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19. Jänner 2003

Konfirmandinnen und Konfirmanden

 

 

 

 

Prediger 3, 14: Ich merkte, dass alles, was Gott tut, das besteht für ewig; man kann nichts dazu tun noch wegtun. Das alles tut Gott, daß man sich vor ihm fürchten soll.

Liebe Gemeinde,

Das heutige Thema lautet Katastrophen. Ein Begriff, bei dem jedem von uns sofort tausend Bilder durch den Kopf schießen. Bilder von Hochwassern, von Umweltverschmutzungen, Seuchen, Bilder von Menschen, die verzweifelt sind, von einstürzenden Gebäuden, von Geiselnahmen, von Erdbeben und brennenden Ölfeldern.

Wenn ich diese Bilder sehe, dann frage ich mich, ob es überhaupt einen Sinn hat an Gott zu glauben, an einen Gott, der das alles zulässt, an einen Gott, der das alles will. Wenn ich diese Bilder sehe, dann fühle ich mich wie eine Marionette in Gottes Hand. Mein Schicksal ist vorbestimmt, ich muss mich den Plänen Gottes fügen und kann nichts dagegen tun.

Wenn ich diese Bilder sehe, dann bin ich verzweifelt und stelle alles in Frage, dann fühle ich mich hilflos und bedeutungslos. Ich hoffe, dass mir so etwas nicht passieren wird und Gott mich mit seinem Plan verschont.

Ich frage mich, wer die Schuld an diesen Katastrophen hat, wer mit Gewalt soviel zerstören kann.

Im Prediger 3 heißt es, dass alles seine Zeit hat und dass alles vorherbestimmt ist. Gott hat Schuld an den guten, aber auch an den schlechten Dingen, die passieren. Er hat einen Plan, den wir nicht verstehen und zieht ihn einfach durch, ohne Rücksicht auf Verluste.

Gott hat Schuld, das ist eine Antwort – aber ist das nicht zu einfach?

 

 

 

Psalm 94: Herr, du Gott der Vergeltung, du Gott der Vergeltung , erscheine.

Lieber Gott, ich glaube, dass ich deinen Plan verstehe. Ich weiß jetzt, warum Katastrophen passieren, warum Berge Feuer speien, warum die Erde bebt, warum das Wasser steigt und warum der Orkan über unser Land fegt.

Du Gott der Vergeltung bestrafst die Ungläubigen, du setzt ein Zeichen. Du zeigst den Menschen, dass es so einfach nicht weitergehen kann.

Wie oft habe ich mir nicht gewünscht, dass du mit einem flammenden Schwert zur Erde herunter steigst und Ordnung schaffst. Jetzt tust du es und ich hoffe, dass die Menschen es verstehen.

Natürlich werden bei Katastrophen auch einige Gläubige nicht verschont. Aber der Zweck heiligt die Mittel. Du wirst durch deine Taten und deine Härte einen Haufen neuer Anhänger gewinnen. Die Menschen verlangen doch immer nach einem starken Anführer, der Zeichen setzten kann, der stark ist, der Macht und Durchsetzungsvermögen hat.

Es ist sehr angenehm an einen Gott zu glauben, der das Ruder fest in der Hand hat, der den Menschen zeigt, wie weit sie gehen können, der dafür sorgt, dass jeder seine gerechte Strafe bekommt.

Gott übt Vergeltung, das ist eine Antwort, aber ist das nicht zu einfach?

 

 

 

1. Mose 18, Vers 23: Willst du denn den Gerechten mit dem Gottlosen umbringen?

Bevor die Katastrophe von Sodom und Gomorrha passiert, gibt Gott Abraham die Möglichkeit, mit ihm in Verhandlungen zu treten. Das, liebe Gemeinde, ist ein Gleichnis, mit dem ich mich durchaus anfreunden kann.

Gott kündigt einigen Menschen die Katastrophe an. Doch nur Abraham nimmt die Ankündigung ernst und wendet sich an Gott. Er weiß, dass etwas Schlimmes passieren wird und versucht das mit allen Mittel zu verhindern. Abraham verhandelt sehr hart, kann aber im Endeffekt die Entscheidung Gottes nicht beeinflussen.

An Abrahams Stelle hätte ich nicht zwischen Gottlosen und Gerechten unterschieden, sondern versucht für alle zu bitten. Ich hätte Gott erklärt, dass es keinen Sinn hat alle auszulöschen, da er damit den sogenannten „Gottlosen“ die Chance nimmt, etwas an ihrem Leben zu ändern.

