18.
Jänner 2009
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Votum (Thomas):
Wie glücklich ist ein Mensch, der die Weisheit gefunden und Erkenntnis erlangt hat! Weisheit besitzen ist besser als Silber, wertvoller als das reinste Gold. Sie ist kostbarer als Edelsteine; nichts, was man sich wünschen könnte, ist mit ihr vergleichbar. Mit der rechten Hand bietet sie dir langes Leben und mit der linken Wohlstand und Ansehen. Sie erfüllt dein Leben mit Glück und Sicherheit. Sie ist der wahre »Baum des Lebens«; wer sie erlangt und festhält, kann sich glücklich preisen! Sprüche 3,13-18
Gebet (Sarah, Ada, Jonas, Mita, Elvira): Lieber Gott! Danke für das letzte gemeinsame Konfiwochenende. Wir hatten Gelegenheit uns besser kennen zu lernen Und nebenbei eine Menge Spaß. Wir haben uns mit philosophischen Fragen auseinander gesetzt, Fragen, die Menschen schon seit langer Zeit verfolgen. Es gab viele verschiedene Antworten und Meinungen. Trotzdem sind wir auf keine gemeinsame Lösung gekommen.
Folgende Fragen haben wir uns gestellt.
Was ist der Sinn des Lebens? Hat jeder einzelne von uns einen eigenen Sinn Oder haben wir alle zusammen einen Sinn?
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass das eigene Leben auch einen Sinn durch andere bekommt. Der Sinn des Lebens könnte sein, dass das Leben eine Überraschung ist und man nicht weiß, ob es Schicksal oder Zufall ist.
Ist alles im Leben vorherbestimmt oder Zufall? Gibt es ein Leben nach dem Tod? Gibt es den Himmel und die Hölle?
Wenn wir alle Antworten wüssten, wären die Fragen nach dem Sinn des Lebens überflüssig. Wenn wir alle Antworten auf unsere Fragen wüssten, würde der Antrieb unseres Handelns fehlen. AMEN
Schriftlesung (Conny & Pizzi) Eines Tages ging Jesus in seine Heimatstadt, nach Nazareth. Und seine Jünger begleiteten ihn.
Am
Sabbat sprach er in der Synagoge, und viele, die ihn hörten, waren sehr
verwundert. »Wo hat er das her?« fragten sie einander. »Was ist das für eine
Weisheit, die ihm gegeben ist? Und erst die Wunder, die durch ihn geschehen! Ist
er nicht der Zimmermann, der Sohn von Maria, der Bruder von Jakobus, Joses,
Judas und Simon? Und leben nicht auch seine Schwestern hier bei uns?«
Darum wollten sie nichts von ihm wissen. Aber Jesus sagte zu ihnen: »Ein Prophet gilt nirgends so wenig wie in seiner Heimat, bei seinen Verwandten und in seiner Familie.« Deshalb konnte er dort auch keine Wunder tun; nur einigen Kranken legte er die Hände auf und heilte sie. Er wunderte sich, dass die Leute von Nazaret ihm das Vertrauen verweigerten. Und Jesus ging in die umliegenden Dörfer und sprach dann eben dort zu den Menschen. Predigt Liebe Gemeinde! Liebe Konfis! Welche Fragen würden Sie Gott stellen, wenn Sie ihm bzw. ihr leibhaftig gegenüber stünden? Wir haben das Experiment im Konfiforum im November 2008 gemacht und die Ergebnisse waren – wie immer - verblüffend. Angefangen von solchen Fragen zum Aufwärmen wie: „Warum werden Deppen berühmt?“ Siehe Dschungelcamp und C-Promis. Bei uns hat noch kein Konfi gerufen: „Ich bin ein Konfi, holt mich hier raus!“ Die kommen erst gar nicht. Es gab phantasievolle Frage à la: „Wie ist es denn im Himmel und zahlt es sich demnach aus, darauf zu spekulieren?“ Natürlich stellt man auch profanere Fragen etwa nach den Autoren der Bibel, nach den Gründen von Krieg, Armut und Tod. Diese reihten sich nahtlos ein in die wirklich großen Fragen zum Leben: „Warum musste Jesus sterben?“ „Warum werden Menschen geboren?“ „Warum müssen Menschen sterben?“ „Und warum verbringen wir so viel Zeit dazwischen mit unnützen Tätigkeiten?