15. Jänner 2006

Konfirmandinnen und Konfirmanden

...denn wir wissen, was wir tun
 

Wir wissen Bescheid. Das große Geheimnis, das man vor uns schützen wollte, kennen wir bereits in- und auswendig. Die sprichwörtliche kindliche Unschuld müsst ihr bei uns nicht mehr suchen.
Aus Erzählungen und dem Fernsehen haben wir gelernt, wer uns aufklären sollte und wann. Wir wurden nicht von unseren Eltern aufgeklärt. Von Freunden und in der Schule haben wir das Wichtigste über Sex erfahren und dann haben wir uns viel dazudichten müssen. In der Schule lernen wir, den Sex als Wissenschaft zu verstehen. Wir erfahren zwar, wie Sex funktioniert und was daran gefährlich ist. Aber was Sex bedeuten soll, davon wird uns nichts gesagt. Irgendwie muss es wohl etwas Peinliches sein, kann man da vermuten. Denn wenn man darüber sprechen will, erntet man meist nur Gekicher oder abweisendes Schweigen. Wenn wir ehrlich sein sollen, können wir uns nicht einmal genau daran erinnern, wie oder von wem wir aufgeklärt wurden. Es könnte sein, dass wir von Freunden etwas aufgeschnappt haben und uns das Puzzle dann selbst zusammengesetzt haben.
Woher kann man aber dann wissen, dass man Sex richtig versteht? "So etwas weiß man halt", heißt es oft.
Wie soll man sich aber seiner eigenen Sexualität bewusst werden? Wie soll man die Pubertät überstehen, wenn man über die wichtigste Sache nichts erfährt?  Wann sollte man eigentlich aufgeklärt werden? Waren wir zu früh dran? oder vielleicht zu spät? Woher weiß man eigentlich, wann man bereit ist, aufgeklärt zu werden? Darf das überhaupt jemand anderer entscheiden als wir?
Früher hat man überhaupt weniger über Sex gesprochen, das ist uns schon klar. Aber - und das mag kitschig klingen - die Zeiten haben sich geändert. Wenn wir nicht einmal mehr wissen, woher wir unsere ganzen Informationen zum Sex haben, kann die klassische Aufklärung der Eltern ihrer Kinder ja nur mehr ein nett gemeintes Märchen sein. Wer sagt denn, dass Aufklärung überhaupt so ablaufen sollte?

Sex ist heute eigentlich überall. Wir sehen Sex im Fernsehen, auf Plakaten, hören ihn im Radio und lesen darüber in Magazinen. Die ganze Welt scheint sich nur um das Eine zu drehen. Da könnte man fast meinen, dass Aufklärung überflüssig geworden ist. Sex wird für uns inszeniert. Die Gesellschaft wird immer abgebrühter. Was vor zehn Jahren schockierend war, kümmert heute kaum noch jemanden. Sex ist etwas Normales geworden, aber das ist ja nicht unbedingt etwas Schlechtes. Immerhin sagt man oft, es sei die "normalste Sache der Welt".
Durch die Werbung lernen wir, dass Sex wichtig ist. Nicht nur deshalb, weil es Spaß machen soll, sondern vielmehr deshalb, weil nur ein gut aussehender, schöner Mensch auch glücklich werden kann. Jedenfalls wird durch die Werbung versucht, uns das mitzuteilen. Das Schönheitsideal unserer Zeit ist so freizügig und offen wie nie zuvor. Jeder versucht so zu sein wie die schönen Menschen im Fernsehen und in Magazinen. "Sex sells."
Dieses Schönheitsideal könnte uns einen offenen und ungehemmten Umgang mit Sex beibringen. Aber werden wir dadurch nicht manchmal zu unvorsichtig? Geht nicht das Besondere verloren, wenn man es zu etwas Normalem macht? Darf Sex überhaupt die "normalste Sache der Welt" sein?
Es gibt immer mehr Menschen mit Ess-Störungen. Immer mehr Menschen sind unzufrieden mit ihrem Körper. Viele Menschen lassen sich operieren, um ihren Körper zu verändern. Kann man das Schönheitsideal überhaupt noch erreichen? Vielleicht ist das neue Bewusstsein von Sex in unserer Gesellschaft daran schuld, dass viele Menschen unglücklich sind. Wenn das wirklich so ist, was soll dann in Zukunft geschehen?
Über Sex wird immer mehr gesprochen. Sex wird überall zur Schau gestellt. Man hat fast den Eindruck, als dürfte Sex nicht mehr Privatsache sein. Werden über die Darstellung von Sex die falschen Werte vermittelt? Wer etwas gegen freizügige Darstellungen sagt, wird oft als konservativ bezeichnet. Die meisten Darstellungen von Sex stören uns aber nicht einmal mehr. Unsere Meinung von Sex ist nur nicht die, die wir in den Medien sehen.

