Ansprache der Kuratorin
Evelyn Martin
zur Konfirmation 2002

www.reformiertestadtkirche.at

 

 

 

Herzlich willkommen in unserer Gemeinde,
liebe junge konfirmierte Gemeindemitglieder –
jedes Jahr suche ich nach einer passenden Anrede,
die der Situation besser entspricht –
eine bessere ist mir immer noch nicht eingefallen.

Aber diese komplizierte Anrede ist gleichzeitig eine Abkürzung.
Ein Kürzel für vieles, was ich Euch jetzt sagen möchte.
Aber keine Angst, als alte Pädagogin weiß ich schon:
zu viel darf´s auch nicht sein, sonst bleibt gar nichts davon in Erinnerung.

Also: KONFIRMIERT seid ihr nun. Wieso eigentlich?
Zunächst einmal: Es war Euer eigener, selbständiger Entschluss,
diesen Weg zu gehen, euch einzulassen,
zunächst einmal auf den Kurs, d.h. auf ein gutes halbes Jahr
in ungewohnter Umgebung, in eine ganz neuen Gruppe.

Aber nicht irgend einer Gemeinschaft sondern die eurer Pfarrgemeinde,
in die ihr durch Eure Taufe hineingewachsen seid.
Also zunächst – unbeeinflusst von Euch - die Zugehörigkeit zu uns,
zur Reformierten Stadtkirche in Wien I.
Und dann Euer eigener Schritt:
Ja, ich möchte gerne auch weiterhin mit dieser Kirche,
dieser Gemeinde was zu tun haben – ich gebe diese Bestätigung –confirmation ! –
die Konfirmation für die Entscheidung meiner Paten und Eltern,
die vermutlich an die 15 Jahre zurückliegt.

Ein Bekenntnisakt, eine bekenntnishafte Entscheidung.
Nun gehe ich davon aus, dass Ihr Euch in den letzten Monaten 
vielleicht auch manchmal gefragt habt, ob das jetzt auch alles so richtig ist.
Vielleicht gab es ja auch interessantere Alternativen zum Konfi-Kurs,
die Euch auch gereizt hätten.

Damit will ich keineswegs die Arbeit Pfr. Langhoffs und seines Assistententeams herabsetzen, aber ich hab da so meine Phantasien, die wie alle Phantasien von Erwachsenen natürlich aus meiner eigenen Biographie, aus meinen eigenen Erinnerungen kommen.

Und zu dieser Entscheidung, dass ihr nämlich dran geblieben seid,
dazu möchte ich Euch einfach gratulieren.
Denn das wissen wir Älteren schon:
So selbstverständlich ist das heute nicht mehr,
dass sich junge Leute auf so einen Prozess einlassen.
Ich wette, dass ihr in Euren Schulklassen zu einer Minderheit zählt,
als SchülerInnen die zu Konfirmation oder Firmung gehen.

Dass es offensichtlich geglückt ist für Euch in diese Gruppe,
in diese kleine Gemeinschaft des Konfi-Kurses hineinzufinden,
das freut mich natürlich auch.
Ein wenig konnte ich Euch ja aus der Ferne beobachten, wenn ihr im Haus aus oder eingegangen seid und meist nur in der Gruppe aufgetreten seid.
Und auch da bin ich ganz sicher, dass ihr selber,
jede und jeder von Euch,
entsprechend dazu beigetragen hat, dass es so geworden ist.

Und da bin ich schon bei dem ureigensten Begriff „GEMEINDE“.
Diese Gemeinschaft des Konfi-Kurses war sozusagen eine Einübung in das was Gemeinde sein kann:
Ein Miteinander, in dem man/frau Interessen teilt,
Pläne entwickelt, Unternehmen plant, sich auf andere einlässt.
Das Besondere dran ist aber das was uns miteinander verbindet,
ist unser Bekenntnis:

Es ist sicher kein Zufall, der uns hier in der Dorotheergasse 16 zusammenführt,
sondern wir glauben daran,
dass uns Gott ganz bewusst hierher gestellt hat,
an diesen Ort, in diese Kirche, in diese weltweite Ökumene.

Dass „REFORMIERT SEIN“ nicht nur ein exotisches Anderes im Konzert der Konfessionen ist,
wie eine Delikatesse im Supermarkt der Glaubensgemeinschaften,
sondern eine ganz spezifische Form, seinen Glauben zu leben,
die von uns immer wieder sehr persönliches Engagement und Stellungnahme erwartet,
das führt uns hier zusammen.
Die Einladung euch daran aber in diesem Sinne aktiv zu beteiligen,
euch einzumischen,
und von Euren Rechten in der Gemeinde Gebrauch zu machen,
die möchte ich nun im Namen unseres Presbyteriums aussprechen.
Wir haben große Hoffnungen und Erwartungen an euch,
an die nächste Generation.
Wirklich gut werden wird unsere gemeinsame Zukunft aber nur,
wenn wir uns gemeinsam – über alle Altersgruppen hinweg unter den einen Segen stellen.

In diesem Sinne: Herzlich willkommen in unserer Gemeinde!

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