21.
Mai 2009
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Zur ewigen Frage nach dem ewigen Leben, der Erleuchtung und der Frage: Wie werde ich spirituell high? Ein einflussreicher Mann fragte Jesus: »Guter Lehrer, was muss ich tun, um das ewige Leben zu bekommen?« Jesus antwortete: »Warum nennst du mich gut? Nur einer ist gut, Gott! Und seine Gebote kennst du doch: Du sollst nicht die Ehe brechen, nicht morden, nicht stehlen, nichts Unwahres über deinen Mitmenschen sagen; ehre deinen Vater und deine Mutter!« »Diese Gebote habe ich von Jugend an alle befolgt«, erwiderte der Mann. Als Jesus das hörte, sagte er zu ihm: »Eines fehlt dir noch: Verkauf alles, was du hast, und verteil das Geld an die Armen, so wirst du bei Gott einen unverlierbaren Besitz haben. Und dann komm und folge mir!« Als der Mann das hörte, wurde er sehr traurig, denn er war überaus reich. Jesus sah ihn so dastehen und sagte: »Wie schwer haben es doch die Besitzenden, in die neue Welt Gottes zu kommen! Eher kommt ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher in Gottes neue Welt.« Als die Leute das hörten, fragten sie Jesus: »Wer kann dann überhaupt gerettet werden?« Er antwortete: »Was für die Menschen unmöglich ist, das ist für Gott möglich.« Lukas 18,18-27
Liebe Gemeinde! Liebe Konfis! „Religionen dieser Welt für Dummies“. „Katholizismus für Dummies.“ „Buddhismus für Dummies.“ „Sekten für Dummies.“ „Meditation für Dummies.“ Ihr kennt bestimmt diese halbkluge, gelbschwarze Wissensbuchreihe für Dummies mit mehr Bildern als Text und mehr Lesespaß als Informationsfülle. „Reformiert ist nichts für Dummies.“ Das war der Titel unseres Konfibuches in diesem Jahr. Reformierte passen einfach nicht in diese Dummiereihe. Und das ist keinesfalls elitär, überheblich oder arrogant gemeint. Das können wir uns wegen unseres Minderheitenstatus gar nicht leisten. Ihr, unsere Konfis, solltet einfach nicht das Gefühl bekommen, als wärt ihr Crash-Test-Dummies in Sachen des Glaubens. Die infantilen Kennenlernspiele haben sich bei uns in Grenzen gehalten. Frontalunterricht wurde eifrig vermieden. Wir wollten euch nicht für Dummies verkaufen. Wir wollten euch dazu bringen, dass ihr a. freiwillig kommt. Wir wollten, dass ihr b. nicht nur kommt, weil ihr einmal kirchlich heiraten möchtet und ganz besonders c., dass ihr gerne immer wieder kommt. Ich denke es war ein voller Erfolg. Bei der Konfirmation geht es ja um Bestärkung und Kräftigung. Und diese Form des Auftankens unseres Glaubens haben wir unabhängig von unserem Alter immer wieder nötig. „Der Glaubende ist ein Mensch, der gelernt hat, ICH zu sagen, ganz ohne Überheblichkeit.“ (Dorothee Sölle) Was glaube ich? Was denke ich? Was will ich eigentlich? Die Konfirmation ist hier bestimmt ein klarer Einschnitt. Es geht jetzt nicht mehr darum, was soll oder muss ich glauben, denken, fühlen. Gemäß der Weisung: „Prüft alles! Das Gute behaltet!“ (1. Thessalonicher 5, 21) Eine einleuchtende Anleitung zum Umgang mit allen Weltanschauungen und Religionen und Philosophien. Nur was ist das Gute? „Das Gute behaltet!“ In der Geschichte mit dem Gespräch von Jesus mit dem einflussreichen Mann, der alles im Leben besitzt, das vordergründig Menschen reich macht, taucht diese Frage auf. „Guter Lehrer und Meister!“, spricht der Reiche Jesus an. Und Jesus erwidert: „Warum nennst du mich gut? Nur einer ist gut, Gott!