Wir reden mit unseren Freunden über Sex. Dabei merken wir, dass sie die Bedeutung von Sex oft falsch verstehen. Überhaupt bedeutet Sex für Leute in unserem Alter etwas völlig anderes als man zuerst glauben könnte. Oft bekommt man zu hören, wie mit Sex angegeben wird. Es gibt viele, die stolz davon berichten, dass sie schon Sex hatten. Wenn man hingegen zugibt, noch Jungfrau zu sein, erntet man meist nur abfällige Kommentare. Und vielleicht wird man dann auch noch aus Mitleid verkuppelt.
Sex ist etwas zum Angeben geworden. Wer Sex schon hinter sich gebracht hat, zählt mehr als andere. Wer beschließt zu warten oder sich aufzuheben, wird nur belächelt. Sex ist ein Statussymbol der Jugendkultur geworden. Je früher, desto besser. Ob das erste Mal Spaß gemacht hat, ist dabei egal. Darüber spricht man auch meistens nicht. Viele geben aber zu, dass sie ihr erstes Mal gar nicht so toll fanden. Manche meinen dann sogar, sie bereuen es, sich dafür hergegeben zu haben. Die Frage nach Romantik und Liebe stellt sich in den meisten Fällen gar nicht erst. Das bedeutet zwar, dass Sex noch etwas besonderes ist, aber genau auf die falsche Weise. Durch diesen Umgang mit Sex ist er nichts anderes als ein Ziel, auf das krampfhaft hingearbeitet wird. In der Gruppe zählen nur die etwas, die schon Sex hatten. Warum das so ist, wissen die meisten gar nicht. Sex scheint nichts mehr mit Romantik zu tun zu haben. Nicht umsonst sagt niemand mehr "Liebe machen".
Wenn man gerade diese Leute fragt, ob ihnen Liebe wichtig ist, antworten die meisten anders. Viele geben dann zu, dass sie sich in Wirklichkeit doch nach einer festen Beziehung und nach Liebe sehnen. Sie glauben aber, dass sie darauf noch lange warten müssten.
Gibt es noch das "perfekte erste Mal"? Niemand glaubt noch daran, aber viele hoffen darauf. Das perfekte erste Mal ist zu einem Märchen geworden. Liebe ist zwar wichtig, aber schwer zu finden. So schwer, dass sich manche gar nicht erst die Mühe machen, danach zu suchen. Sex kann man ohnehin bekommen. Romantik spielt keine Rolle mehr. Eine Schwangerschaft wäre eine Katastrophe. Aber wer ist daran schuld? Was kann man dagegen schon machen? Mehr als zu verzweifeln trauen sich die meisten nicht zu.