“ „Wieso gibt es Naturkatastrophen und wieso sterben dabei unschuldige Menschen? Und können Menschen unschuldig sein?“ Bis hin zur wirklich pfiffigen Frage: „Gott, bist du zufrieden mit uns Menschen und der Welt, wie sie ist? Dürfen wir so bleiben, wie wir sind – wie uns die Werbung weismacht? Ist sie wirklich die beste aller Welten?“ Wenn ja, na danke. Knifflig wurde es als es hieß: „Gott, kannst du deine Existenz beweisen?“ Hier auf alle Fragen in gerade 60 Minuten zufriedenstellende Antworten zu überlegen, musste scheitern – so gesehen war das Experiment ein voller Erfolg, denn die Fragen standen im Raum und waren nicht mehr wegzubringen. Dieser Konfijahrgang ist ein ganz außerordentlich guter und gereifter, was das Fragen und Hinterfragen anbelangt. Hier kann ich nicht einfach jeden Konfi und Mitarbeiter fragen: „Glaubst du an Gott?“ Ich erwarte ein einfaches und schnelles Ja oder Nein. Hingegen merke ich, wenn ich diese Frage stelle, kommt der Einwand: Ohne vorheriger Begriffsbestimmung, was du mit Glauben und Gott meinst, kann ich keine Antwort geben. Und eigentlich müssten wir vorher darüber diskutieren und es bliebe uns nur übrig dabei zu spekulieren. Ein Ja oder nein bekomme ich nicht so leicht. Fast zur Perfektion wurde dieses Frage-Antwortspiel beim Konfiwochenende in Rechnitz im Burgenland vom 9. bis 11. Jänner betrieben. Predigttext (Leo)
ÜBER WEISHEIT UND TORHEIT Was aus diesem Buch zu lernen ist Dieses Buch enthält in Sprüche gefasste Ratschläge fürs Leben von Salomo, dem Sohn Davids und König von Israel. Sie zeigen uns, was Weisheit und echte Bildung ist, damit wir merken können, wo mit Einsicht über etwas geredet wird. Mit ihrer Hilfe kommen wir zu einer guten Bildung und lernen, wie wir unser Leben richtig führen und immer auf dem geraden Weg bleiben. So können wir auch junge und unerfahrene Menschen zu Klugheit und Besonnenheit führen. Sie werden dann verstehen, was weise Lehrer sagen: ihre Sprüche, Bilder, Gleichnisse und Rätsel. Auch Erfahrene lernen aus diesem Buch noch dazu und machen Fortschritte in der Kunst, die Aufgaben des Lebens zu bewältigen. Den HERRN ernst nehmen ist der Anfang aller Erkenntnis. Wer ihn missachtet, verachtet auch Weisheit und Lebensklugheit. Sprüche 1,1-7 Liebe Gemeinde! Ist alles im Leben Zufall oder gibt es doch ein vorherbestimmtes Schicksal, das uns führt und leitet und leiden lässt? Oder gibt es neben Schicksal und Zufall womöglich ein Drittes – was auch immer das sein mag? Ist alles zufällig oder schicksalhaft? Solche Fragen haben wir am Wochenende mit den Jugendlichen stundenlang gewälzt und sind zu keinem gemeinsamen, sprich aber zu vielen unterschiedlichen Ergebnissen gekommen. Was auch was wert ist. Wenn alles im Leben Schicksal wäre, hätte es doch keinen Sinn, sich zu engagieren und Gutes zu tun – oder? Und wenn alles purer Zufall ist, dann hätte Gott keinen echten großen Spielraum mehr – oder? Als Pfarrer stehe ich natürlich auf Seiten der Schicksalsgläubigen, die alles im Leben als vorherbestimmt erachten und sich trotzdem nicht zufrieden und faul in die Hängematte legen können oder wollen. Aber ich respektiere und kann die Gedanken nachvollziehen, die einen dazu führen, zu meinen, alles wäre purer Zufall – wenn auch vielleicht gespickt mit manchen Ereignissen, die uns schicksalhaft erscheinen mögen. Die einen beruhigt die Vorstellung, nichts im Leben wäre nur bloßer Zufall. Da gibt es nun einmal mehr Spielraum für schicksalhafte Begegnungen und selbst Katastrophen wären fatal aber eben auch Schicksal. Andere sind beruhigter, sich vorzustellen, dass es eben niemandem im Hintergrund dieser Welt einfällt, die Knöpfe zu drücken und an Rädern zu drehen, die mein Schicksal und Leben beeinflussen. Eine Frage von vielen, die zeigt, wir schaffen in diesem einen Konfijahr keinen Konsens in manchen Fragen. Brauchen wir auch nicht. „Es wäre wirklich fad, wenn es nichts gäbe, was wir nicht wüssten?