noch lebte, wollte er sich nicht trösten lassen«, sagten sie zueinander. »Wenn er nun erfährt, dass es gestorben ist, wird es für uns gefährlich!«
Als David merkte, dass seine Diener miteinander flüsterten, wurde ihm klar, was geschehen war. »Ist das Kind tot?« fragte er.
»Ja«, antworteten sie.



Da stand David vom Boden auf, wusch und salbte sich und zog frische Kleider an. Dann ging er ins Heiligtum und warf sich vor dem HERRN nieder. Wieder in seinen Palast zurückgekehrt, ließ er sich etwas zu essen bringen.
Seine Leute fragen ihn: »Wie sollen wir das verstehen? Als das Kind noch lebte, hast du geweint und gefastet*, und nun, wo es gestorben ist, stehst du auf und isst!«

Doch David sagte: »Solange das Kind noch lebte, habe ich gefastet und geweint, weil ich dachte: Vielleicht hat der HERR doch noch Erbarmen mit mir und lässt es am Leben.
Aber nun ist es tot; was soll ich mich da noch kasteien? Ich kann es ja doch nicht wieder zum Leben erwecken. Ich folge ihm einmal nach - aber zu mir kommt es nicht mehr zurück.«
Dann ging David zu Batseba, seiner Frau, und tröstete sie. Er schlief mit ihr, und sie bekam wieder einen Sohn. David gab ihm den Namen Salomo. Der HERR wandte dem Kind seine Liebe zu.
2.Samuel 11,
2-7.14-18.26-27.12,1-10.13-15.18-24

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