Die Konfirmandinnen und Konfirmanden
stellen sich vor

www.reformiertestadtkirche.at

 

 


Gottesdienst in der Reformierten Stadtkirche
am 21
. Jänner 2007

"Das Leben - eine Mutprobe"

 

Die Konfirmandinnen und Konfirmanden
 


Nadine Chytil
Hannah Duschet
Maximilian Fellinger
Sandra Hepp
Clemens Huber
Daniel Kantas
Christina Knosp
Konstantin Kratochwill
Marie-Louise Legenstein
Konstantin Prindl
Maximilian Prindl

Simonetta Prindl


 

Ricarda Rainer
Serafin Ressl
Lara Rohringer
Patrick Samsinger
Daniel Schwab
Cornelia Tringler
Bianca Tringler
Katrin Waclavicek

Cornelia Waymann
Beatus Widhofner
Georg Wolf
Georg Zoltan

 

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter:
 


Nina Burian
Florian Drapalik
Jakob Duschet
Ruth Duschet
Simon Duschet
 

Ivo Friedberg
Benedek Kruchio
Melanie Tringler
Florian Zenz
 

 

Der Pfarrer:
 Harald Kluge

Der Organist:
Martin Horn
 

                                                       



 

Gebet

Lieber Gott, zeige mir: Was ist wahrer Mut?

Ich will mich für so vieles in der Welt einsetzen, was mir wichtig ist und was diese Welt so nötig hat.

Gott, warum fehlt es mir aber so häufig an Mut, gerade dann, wenn ich ihn so dringend brauche?

Ich möchte lernen, eigene Wege zu gehen, aber oft behandelt man mich noch wie ein Kind. Man nimmt mir die wichtigen Entscheidungen ab – aus falscher Sorge.

Ich will meine Kindheit abschließen, den falschen Kinderglauben mit Strafe und Vergeltung, schlechtem Gewissen und Knecht Ruprecht auf den Müll werfen. Ich weiß, dass nicht das Christkind die Geschenke bringt und dass der Osterhase ein Heide war.  

Lieber Gott, ich will den echten Glauben in der Welt suchen, der mich mutig macht, meinem persönlichen Weg treu zu bleiben. Der Mainstream lenkt mich  ab, aber ich schwimme mutig gegen den Strom.

Gott, gib mir Mut, zu meiner Meinung zu stehen, ohne immer gleich bei den drohenden Konsequenzen klein bei zu geben.

Lieber Gott, ich brauche nicht wirklich mehr Mut. Denn ich bin mutig genug, dass ich meine Angst nicht immer verstecken will. Schenke mir bloß so viel Mut, damit ich die Angst auch im Zaum halten kann und sie mich nicht beherrscht. Ich will mit ihr leben lernen, ohne dass sie mich quält und tyrannisiert.

Denn ich weiß, die Angst macht kreativ und schlau. Und der Mut macht mich klug und stark.

Hab Dank für so viel Ermutigung.

AMEN

 


 

Aktionsgruppe

 

Predigt
Jesus Sirach 4,20-24.26-29


Liebe Gemeinde,

Das Thema des heutigen Gottesdienstes ist MUT. Mut ist schwerer zu finden als eine Nadel im Heuhaufen und passende Worte finden sich noch schwerer. Aber Mut macht das Leben leichter. Wir alle kennen Helden aus Filmen und Büchern, so wie Superman oder Neo und wir alle wünschen uns manchmal, so sein zu können wie sie. Manchmal wären wir gerne so stark oder schnell wie sie, wünschen wir uns, fliegen zu können oder unverwundbar zu sein. Aber macht mich erst das zu einem Helden? Eine Sache haben sie alle: Sie lernen alle den Mut, sich für andere Menschen einzusetzen. Sie stellen sich ihren eigenen Ängsten. Sie geben niemals auf. Nichts kann sie aufhalten. Kryptonit macht sie vielleicht langsamer. Das sind schöne Ideale! Aber kann und will ich so ein Held im Leben sein? Oft habe ich Angst und verliere meinen Mut. Ich verliere meine Hoffnung und mein Vertrauen. Helfe nicht, obwohl ich es eigentlich wollte. Scheitere und gebe auf. Und fliegen kann ich eigentlich auch nicht. Auch nicht mit ein paar Red Bull. Aber was ist dann Mut? Bedeutet Mut nur, Schwächere zu beschützen? Können nur die Starken mutig sein?

 


 

Ich kann mich gut an alle Situationen erinnern, in denen ich mutig war. Ich denke gern an den Moment zurück, in dem ich mich Selbst übertroffen und überrascht habe, als ich etwas zustande gebracht habe, was ich und andere nie für möglich gehalten hätten. Bedeutet mutig sein vielleicht nur, dass ich keine Angst habe? So wie es in den Western heißt: „Mut ist nichts anderes als Angst, die man nicht zeigt.“ (Sergio Leone) Wenn es so ist, dann hat niemand von uns Mut. Wir alle haben Ängste. Auch die größten Helden, selbst ein Feuerwehrmann, wenn er mutig ins brennende Haus stürmt. Mutig zu sein, bedeutet vielleicht gar nicht, keine Angst zu haben. Mutig zu sein, bedeutet vielleicht, dass ich mich meinen Ängsten stelle. Mut zeigt sich nicht nur in den großen Entscheidungen, wenn es um Leben und Tod geht. Einen Ertrinkenden aus der reißenden Donau retten  oder einen Selbstmörder vom Sprung abhalten zum Beispiel. Meistens braucht man bei den ganz alltäglichen Dingen auch schon eine ganze Menge Mut. Dass ihr als unsere Eltern uns vertraut, dass wir auf uns selbst aufpassen können, das ist eine schwierige Sache. Da wünschten wir uns mehr Mut von euch. Dann könnten wir gut lernen, uns dagegen zu stellen, wenn jemand ungerecht behandelt wird, oder jemand anderem helfen. Unser Leben ist eine ständige Mutprobe. Das Leben zu leben, braucht Mut. Aus vielen Situationen kann ich flüchten. Ich kann vor den meisten Entscheidungen davonlaufen. Woher soll ich denn lernen, wie man mutig ist? Was ermutigt mich? Gebt ihr uns Mut und zeigt ihr uns, wie man mutig ist?