“ So hat es Ada zusammen gefasst und auf den Punkt gebracht. Haben sich in früheren Jahrhunderten Konfirmandinnen und Konfirmanden zum Kurs getroffen, um die vorgefertigten Wahrheiten in religiösen Belangen auswendig zu lernen, so läuft das heute gänzlich anders. Ulrich Zwingli, der Schweizer Reformator, hat unter anderem den klugen Satz formuliert: „Es braucht andere Menschen, um intelligent zu sein und zu werden.“
So
gesehen läuft unser Konfiprogramm in der Reformierten Stadtkirche und in vielen
anderen Gemeinden unter dem Motto: Programm zum Mündigwerden. Denn, wie sie
wissen, können die Jugendlichen mit 14 Jahren selbst bestimmen, welcher Religion
sie nachlaufen wollen. Da hilft es durchaus, für sie zu wissen, wo – an welchen
Orten - Weisheit & Bildung zu suchen und zu finden ist, wie es am Anfang des
Weisheitsbuches im Alten Testament heißt. Wo wenden wir uns hin, wenn wir Fragen
nach dem Lebenssinn haben und uns die hintergründigen und tiefschürfenden Fragen
zum Leben nicht in Ruhe lassen? Vieles bekommt man in der Schule und an Unis
mit, das meiste erliest und überlegt man sich.
„So können wir auch junge und unerfahrene Menschen zu Klugheit und Besonnenheit führen. Sie werden dann verstehen, was weise Lehrer sagen: ihre Sprüche, Bilder, Gleichnisse und Rätsel. Auch Erfahrene lernen aus diesem Buch noch dazu und machen Fortschritte in der Kunst, die Aufgaben des Lebens zu bewältigen.“ An Rätseln haben unsere Konfis dieses Jahr viel Gefallen, Ansonsten hätten wir uns am Wochenende nicht Stunden mit verschiedenen Rätsel beschäftigt. Ich sage nur: „It is me looking for, pointing at!“ „Ich gebe die Schachtel offen bzw. geschlossen weiter.“ „Psychotherapeut!“ Die Konfirmandentreffen, das Konfiforum, ist wie ein Marktplatz. Da gibt es eine Vielzahl an Meinungen, Ideen und Angeboten. Als Gruppe sind wir, wie in der Gemeinde insgesamt, eine bunte Mischung, aus den verschiedensten familiären Hintergründen, unterschiedlichen Ausbildungssparten. Da kursieren vielfältige Ansichten und unterschiedliche Glaubensfragen und Glaubensüberzeugungen. Dem wollten das Konfimitarbeiterteam und ich Rechnung tragen und so haben wir am Weekend mehrere Workshops angeboten. Je nach Lust, Laune und Interesse konnte man aus drei möglichen Workshops wählen. Und dabei ging es ordentlich zur Sache. Jede und jeder hat bei sieben Einheiten mitgemacht. Und nebenbei haben wir uns am tief zugefrorenen See mit einem Gymnastikball ausgetobt. Vormittags konnte gewählt werden zwischen: „Frage nach dem Leben nach dem Tod“ mit Jakob, einer Verhältnisbestimmung zwischen „Religion und Politik“ mit Ruth oder der Suche nach „Gottesbeweisen“ mit Flo. Anschließend folgten gleich Konfrontation mit „Das Gute“ mit Flo, „Das Böse“ mit Jakob und „Basteln wir ein Paradies“ mit Ruth und Hannah. Nachmittags dann Workshops zu eine „Professionelle Einführung ins Zeichnen“ mit Flo, Frage nach der „Theodizee“ und „Schicksal und Freiheit“ mit Ruth, Jakob und Valentin. Vor dem Abendessen schnell noch beschäftigen mit dem „Sinn des Lebens“ mit Flo oder „Sind wir eigentlich AB, HB oder Katholisch oder sonstwas“ mit Ivo. Nach dem Abendessen und einer kleinen Feier zum Geburtstag von Pizzi Urban wurde noch ein Selbstverteidigungskurs von