17. Mai 2009

Konfirmandinnen und Konfirmanden

Apokalypse


 

 


Ada Szepfalusi

Liebe Gemeinde!

Die Welt geht den Bach hinunter. Wo wir früher die Natur sahen, finden wir jetzt Asphalt. Wo vorher Wald stand, wird jetzt gerodet. Wo einst tausende Arten von Tieren lebten, gibt es heute nur noch eine Handvoll. Überall auf der Welt führen Menschen schreckliche Kriege gegeneinander. Familien werden auseinander gerissen oder sind auf der Flucht. Wegen ihrer Hautfarbe oder Religion werden Menschen verfolgt und ausgegrenzt. Nicht jeder auf der Welt hat sein „täglich Brot“. Millionen müssen hungern weil es an dem Notwendigsten fehlt. Die Finanzkrise kostet Tausenden ihre Arbeit und treibt sie in die Armut. Ständig werden wir von neuen Krankheiten heimgesucht. AIDS, Krebs oder die Schweinegrippe fordern überall ihre Opfer.

Und es ist nicht „nur irgendwo auf der Welt“ so, sondern geschieht vor unserer Haustüre. Jugendliche beschmieren ehemalige Konzentrationslager mit rassistischen Parolen und beleidigen Überlebende des Holocausts. Menschen werden wegen ihrer Hautfarbe oder Religion jeden Tag diskriminiert. Andere müssen auf den Straßen betteln und wissen nicht, wie sie ihre Kinder ernähren sollen.

Die Welt steht vor dem Untergang.
 

 


Leo Potyka

Einer der Instinkte vieler Menschen ist zweifellos das Verantwortung- von sich weisen, das jemand Anderen für alles Mögliche Verantwortlich Machen. Man will nur nicht selber verantwortlich gemacht werden.

„Ich war es nicht!“ „Ich bin nicht schuld!“ „Er war’s!“ „Sie war’s!“ Das erste, was Kleinkinder an Strategien zum Überleben lernen. Jeder ist schuld außer man selbst, beziehungsweise bei weniger ausgeprägten Egoisten: jeder außer der Familie oder seltener dem jeweiligen Staat. Selbst Menschen, zumeist Männer in Spitzenpositionen, Banker, Manager und Politiker neigen dazu die Verantwortung von sich selbst auf jemand Anderen zu schieben. Niemand will an den Krisen Schuld haben. Es gibt ja immer jemand mächtigeren, auf den man sich berufen kann. Und wenn sich wider Erwartung niemand mehr findet? Dann ist schlussendlich Gott schuld.

In der Schöpfungsgeschichte aber hat Gott uns die Verantwortung für unsere Welt übergeben:
 

 


Conny Scholz

Und Gott segnete die Menschen und sagte zu ihnen: »Seid fruchtbar und vermehrt euch! Füllt die ganze Erde und nehmt sie in Besitz! Ich setze euch über die Fische im Meer,
die Vögel in der Luft und alle Tiere, die auf der Erde leben, und vertraue sie eurer Fürsorge an.
Genesis 1,28

Leo Potyka

Doch wofür muss man Verantwortung ergreifen?

Zum Beispiel für die Umwelt. Die Natur. Oder aber für seine Mitmenschen, eigentlich für alle Menschen. Und nicht zu vergessen! Für die Tiere! Und hiermit bin ich bei meinem Teil der heutigen Predigt. Ich klage, eigentlich müsste jeder das an meiner Stelle sagen können und wollen … Ich klage die Menschen, ja sogar die Menschheit, als ganzes an!

Sie hat nicht für das gesorgt, was Gott uns gegeben hat.  Man sieh sich an was aus unserer Erde wurde. Bevor der Mensch seinen Fuß auf sie setzte, wie friedlich muss doch alles zugegangen sein. Doch mit dem ersten erlegten Wild und dem ersten gefällten Baum, später der ersten Fabrik und der ersten niedergebombten Stadt sollte jedem von uns klar werden was wir angerichtet haben. Denn auch, wenn wir nicht aktiv an der Zerstörung mitarbeiten, so sind doch wir mit schuld. Denn wir, und jeder andere Mensch auch, hätten etwas gegen den Verfall unserer Erde und ihrer Bewohner tun müssen! Wir sollten endlich anfangen, hier etwas zu tun!

