20. Jänner 2002

Konfirmandinnen und Konfirmanden

Jung, fit, dynamisch und natürlich schön möchte heutzutage wohl jeder sein. Und die Werbung, die zeigt uns jeden Tag aufs Neue den besten Weg zu diesem Ideal.

Aber ist das auch der richtige Weg?

Erreichen wir so wirklich die wahre Schönheit?

Was ist wahre Schönheit überhaupt?

Für uns heißt schön sein Charakter haben, sich anderen gegenüber so zu geben, wie man wirklich ist, selbstbewusst zu sein, Spaß an seinem Leben zu haben und herzlich lachen zu können. Um wirklich schön zu sein muss man aufrichtig und ehrlich sein, denn durch Lügen und Schauspielerei verliert man seine Schönheit Wer nicht an seine eigene innere und äußere Schönheit glaubt, wer sich selbst nicht so akzeptiert wie er ist, sondern glaubt sich durch Täuschung und Schwindelei „schön lügen“ zu müssen, wird genau das Gegenteil erreichen, er wird für die anderen immer hässlicher werden.

Vieles in unserem Leben, wie Freunde, Liebe, ein gutes Essen, aber auch Geld finden wir schön. Aber sind diese Dinge wirklich alle uneingeschränkt schön? Haben sie nicht, wenn man sie eingehender betrachtet, zwei Gesichter?

Echte Freunde zu haben ist etwas unglaublich schönes. Es ist ein Geschenk Gottes, denn niemand kann sich echte Freunde kaufen! Eine Freundschaft ist ein ewiges geben und nehmen, und das ist das schöne daran, dass man sich gegenseitig das Gefühl gibt, dass man sich gern hat und für den anderen da ist. Mit Freunden kann man Spaß haben und lachen, man kann ihnen vertrauen, sich auf sie verlassen und sie stehen einem in schweren Zeiten bei.

Das schönste an echten Freunden ist, dass sie einen so akzeptieren wie man ist. Man braucht sich nicht zu verstellen oder anders zu geben als man in Wirklichkeit ist, man muss nicht irgendeinem gerade angesagtem Idealbild entsprechen oder sich einem Modetrend unterwerfen und man muss auch nicht der Meinung sein, von der alle anderen überzeugt sind.

Solche Beziehungen geben uns Kraft und stärken uns. Sie fördern unser Selbstbewusstsein und unsere Eigenständigkeit und machen uns glücklich. Sie geben uns die Möglichkeit uns weiterzuentwickeln, durch sie lernen wir tolerant und verständnisvoll zu sein; und dadurch werden wir schöner.

Ähnlich wie mit den Freunden ist es mit der Liebe. Liebe ist die schönste Sache der Welt und nicht nur das. Liebe macht schön, sie lässt uns regelrecht aufblühen. Man weiß, dass man sich auf den anderen verlassen und ihm vertrauen kann, man ist bereit mehr zu geben als zu nehmen.

Aber Liebe kann nicht nur schön sein, sie kann auch sehr grausam und verletzend sein. Sie hat die Kraft zu zerstören, was sie erschaffen hat, und oft vernichtet sie noch mehr als das, was durch sie entstanden ist.

So wie die Liebe ist selbst die Schönheit an sich nicht nur schön. Auch sie hat ihre dunklen Seiten, die Menschen verändern können. Schönheit in Hässlichkeit, Liebe in Hass. Gerade in der heutigen Zeit sind Begriffe wie Anorexie oder Bulimie für niemanden mehr ein Fremdwort. Zu oft hat man schon erschreckende Berichte darüber gelesen und sich mit Entsetzen die Bilder der abgemagerten Frauen angesehen.

Die Medien kreieren ein Idealbild der Frau, dem vorwiegend junge Frauen verfallen: schlank, schlanker, am schlanksten. Mädchen und junge Frauen lassen sich dadurch verunsichern, wissen nicht mehr ob sie von ihrer Umwelt auch so akzeptiert werden, wie sie sind, fragen sich ob sie schön genug sind.