Und es begab sich danach: Absalom, der Sohn Davids, hatte eine schöne Schwester, die Tamar hieß; und Amnon, der Sohn Davids, gewann sie lieb.
Und Amnon grämte sich, so dass er fast krank wurde, um seiner Schwester Tamar willen; denn sie war eine Jungfrau, und es schien Amnon unmöglich zu sein, ihr etwas anzutun.
Amnon aber hatte einen Freund, der hieß Jonadab, ein Sohn von Davids Bruder Schamma, und dieser Jonadab war ein sehr erfahrener Mann.
Der sprach zu ihm: Warum wirst du so mager von Tag zu Tag, du Königssohn? Willst du mir's nicht sagen? Da sprach Amnon zu ihm: Ich habe Tamar, die Schwester meines Bruders Absalom, lieb gewonnen.
Jonadab sprach zu ihm: Lege dich auf dein Bett und stelle dich krank. Wenn dann dein Vater kommt, dich zu besuchen, so sprich zu ihm: Lass doch meine Schwester Tamar kommen, damit sie mir Krankenkost gebe und vor meinen Augen das Essen bereite, dass ich zusehe und von ihrer Hand nehme und esse.
So legte sich Amnon hin und stellte sich krank. Als nun der König kam, ihn zu besuchen, sprach Amnon zum König: Lass doch meine Schwester Tamar kommen, dass sie vor meinen Augen einen Kuchen oder zwei mache und ich von ihrer Hand nehme und esse.
Da sandte David zu Tamar ins Haus und ließ ihr sagen: Geh hin ins Haus deines Bruders Amnon und mache ihm eine Krankenspeise.
Tamar ging hin ins Haus ihres Bruders Amnon; er aber lag zu Bett. Und sie nahm den Teig und knetete ihn und bereitete ihn vor seinen Augen und backte die Kuchen.
Und sie nahm die Pfanne und schüttete sie vor ihm aus; aber er weigerte sich zu essen. Und Amnon sprach: Lasst jedermann von mir hinausgehen. Und es ging jedermann von ihm hinaus.
Da sprach Amnon zu Tamar: Bringe die Krankenspeise in die Kammer, damit ich von deiner Hand nehme und esse. Da nahm Tamar die Kuchen, die sie gemacht hatte, und brachte sie zu Amnon, ihrem Bruder, in die Kammer.
Und als sie diese zu ihm brachte, damit er esse, ergriff er Tamar und sprach zu ihr: Komm, meine Schwester, lege dich zu mir!
Sie aber sprach zu ihm: Nicht doch, mein Bruder, schände mich nicht; denn so tut man nicht in Israel. Tu nicht solch eine Schandtat!
Wo soll ich mit meiner Schande hin? Und du wirst in Israel sein wie ein Ruchloser. Rede aber mit dem König, der wird mich dir nicht versagen.
Aber er wollte nicht auf sie hören und ergriff sie und überwältigte sie und wohnte ihr bei.
Und Amnon wurde ihrer überdrüssig, so dass sein Widerwille größer war als vorher seine Liebe. Und Amnon sprach zu ihr: Auf, geh deiner Wege!
Sie aber sprach zu ihm: Dass du mich von dir stößt, dies Unrecht ist größer als das andere, das du an mir getan hast. Aber er wollte nicht auf sie hören,
sondern rief seinen Diener, der ihm aufwartete, und sprach: Treibe diese von mir hinaus und schließ die Tür hinter ihr zu!
Und sie hatte ein Ärmelkleid an; denn solche Kleider trugen des Königs Töchter, solange sie Jungfrauen waren. Und als sein Diener sie hinausgetrieben und die Tür hinter ihr zugeschlossen hatte,
warf Tamar Asche auf ihr Haupt und zerriss das Ärmelkleid, das sie anhatte, und legte ihre Hand auf das Haupt und ging laut schreiend davon.
Und ihr Bruder Absalom sprach zu ihr: Ist dein Bruder Amnon bei dir gewesen? Nun, meine Schwester, schweig still; es ist dein Bruder, nimm dir die Sache nicht so zu Herzen. So blieb Tamar einsam im Hause ihres Bruders Absalom.
Und als der König David dies alles hörte, wurde er sehr zornig. Aber er tat seinem Sohn Amnon nichts zuleide, denn er liebte ihn, weil er sein Erstgeborener war. Doch Absalom redete nicht mit Amnon, weder Böses noch Gutes.
Denn Absalom hasste Amnon, weil er seine Schwester Tamar geschändet hatte.
Nach zwei Jahren aber hatte Absalom Schafschur in Baal-Hazor, das bei Ephraim liegt. Und Absalom lud alle Söhne des Königs ein
und kam zum König und sprach: Siehe, dein Knecht hat Schafschur; der König und seine Großen mögen mit seinem Knecht hingehen.
Der König aber sprach zu Absalom: Nicht doch, mein Sohn, lass uns nicht alle gehen, damit wir dich nicht beschweren. Und obgleich er ihn nötigte, wollte er doch nicht hingehen, sondern entließ ihn mit seinem Segen.
Absalom sprach: Soll dann nicht mein Bruder Amnon mit uns gehen? Der König sprach zu ihm: Warum soll er mit dir gehen?
Da nötigte ihn Absalom, dass er Amnon und alle Söhne des Königs mit ihm gehen ließ. Und Absalom machte ein Mahl, wie wenn der König ein Mahl gibt.
Absalom aber gebot seinen Leuten: Seht darauf, wenn Amnon guter Dinge wird vom Wein und ich zu euch spreche: Schlagt Amnon nieder!, so sollt ihr ihn töten. Fürchtet euch nicht, denn ich hab's euch geboten; seid nur getrost und geht tapfer dran!
So taten die Leute Absaloms mit Amnon, wie ihnen Absalom geboten hatte. Da sprangen alle Söhne des Königs auf, und jeder setzte sich auf sein Maultier, und sie flohen.
Und als sie noch auf dem Wege waren, kam das Gerücht vor David, Absalom habe alle Söhne des Königs erschlagen, dass nicht einer von ihnen übrig geblieben sei.
Da stand der König auf und zerriss seine Kleider und legte sich auf die Erde, und alle seine Großen, die um ihn her standen, zerrissen ihre Kleider.
Da hob Jonadab, der Sohn Schammas, des Bruders Davids, an und sprach: Mein Herr denke nicht, dass alle jungen Männer, die Söhne des Königs, tot sind; sondern Amnon allein wird tot sein. Denn das hatte Absalom im Sinn von dem Tage an, da jener seine Schwester Tamar geschändet hatte.
So möge nun mein Herr, der König, nicht meinen, dass alle Söhne des Königs tot seien, sondern Amnon allein ist tot.
Absalom aber floh. Und als der Knecht auf der Warte seine Augen aufhob und ausschaute, siehe, da war viel Volk auf dem Wege nach Horonajim, am Abhang.
Da sprach Jonadab zum König: Siehe, die Söhne des Königs kommen; wie dein Knecht gesagt hat, so ist's ergangen.
Und nachdem er das gesagt hatte, siehe, da kamen die Söhne des Königs und erhoben ihre Stimme und weinten. Der König und alle seine Großen weinten auch gar sehr.
Absalom aber floh und ging zu Talmai, dem Sohn Ammihuds, dem König von [b] Geschur. David aber trug Leid um seinen Sohn alle Tage.
Als aber Absalom geflohen und nach Geschur gezogen war, blieb er dort drei Jahre.
Und der König David hörte auf, Absalom zu grollen; denn er hatte sich getröstet über Amnon, dass er tot war.
2.Samuel 13