“ Der Nobelpreisträger für Literatur Andre Gide (1869-1951) hat dazu einmal geschrieben: „Glaube denen, die die Wahrheit suchen und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“ Jesus wollte die Menschen zu Wahrheitssuchern machen, nicht zu engstirnigen Vertretern einer ewigen für alle allgemein gültige Wahrheit. Wer vorgibt, die Wahrheit gefunden zu haben und dir beim Denken helfen will – dem sollst du misstrauen. Wer dir aber beim Suchen helfen will, dich begleiten und dich mit neuen Gedanken und Ideen und Fragen voll füllt, dass dir der Kopf platzt, den oder die solle man ruhig ein Stück des Weges begleiten. Das kann nicht schaden. Und wer mit Ivo, Flo und Jakob an einem Mittagstisch gesessen hat, der hat gemerkt, wie viele offene Fragen es eigentlich im Leben geben könnte. Bleibt eine unausgesprochene Frage aber nicht eine für immer ungestellte und ungelöste Frage? Ein erschreckender Gedanke. Zu Jesus gesellen sich die Leute gern, wenn sie nach dem Sinn in ihrem Leben, nach Erlösung oder Heilung suchen, die Antworten haben wollen. Sie laufen ihm nach und fragen ihn Löcher in den Bauch. Und Jesus schafft es immer wieder mit einem Satz, einer Bemerkung, die Leute zu verstören. Mit einer Störung fängt ja immer erst das Wachsen im Glauben an. Wenn ich denke, eh schon alles zu wissen, so dass ich alles in mein Weltbild einpassen kann, dann ist es echt heilsam aus dieser Selbstgewissheit herausgerissen zu werden. Plötzlich höre ich einen Ausspruch und merke, der widerspricht völlig dem, was ich bisher gedacht hatte. Unser reicher einflussreicher Mann ist auf der Suche nach dem ewigen Leben, der Erleuchtung, dem religiösen Kickoff. Er hat schon alles, was er zum Leben braucht, scheinbar – Job, Status, Familie, Geld, Haus und Hof. Aber es fehlt noch ein wenig Spiritualität als Würze. Also geht er zum damals angesagten Meister: Jesus. „Was solle er denn machen, um das ewige Leben, die Erlösung, das Nirvana, das Clearing, die höchste Stufe des Seins zu erreichen?“
Wie es in Sprüche 3,4-5 steht: „HERR, zeig mir den Weg, den ich gehen soll; lass mich erkennen, was du von mir verlangst.
In der ersten Antwortphase hält ihm Jesus vor: Halte die Gebote, die du kennst: „Du sollst nicht die Ehe brechen, nicht morden, nicht stehlen, nichts Unwahres über deinen Mitmenschen sagen; ehre deinen Vater und deine Mutter!“ Das hat der reiche Mann schon gemacht und das allein kann es doch nicht sein. Die hohe tiefe spirituelle Erfahrung kann das doch nicht gewesen sein. Das allein gibt ihm keinen Kick, die Gebote halten. Bei Rot nicht über die Straße gehen. Der Supermarktkassiererin das überhöhte Wechselgeld zurückgeben. Genügend Zeit und Liebe für die Ehefrau und die Kinder erübrigen. Und den Menschen nichts Falsches aber auch nicht die schmerzhafte Wahrheit sagen. Die Gedanken daran, dass man manchen gerne den Hals umdrehen will, nicht nachgeben … das waren leichte Übungen für ihn, die der Reiche von Jugend an, von Kindergottesdienstzeiten an, gemacht hat. All das hat er gehalten. Spirituelle Befriedigung hat es ihm nicht verschafft. Er ist noch immer spirituell ausgehungert. Also verweist ihn Jesus auf die vermeintlich nächste Stufe des tiefen Glaubens und echter Frömmigkeit: „Eines fehlt dir noch: Verkauf alles, was du hast, und verteil das Geld an die Armen. Und dann folge mir nach!“ Also tobe dich beim Gutmenschsein aus. Organisiere Charity-Veranstaltungen wie den Lifeball, verkaufe deine Oldtimer für einen guten Zweck, gib jedem Augustinverkäufer einen Hunderter und allen, die sagen: „Geh hast nen Euro“ gib gleich mal einen 50er. Biete deine Hilfe allen an, denen du begegnest, auch wenn sie diese nicht wirklich brauchen. Sei für jeden ein Samariter. Befreie dich von all deinem Reichtum und stürze dich ins segensreiche Werk, Menschen in Not zu helfen.