Jakob, Ivo und Flo geboten sowie ein Filmabend mit Ruth. Und vor dem Schlafengehen bzw. Frühstücken gab es noch eine Einheit „Zeichenkurs II“ mit Flo und „Kreatives Schreiben“ mit Ruth und Jakob, bei dem ein wirklich gutes Gedicht, oder besser gesagt ein Prosatext der dadaistischen Art entstanden ist. Wer sich mit so vielen Fragen in nur zwei Tagen beschäftigt, mag das Gefühl haben, jetzt macht sich Chaos breit und eigentlich bringen einen all diese Fragen mehr durcheinander als das sie etwas ordnen würden. Gemeinsame Erfahrung: Das Fragenstellen ist schon mühsam und zu gemeinsamen Antworten gelangen wir nur schwer. Aber alle Fragen sind erlaubt und alle Ansichten werden respektiert. Die wirklich wichtigen Fragen zum Leben, zum Universum, zu Gott und allem anderen zu stellen, mag mühsam sein, aber macht viel Spaß, wenn man in einer Runde ist, der man vertrauen kann. (Heißer Stuhl - Fragen zu: Wovor hast du Angst? Was magst du an Menschen? Was war dein peinlichster Moment? Und: Was hältst du von Ivo?) Ruhig und geduldig einander zuhören können, den Gedanken anderer nachgehen und auch eigene Meinungen hinten anstellen zu können – das haben wir alles am Wochenende erlebt und werden wir in bei den Konfitreffen auch weiterhin erleben. Ein wenig kommt mir der gemeinsame Weg vor, als würden wir uns mitten im Roman von Sofies Welt befinden – einem philosophischen Grundlagenwerk für Jugendliche und Erwachsene. So als würden wir gerade Pizzis Welt, Sarahs Welt, Leos Welt, Ivos Welt und so weiter schreiben. Menschen durchwandern die Philosophie. Die Konfrontation mit den Rätseln der Menschheit: Woher kommen wir? Woher kommt die Welt? Und wozu das alles? … um hier intelligent fragen zu können, braucht es andere Menschen, wie schon Zwingli meinte. So wie Jostein Gaarder, der Autor, in Sofies Welt sinniert: „Das einzige was wir brauchen um gute Philosophen zu werden, ist die Fähigkeit uns zu wundern.“ Unser Bedürfnis mehr über unser Leben und den Sinn herausfinden zu wollen beweist: Der Mensch lebt nicht von Brot und Apfelsaft allein. Philosophieren ist wie das Lachen und wie eine Grippe … es kann durchaus ansteckend sein. Und das ist nicht gerade einfach zu haben. Damit wir auch unser Handeln verstärkt sinnvoll, sinnstiftend einsetzen können. So wie eine Konfirmandin gemeint hat: Wir erleben und erfahren Sinn auch durch andere. Jesus reiste durchs Land und kam in seine Heimatstadt Nazareth. Dort predigte er und heilte er. Aber die Leute, seine Nachbarn haben sich nur gefragt: Wo hat er das alles her? Sie haben und wollten ihn nicht verstehen, ihm nicht zuhören. Das kann man nicht erzwingen. Weisheit und Glaube sind die wertvollsten Besitztümer, die wir als Menschen erwerben und haben können. Sie sind mehr wert als Gold oder Edelsteine. Jetzt kann man natürlich nicht zu jedem Mittagessen auch gleich die Sinnfragen zum Leben servieren. Selten wird das wohl ein Thema zum gemeinsamen Familienessen sein. Eher wird über die Schularbeiten, den Bürostress und die neuen Gardinen gesprochen werden als über unsere Herkunft, die mögliche Existenz Gottes und gibt es das Gute und Böse überhaupt? Alles hat seine Zeit: Fragen und Antworten suchen hat seine Zeit. Predigen und Zuhören, Diskutieren und das Leben mit einem großen roten Gymnastikball zu genießen – alles hat seine Zeit. Bleiben wir am Ball und hören wir nicht auf, uns zu wundern. AMEN ________________________________________________________ *Sarah Blühberger, Mita Marchich, Leo Potyka, Elvira Prindl, Conny Scholz, Thomas Spanninger, Ada Szepfalusi, Pizzi Urban, Jonas Zapletal |