Wir lesen in der Bibel vom König David und zwei seiner Söhne. Der eine hieß Absalom und hatte eine schöne Schwester namens Tamar. Absaloms Bruder hieß Amnon. Amnon verliebte sich in Tamar, aber wagte es nicht, sich an ihr zu vergreifen, weil sie eine Jungfrau war. Eines Tages entdeckte Jonadab, ein Freund und Cousin von Amnon, diese heimliche Liebe. Jonadab war ein kluger und gerissener junger Mann und gab Amnon einen Rat, der ihm helfen sollte Tamar zu bekommen. Er sagte Amnon, dass er sich krank stellen solle. Wenn dann sein Vater David zu ihm kommen würde, solle er sagen, dass man nach Tamar rufen müsse, damit sie ihm Essen bringe. David war natürlich außer sich vor Sorge und ließ sofort Tamar holen. Tamar bereitete vor Amnons Augen das Essen für ihn zu. Als sie fertig war, befahl Amnon allen anderen, den Raum zu verlassen. Geschickt angestellt muss man da sagen. Was danach passiert ist, kann man sich ja vorstellen: Amnon zwang Tamar, trotz Widerrede, zum Sex.
Tamar flüchtet daraufhin zu Absalom, dem sie alles erzählt. Natürlich bekommt auch der König das alles zu Ohren. Aber er liebt Amnon, seinen Erstgeborenen, zu sehr, um ihm wehzutun. Zwei Jahre vergehen, ohne dass irgendjemand etwas tut. Absalom schmiedet derweil einen Plan, um sich an Amnon zu rächen. Er hält Schafschur und lädt dazu alle Söhne des Königs ein. Absalom veranstaltet ein Fest und trägt dabei seinen Knechten auf, Amnon zu töten, sobald er betrunken ist. Als die anderen Söhne des Königs sehen, dass Amnon tot ist, fliehen sie. Absalom flieht auch, aber um sich vor seinem Vater zu schützen. David trauert daraufhin drei Jahre seinem Erstgeborenen nach.