In der Bibel findet sich im Buch Jesus Sirach ein simpler Ratschlag für uns.

 


 

Tu alles zur rechten Zeit und lass dich nicht zum Bösen verleiten, sonst musst du dich vor dir selbst schämen!

Es gibt eine Scheu, die dich schuldig werden lässt, und eine andere Scheu, die dir Ruhm und Ehre einbringt.

Sei unparteiisch, sonst schadest du dir selbst. Lass dich nicht von deiner eigenen Scheu zu Fall bringen!

Wenn der Augenblick es erfordert, mach den Mund auf und rede! Du brauchst dein Wissen nicht zu verstecken.

Ob du Weisheit und Bildung besitzt, zeigt sich an dem, was du sagst.

Scheu dich nicht, deine Verfehlungen zu bekennen; es wäre sinnlos, den Lauf eines Flusses aufhalten zu wollen.

Lass dich nicht von einem dummen Menschen beherrschen, und von einem mächtigen lass dich nicht einschüchtern!

Kämpfe für die Wahrheit unter Einsatz deines Lebens; der Herr wird selbst den Kampf für dich führen.

Sei nicht voreilig mit Worten, aber auch nicht faul und träge mit Taten!

Jesus Sirach 4, 20-24.26-29

 


 

Das klingt zwar alles sehr schön und macht auch Sinn, aber das ist eben nicht so einfach.

Wir haben uns die Köpfe zerbrochen, nächtelang, wochenlang, um Beispiele für mutiges Handeln zu finden. Na ja, hier oben stehen  und predigen, ist doch auch schon ganz schön mutig, oder? Kann es denn wirklich so schwierig sein, Beispiele für mutiges Handeln zu finden? Zuerst denken wir an die Vergangenheit unserer Kirche. Immer wieder sprachen sich Menschen offen gegen die übermächtige Institution der katholischen Kirche aus. Oft gingen sie dafür auch in den Tod. So versuchten Hus und Wyclif noch vor allen anderen etwas zu ändern. Sie sagten als Erste ihre Meinung ohne zu wissen was mit ihnen passieren würde. Als Luther damals seine letzte Chance auf Widerruf erhielt und dennoch sagte: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“ und damit seinen Glauben verteidigte. Er hätte auch sagen können: „Hier stehe ich, ich könnt auch anders.“ Er wusste sehr wohl, dass er dafür hätte hingerichtet werden können. Denn man wollte ihn umbringen, so wie Jan Hus.

Auch Calvin brauchte schon eine gehörige Portion Mut oder wie Zwingli mehrere Portionen Wurst um sich der katholischen Kirche zu widersetzen.

In der Zeit der Gegenreformation waren Protestanten immer wieder gezwungen ihren Glauben zu verstecken. Hätten sich damals die Angehörigen unserer Kirche nicht getraut, ihren Glauben ihren Kindern im Geheimen weiterzugeben, dann gäbe es heute unsere Kirche nicht.

Das ist alles schon lange her, aber es zeigt, dass es viele mutige Leute gebraucht hat, um jetzt hier zu sein. Stellen wir uns einmal vor, was unser Handeln bewirken kann. Hätten wir auch so mutig gehandelt? Wären wir auf die Straßen demonstrieren gegangen, gegen Studiengebühren, gegen Eurofighter? Wenn ich merke, dass man jemandem Unrecht antut,  zum Beispiel, wenn sich eine Schlägerei anbahnt, müsste ich dazwischen gehen und dem Schwächeren helfen. Oder ich müsste noch besser Hilfe holen und darf halt einfach nicht nur wegschauen. Wenn mich mein Lehrer in der Schule ungerecht behandelt, müsste ich aufstehen und mich wehren. Ich will die Kraft finden „Nein“ sagen zu können, wenn mir etwas nicht gefällt. Und wenn mir jemand gefällt, dann möchte ich auch den Mut aufbringen, dieses liebevolle Wesen anzusprechen. Wir müssten das alles tun, denn Mut ist hoch ansteckend. Wenn ich mich selbst übertreffe, werde ich bei allem, was ich tue, sicherer werden. Jeder von uns und ihnen kann Vorbild für mutiges Leben sein. Viele vergessen das und belächeln die Menschen, die zu ihrer Meinung stehen. Zu  sagen dürfen, was man denkt, sollte nicht nur ein Recht bleiben.

Ich will mich trauen, Kritik zu üben, aber finde oft nicht den Mut, die Probleme anzusprechen. Weil da immer auch die Angst mitschwingt, man könnte mich missverstehen. Überall wo ich hinsehe, kann ich Menschen sehen, denen es schlecht geht. Und wir denken uns, wenn wir nichts tun, wird sich nichts verändern. Unser mutiges Handeln wird anderen helfen, selbst mutig zu sein.

In unserem ganzen Leben werden wir auf die Probe gestellt. Jede Entscheidung, die wir treffen müssen, ist eine Art von Mutprobe. Vor dem Leben kann ich nicht davonlaufen und mich immer nur fragen, was hätte sein können. Mut ist, nicht ständig nur zu fragen, was wir tun können, sondern es einfach zu tun.                                       AMEN

 


 

 

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