In meinen Augen versucht Gott in dieser Geschichte für sich Imagewerbung zu betreiben. Er gibt sich verhandlungsbereit und unter dem Motto „Er rettet ja doch“ rettet er Lot und seine Familie. Er gibt den Menschen eine kleine Chance, trifft aber doch seine Entscheidung.

Gott rettet die Gerechten, das ist eine Antwort – aber ist das nicht zu einfach?

 

 

 

Lukas 13, ‚Vers 4: Oder meint ihr, daß die achtzehn, auf die der Turm in Siloah fiel und erschlug sie, schuldiger gewesen sind als alle anderen Menschen, die in Jerusalem wohnen.

Jesus beantwortete diese Frage mit einem eindeutigen „Nein“.

Wie oft hören wir von Katastrophen und denken uns, das kann uns nicht passieren. Wir sind davon überzeugt, auf der sicheren Seite zu stehen, aber warum eigentlich? Was macht uns so sicher? Sind wir wirklich so davon überzeugt, immer das Richtige zu tun?

Oder wollen wir uns vielleicht gar nicht damit auseinandersetzen? Wollen wir nicht zugeben, dass wir oft genug Fehler machen. Dass wir gerade in dem Moment, in dem wir denken, uns kann eh nichts passieren, schon einen Fehler machen. Wir schauen weg, wir stumpfen ab und lassen die Menschen mit ihrem Elend alleine. Wir dürfen nicht vergessen, dass uns genau das gleiche passieren kann und dass wir für viele Katastrophen selbst verantwortlich sind.

Wir sind für das, was passiert, verantwortlich und müssen uns dieser Verantwortung stellen. Jesus sagt, wir müssen Buße tun, sonst wird der Turm auch auf uns fallen. Es liegt also in unserer Hand, ob Katastrophen passieren oder nicht.

Wir haben die Möglichkeit etwas zu tun, etwas zu verhindern, wir müssen unsere Chance nur nützen.

Die Menschen sind verantwortlich, eine Antwort – aber ist das nicht zu einfach?

Wir haben versucht eine Antwort zu finden und wollten es uns dabei nicht einfach machen. Wir sind dabei auf eine Antwort gestoßen: Es hat keinen Sinn nach Schuldigen zu suchen, es hat keinen Sinn die Verantwortung hin und her zu spielen.

Wir wollen etwas tun. Wir wollen versuchen, Katastrophen zu verhindern. Wir wissen, daß uns das nicht immer, nicht sofort und nicht immer perfekt gelingen wird. Aber wir wollen einen Weg finden, um es möglich zu machen.

Dieser Weg führt einerseits über Gott. Wir glauben nicht an einen Gott, der uns bestrafen will, der Katastrophen als Zeichen seiner Macht schickt, der mit Gewalt seine Ziele erreichen will.

 

Lieber Gott, für uns bist du wie ein guter Freund, der uns auch in schweren Zeiten zur Seite steht, darum bitten wir dich:

Lass uns die Kraft haben, anderen, die eine Katastrophe erleben, zu helfen.

Lass uns nicht wegschauen, sondern gib uns die Stärke, für andere stark zu sein.

Reiß uns heraus aus unserer Anteilnahmslosigkeit.

Lass uns nicht glauben, daß uns so etwas nicht passieren kann.

Hilf uns Katastrophen zu verhindern.

Gib mir Hoffnung und Mut den richtigen Weg zu gehen.

Der Weg führt aber nicht nur über Gott, sondern auch über uns. Es liegt an uns, Katastrophen zu verhindern und einander in Krisensituationen zu helfen und uns gegenseitig zu unterstützen.

Wir wollen nicht abstumpfen und nicht untätig zusehen.

Wir wollen uns nicht an Katastrophen bereichern, indem wir die spektakulärsten Fotos an die Zeitungen verkaufen.

Wir wollen Freunde sein, die da sind.

Wir wollen Menschen sein die helfen.

Wir wollen miteinander etwas, das zerstört wurde, wieder aufbauen.

Wir wollen nicht unsere Zeit damit verschwenden, ständig nach Erklärungen zu suchen, sondern wir wollen in Zukunft etwas verändern, etwas besser machen.

Amen.

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