Wir verurteilen dieses Verhalten. Aber mehr als das Verhalten Amnons verurteilen wir das Verhalten Davids. David tut nämlich nichts. Er weiß, dass Amnon sich an seiner Schwester vergriffen hat. Zwei Jahre lang hat David Angst. Er hat Angst, seinem eigenen Sohn sagen zu müssen, dass er etwas Falsches getan hat. Er hat Angst, seinen eigenen Sohn zu bestrafen. Aber vor allem hat David Angst, sich der Situation zu stellen. David glaubt, dass, wenn er nur lange genug wartet, Gras über die Sache wachsen wird.
Das, was uns in dieser Bibelstelle beschrieben wird, ist nicht nur eine alte Geschichte. Es passiert heute noch genauso wie damals! Mit wem kann man sprechen, wenn man selbst Opfer einer Misshandlung geworden ist?
Wir wollen, dass über dieses Thema offen und frei gesprochen werden kann. Manchmal wissen sogar die, die andere misshandeln, nicht, dass sie etwas Schlimmes tun. Meistens sind wir dann machtlos, selbst etwas dagegen zu tun. Man muss endlich über diese Dinge reden können und nicht wie David warten, bis Gras über die Sache wächst.
Warum muss es überhaupt noch solche Tabuthemen geben? Ist es nicht an der Zeit, Sexualität zu akzeptieren? Ist es nicht endlich an der Zeit, unsere Sexualität zu akzeptieren? Wir brauchen doch auch hin und wieder jemanden, mit dem wir reden können. Aber meistens haben wir so jemanden nicht. Wir wollen, dass man uns zutraut, selbst zu entscheiden, was wir mit unserer Sexualität anfangen möchten.
Das heißt aber nicht, dass man uns damit alleine lassen darf. Auch wir brauchen manchmal Hilfe oder einen guten Rat. Wir sind uns nicht sicher, zu wem man damit kommen kann. Wir wissen, dass die meisten Jugendlichen über diese Dinge nicht mit ihren Eltern reden. Dabei haben wir aber gesehen, wie wichtig es sein kann, gerade mit den Eltern reden zu können. Wir wollen, dass es selbstverständlich ist, über alles reden zu können. Wir wollen, dass es keine Tabus mehr gibt.

Es gibt viele Arten der Sexualität, über die nicht gerne gesprochen wird. Ein gutes Beispiel dafür ist die Homosexualität. Homosexualität galt lange Zeit sogar als Krankheit. Wir hören immer noch, dass Schimpfwörter wie "Schwuchtel" manchen Menschen nachgesagt werden. Die gleichgeschlechtliche Ehe ist für viele Menschen immer noch ein Problem. Wenn sich aber zwei Menschen lieben, spielt dann das Geschlecht wirklich eine so große Rolle? Sex kann doch auch Ausdruck der Liebe zwischen zwei Menschen sein. warum werden diese Ehen dann verhindert? Manche bezeichnen Homosexualität als widernatürlich. Andere berufen sich auf die Bibel, in der Homosexualität verboten ist. Eigentlich kann es allen anderen doch egal sein, was die miteinander tun, kann man da sagen.
Wir wollen aber nicht, dass es egal ist. Wir wollen, dass es in Ordnung ist, wenn zwei Menschen beschließen, miteinander zu schlafen oder sogar zu heiraten. Wir haben nämlich den Eindruck, dass es noch immer nicht so ist.
Stellt euch doch einmal vor, wie schwer es sein muss, sich vor seinen freunden oder seiner Familie zu outen. Stellt euch vor, ihr selbst wärt homosexuell. Könntet ihr mit jedem darüber sprechen? Wenn eure Kinder zu euch kämen, um euch zu sagen, dass sie homosexuell sind, wie würdet ihr reagieren? Würdet ihr versuchen, es zu verheimlichen? Würdet ihr versuchen, sie von ihrer Sexualität abzubringen? Oder würdet ihr sie genauso lieben wie ihr es davor getan habt? Verdienen diese Menschen denn nicht denselben Respekt und dieselbe Anerkennung wie ihr?
Viele Menschen glauben, dass Toleranz nicht wichtig sei. Wir sind der Meinung, dass Toleranz notwendig ist. Zum Glück gibt es bereits viele Menschen, die kein Problem mehr mit Homosexualität haben. Wir wollen, dass Toleranz eine Selbstverständlichkeit wird.
Amen.

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