Die religiösen Eiferer und Sektierer und auch anerkannte Religionsgemeinschaften haben nicht ganz Unrecht, wenn sie vom neuen Sodom und Gomorrha sprechen, vom Sittenverfall, von der Hure Babylon die stärker ist als je zuvor. Sodom und Gomorrha, die Städte, wo Sünde Hochkonjunktur hatte, sind wegen des Verfalls von Moral, Sitte und wegen ihrer Unmenschlichkeit und ihrem Größenwahn in den Untergang gegangen. Bei uns haben Krieg, Hunger, Hass und Neid unsere Welt zu dem gemacht was sie nun ist, und ein jeder von uns hat Schuld daran. Ein jeder könnte manches verhindern. Wir, die Menschen sind die Schuldigen, nicht die Tiere, auch nicht das Ozonloch über Australien oder die Natur als ganze. Wir und sonst niemand trägt Schuld an dem Schlamassel in dem unsere Erde im Moment steckt.

 

 


Jonathan Sorger

Wir sind schuld. Wir sind schuld daran, dass es Krieg und Armut gibt. Durch unser Handeln stirbt die Natur. Durch unsere Verantwortungslosigkeit sterben Tiere aus und werden Wälder gerodet. Unser schlechtes Handeln führt zu Krieg und Ausbeutung. Zu Hunger und Tod. Durch unsere Schuld werden Menschen verletzt, wird den Ungerechtigkeiten auf dieser Welt kein Einhalt geboten. Unseretwegen leidet die Menschheit.

Unsere Tatenlosigkeit und die Suche nach Feindbildern werden auf die nächste Generation zurückfallen, da wir die Verantwortung so nur von uns weisen. Wenn wir unsere Schuld nicht eingestehen, wird die Welt den Bach hinuntergehen. Wenn wir nicht endlich die richtigen Entscheidungen treffen, steht die Welt vor dem Untergang. Jede schlechte Tat hinterlässt ihre Spuren auf der Welt. Jede unrechte Handlung beeinflusst das Weltgeschehen. Es gibt Schlechtes auf der Welt, weil wir schlecht sind.

 

 


Jonas Zapletal

Ganz gleich ob die Welt nun „gut“ oder „schlecht“ ist: Als Menschen sind wir Teil des Ganzen. Als Menschen tragen wir Verantwortung für das Ganze. Mitgefühl und Hilfe sind keine Entscheidungen, sie sind Menschenpflicht. Das ist überall so. Ganz gleich welche Religion oder Gesellschaft wir betrachten, wir werden überall das Mitgefühl für andere finden. Vielleicht haben wir manchmal Schwierigkeiten Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund zu verstehen. Vielleicht ist es manchmal nicht so leicht uns in andere hineinzuversetzen.

Aber unsere Menschlichkeit verbindet uns alle. Wir müssen damit aufhören, die Verschiedenheiten zu betrachten und die Gemeinsamkeiten sehen. Wir müssen anfangen zusammenzuarbeiten. Für uns und alle, die nach uns kommen werden. Jeder von uns kann dafür sorgen, dass die Welt ein wenig besser wird. Denn Verantwortung ist Entscheidung. Erst wenn sich jeder von uns entscheidet, etwas zu tun, wird auch etwas geschehen. Wenn sich Menschen organisieren, dann kann die kleinste Entscheidung die größten Dinge bewirken.

Wenn wir zusammenarbeiten können wir diese Krise bewältigen. Sie werden jetzt vielleicht denken: „Und was soll ich tun? Ich kann die Welt nicht alleine retten.“ Aber es sind nicht bloß die Dinge, die sie tun sollten, sondern auch die Dinge, die sie bereits tun.

Jeder von ihnen geht einkaufen. Jeder von ihnen fährt täglich irgendwohin. Jeder von ihnen geht wählen. Es sind diese Dinge, die ihre Spuren auf der Welt hinterlassen.

Und was können wir tun? Wir können uns unsere eigene Meinung zu den Themen bilden. Wir können uns mit Menschen anderer Religionen und Herkunft auseinandersetzen. Wir können politisch aktiv werden. Wir können für NGOs spenden. Wir können nachhaltig leben.

Wir müssen uns nur dafür entscheiden. Vielleicht haben wir keine Schuld daran, dass die Welt den Bach hinunter geht. Aber wir tragen die Verantwortung. AMEN.

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