Viele lassen sich beeinflussen und wollen so aussehen wie die Models auf den Titelblättern der Modezeitschriften. Sie beginnen ihr Leben zu verändern ohne über die Folgen nachzudenken. Immer schlanker werden - das ist ihr Ziel, so aussehen, wie die Mädchen auf dem Laufsteg.

Und auch von den Männern wird heutzutage gefordert dem gängigen Schönheitsideal zu entsprechen.

Ganz nach dem Motto „wer schön sein will muss leiden“ quälen sich unzählige Frauen und Männer, Junge und Alte, Reiche und Arme mit Aerobic und Diäten. Und das alles nur, weil wir versuchen uns schön zu machen, so schön wie die anderen es von uns erwarten und fordern und vergessen dabei, dass Schönheit nicht nur äußerlich ist sondern vor allem von innen kommt. Aber erst, wenn wir selbst unsere innere Schönheit erkennen wird sie auch für andere sichtbar. Durch die Anerkennung von außen fühlen wir selbst uns wiederum bekräftigt, wodurch wir noch schöner werden.

Jesus ist immer wieder auf die Menschen zugegangen und hat dadurch vielen die Kraft gegeben an das Gute und Schöne in ihnen zu glauben. So auch Zachäus in Lukas 19/1-10:

Jesus ging nach Jericho hinein und zog durch die Stadt.

In Jericho lebte ein Mann namens Zachäus. Er war der oberste Zolleinnehmer in der Stadt und war sehr reich. Er wollte unbedingt sehen, wer dieser Jesus sei. Aber er war klein, und die Menschenmenge versperrte ihm die Sicht. So lief er voraus und kletterte auf einen Maulbeerfeigenbaum, um Jesus sehen zu können; denn dort musste er vorbeikommen.

Als Jesus an die Stelle kam, schaute er hinauf und redete ihn an: »Zachäus, komm schnell herunter, ich muss heute dein Gast sein!«

Zachäus stieg schnell vom Baum und nahm Jesus voller Freude bei sich auf.

Alle sahen es und murrten; sie sagten: »Bei einem ausgemachten Sünder ist er eingekehrt!« Aber Zachäus wandte sich an den Herrn und sagte zu ihm: »Herr, ich verspreche dir, ich werde die Hälfte meines Besitzes den Armen geben. Und wenn ich jemand zuviel abgenom­men habe, will ich es ihm vierfach zurückgeben.«

Darauf sagte Jesus zu ihm: »Heute ist dir und deiner ganzen Hausgemeinschaft die Rettung zuteil geworden! Auch du bist ja ein Sohn Abrahams. Der Menschensohn ist gekommen, um die Verlorenen zu suchen und zu retten.«

In dieser Geschichte ging es also um einen Mann auf den alle herabschauten, an dem niemand etwas Schönes fand. Jesus aber ließ sich von der Meinung der anderen nicht beirren und wollte sich sein eigenes Bild machen, er glaubte an den Zöllner. Und schließlich musste die Leute einsehen, dass auch in Zachäus etwas Gutes und Schönes steckt. Allein durch den Glauben an das Gute in Zachäus brachte Jesus das Schöne in ihm hervor.

Gott hat ja zu Zachäus gesagt und lässt sich das nicht nehmen. Nicht von dem verbitterten und hässlich gewordenen Zachäus und nicht von den Leuten, die Zachäus abgestempelt haben. Gott kennt das Gute in Zachäus. Die Selbsteinladung Jesu bei Zachäus gibt ihm die Möglichkeit, seine besten Seiten wieder hervorzukehren.

Vielleicht muss man Gott sein, um in jedem Menschen Gutes sehen zu können. Vielleicht braucht man die Opferbereitschaft eines Jesus, um zu warten, bis hinter all der Gemeindehit und Bosheit ein guter Kern hervorkommt.

Kirche ist der Ort zum Schönwerden.

Hier kann ich erfahren, dass Christus mich entdeckt hat und meine guten Seiten freilegt.

Hier kann ich den Blick lernen, in anderen ihre guten Seiten zu erkennen und  anzusprechen.