Wie es in Sprüche 3,27 steht: „Weigere dich nicht, dem Bedürftigen Gutes zu tun, wenn deine Hand es vermag.“
Oder in Sprüche 11,25: „Wenn du mit anderen teilst, wirst du selbst beschenkt; wenn du den Durst anderer stillst, lässt man dich auch nicht verdursten.“
Jetzt hat Jesus einen wunden Punkt getroffen. So ganz sein bisheriges Leben aufgeben, will unser reicher Mann nun nicht. Das ist unmöglich, wäre zu radikal und würde aufdecken, warum er und die meisten Menschen, unzufrieden sind und bleiben. Wir sind oft auf der Suche nach Religion, Glaube und Spiritualität, weil wir eigentlich in allen anderen Belangen satt sind. Spiritualität zum Drüberstreuen – für Dummies eben. Aber was soll man also tun? Sich im Gutsein verlieren, sich verausgaben, alles verkaufen, die geliebte DVD-Spezialbox, die neue Playstation, die X-Box, WiiStation, das neue teure Fahrrad oder die sündteure Uhr, den Plasmafernseher? Alles weg? Was dann? Unseren Sinnsucher macht es nachdenklich, als Jesus ihm seine Abhängigkeit von all seinem Besitz vor Augen führt. Zu viel von allem möglichen kann auch traurig und unglücklich machen. Sich so von etwas zu lösen, das uns fest im Griff zu haben scheint, sich zu befreien, darauf will Jesus hinaus. Wir dürfen uns im Leben nicht im Ansammeln von Gegenständen oder in der Sucht nach guten Taten verlieren. Beides führt uns von wahrer Erfüllung weit weg. Auch vor einem anderen Weg, den viele Sinnsucher und religiös Eifrige gehen, wird oftmals gewarnt. Ich möchte dafür eine kurze Geschichte aus der buddhistischen ZEN-Tradition erzählen. Man kann die Erleuchtung nicht bei sich selber entdecken. Eine ZEN-Geschichte: „Als Meister Ma-dsu die Erleuchtung noch nicht erlangt hatte, bemühte er sich im Kloster des Huai-jang, der Meditation hingegeben, um die Wahrheit. Tag um Tag verbrachte er schweigend in Meditationshaltung auf dem Boden hockend und fand doch nichts. Eines Tages aber fragte ihn Huai-jang: „Sag doch, was hockst du da die ganze Zeit?“ „Ich will zum Buddha werden“, erwiderte Ma-dsu. Da nahm Huai-jang einen Ziegelstein vom Boden und begann ihn an der Wand zu zerreiben. Ma-dsu fragte erstaunt: „Was macht ihr da?“ Huai-jang sagte: „Ich will den Ziegel so lange glattreiben, bis ein klarer Spiegel daraus wird.“ Erstaunt und etwas verwirrt fragte Ma-dsu: „Wie kann denn durch Reiben aus einem Ziegelstein ein Spiegel werden?“ Da fragte Huai-jang zurück: „Und wie kann durch Hocken aus dir ein Buddha werden?“ In diesem Augenblick erfuhr Ma-dsu die Erleuchtung. Die Suche nach Wahrheiten soll kein Egotrip sein. Ich für mich allein, da kommt man schnell auf dumme Gedanken. Es braucht immer andere, die schnell einmal darauf hinweisen können: Das klingt jetzt nicht mehr ganz logisch, vernünftig oder menschenfreundlich oder nicht mehr gesund. Für uns allein sind wir kein spannendes Programm. Die Beziehung zu Gott und zur Wahrheit führt immer über das Verhältnis zu anderen Mitmenschen. Im Konfikreis kann man das Gespür bekommen dafür, dass es andere braucht. Andere Ideen, Fragestellungen, Herangehensweisen. Logisch oder kreativ oder unorthodox oder spontan oder assoziativ oder spielerisch oder in intensivem Nachdenken und Nachsinnen und nächtelangem Brüten. Jede und jeder von euch hat unterschiedliche Weisen, mit den Fragen des Lebens umzugehen. Für die einen ist das Leben Schicksal, ein Wechselspiel von Glück und Unglück, für andere Vorsehung und Bestimmung. Wenn ihr eure Eltern fragt, werdet ihr vielleicht erstaunt sein, welche Ansichten dazu sie grundsätzlich haben. Die Hoffnung, die wir nur aus uns selber schöpfen, bleibt gering. Der Mut, den wir allein aufbringen, reicht kaum aus und kann man schnell verlieren. Die Träume, die wir nicht miteinander teilen, verrinnen und verschwimmen allzu schnell. Anonymer Verfasser: „Höre niemals auf zu träumen, denn Träume sind der Stoff aus dem die Hoffnung entsteht.“ Der Konfikurs und die Konfistunden waren eigentlich eine Mission Impossible: Kennenlernen in 60 Minuten. Gott in 60 Minuten. Diakonie in 60 Minuten. Tod und Sterben in 60 Minuten. Diskussion zu Designerbabys in 60 Minuten. Wunder, Okkultismus, Esoterik, Trauer und Betroffenheit, Menschenrechte, Reformierte PISA-Studie …alles experimentell in 60 Minuten plus 2 Wochenenden. Vielleicht nehme ich eure, liebe Konfis, eure Anregung, die Stunden auf 90 oder 120 Minuten ggf. auszudehnen in zwei Jahren beim Konfikurs auf. Die Jugendlichen werden sich hoffentlich dafür bedanken. Vieles scheint für uns Menschen schon unmöglich zu sein – allein daran zu denken: Anbrechen des Weltfriedens, Ende allen Hungers und Medikamente für alle weltweit, die sie brauchen, Ende des Kindersterbens und das Ausbilden einer friedlicheren, menschen- und tier- und naturfreundlicheren Umgangsweise untereinander. Diese Träume sind der Stoff für unsere Hoffnungen. Fangen wir also schon einmal an, gemeinsam daran zu nähen, zu stricken und uns zu verknüpfen. Das wäre wohl ein guter durchaus spiritueller Weg. Und das ist bei und mit Gott immer möglich. Amen |