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05. April 2009 Johannes Langhoff
Und als für sie die Tage der Reinigung, die das Gesetz des Mose vorschreibt, vorüber waren, brachten sie ihn nach Jerusalem hinauf, um ihn dem Herrn zu weihen, wie es im Gesetz des Herrn geschrieben steht: Alles Männliche, das den Mutterschoss öffnet, soll als dem Herrn geheiligt gelten. Auch wollten sie ein Opfer darbringen, wie es im Gesetz des Herrn geschrieben steht: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben. Lukas 2,22-24 Liebe Gemeinde! Das ist entbehrlich. Niemand braucht das. Niemand will das: Opferungen. Opfer zu religiösen Zwecken genießen keinen guten Ruf. Die armen Tiere. Die unschuldigen Tiere. Schon allein die Schlachtung, also Schächtung, von Tieren nach religiösen Vorschriften, wie sie Juden und Muslime praktizieren, geraten in das Kreuzfeuer der Tierschützer und benötigen gesetzliche Sonderregelungen. Überhaupt wenn ich mir einmal die Tiertransporte quer durch Europa und die Massenschlachtung von großem und kleinem Vieh am Fließband in den Schlachtfabriken anschaue, könnte ich zum Vegetarier werden. Da kann man doch nicht auch noch auf die Idee kommen, Tiere nur für einen religiösen Zweck töten zu wollen. Das ist sinnlos. Das hat keine Notwendigkeit. Da sind sich Atheisten, Agnostiker und alle Christen einig. Es braucht keine Opfer mehr. Das sind Geschichten aus einer anderen Zeit und von anderen Kulturen. Es braucht keine Opfer mehr. Es gibt aber immer noch Opfer. Die aufgeklärte Moderne hat zwar Opferkulte abgeschafft und überwunden. Bis auf ein paar Möchtegern-Satanisten, die meinen, ihr Huhn schlachten zu müssen, gibt es keine Tieropfer mehr. Allerdings ist es der Moderne gelungen dank vielerlei Fortschritts die Zahl der Menschenopfer erheblich zu steigern. Das 20.Jahrhundert erlebt in der Shoah die technologische Perfektionierung der Tötung von 6 Millionen Juden in Massentransporten, Gaskammern und Verwertungslagern. Holocaust, eine Bezeichnung dafür, ist der Begriff für religiöse Brandopfer oder sogenannte Ganzopfer. Stalin hat es auf die Vernichtung von 10 Millionen Juden und anderen ihm missliebigen Menschen gebracht. 2 Weltkriege haben Millionen von Soldaten verheizt und millionenfache Opfer unter der Zivilbevölkerung gefordert. Verdun, Coventry und Dresden. Bürgerkriege – Biafra und Ruanda. Stellvertreterkriege - Korea, Vietnam, und Afghanistan fordern ihren Blutzoll. Die Aufzählung ist unvollständig und ich habe noch nicht einmal angefangen, die Opfer aufzuzählen, die Hunger, unsauberes Wasser, mangelhafte medizinische Versorgung, Armut, schlechte Bezahlung oder fehlende Erwerbsarbeit kosten. Beim Aufzählen wird einem schon schlecht. Das kann man nicht hören. Trotzdem komme ich daran nicht vorbei. Die Nachrichten überschütten einen tagtäglich mit neuen Opfermeldungen. Die erste Missbrauchsmeldung und schon hört man es von hier und dort. Amoklauf und Trittbrettfahrer. Tödliche Skiunfälle sind heuer in den Fokus der Medien geraten. Und die ärmsten Opfer sind neuerdings Milliardäre, Großkonzerne, Bankenkonsortien und die Manager dazu, die so risikofreudig mit dem Geld der anderen gespielt haben. Es reicht. Es reicht wirklich. Schluss mit den Opfern! Der christliche Glaube weiß vom Ende der Opfer. Einmal und nie wieder. Christus Jesus ist für uns am Kreuz gestorben. Der Gottessohn hat unsere Schulden mit seinem persönlichen Opfer bezahlt. Vollkommen bezahlt. Da gibt es nichts nachzutragen und nachzuzahlen. Das einmalige Opfer Jesu Christi und es bedarf keiner weiteren mehr. (Hebr.9f) Er sollte gar nicht geopfert werden. Seine Eltern sind extra nach Jerusalem gegangen, um ihn auszulösen. Sie mussten ihn nach alter Sitte und mosaischem Gesetz durch ein Ersatzopfer freikaufen. Alle Erstgeborenen gehören Gott und sind deshalb in manchen Religionen Göttern geopfert worden. Abraham hatte sogar geglaubt, in der kanaanäischen Sitte der Opferung des ersten Sohnes, einen Forderung Gottes zu hören und Gott sein Eigentum zurückgeben zu müssen. Erst der Bote JAHWES hindert ihn daran und bekräftigt den Willen des HERRN, dass kein Mensch Gott geopfert werden darf. (Gen.22) In Ägypten hätten die Hebräer beinahe in der Opferung der Erstgeborenen ihre Kinder verloren, wenn sie nicht den Anweisungen Moses folgend den Schutz JAHWES erfahren und sich auf den gefährlichen Weg in die Freiheit eingelassen hätten. Daher rührt die Opfervorschrift für den Erstgeborenen. (Ex.13) Ablöse und Freikauf. Ein Ersatzopfer stellt die Ablöse dar. Je nach persönlichem Vermögen ein größeres oder kleineres Opfer. Der Freikauf wird zur Weihe. Gewissermaßen ein Verkauf. Er gehört nicht mehr sich selbst, auch nicht seinen Eltern. Er wird Gott übergeben. Er wird geheiligt, ausgesondert. Die Überlieferung der Hannah, ebenfalls im Alten Testament, erzählt eindrücklich und deutlich, was diese Weihe und Aussonderung bedeutet. Hannah hat jahrelang vergeblich auf ein Kind warten müssen. Erst als sie es Gott JAHWE weiht, wird sie schwanger und gebiert Samuël. (1.Sam.1) Sie löst ihr Versprechen ein und übergibt nach wenigen Jahren den Knaben Samuël dem Heiligtum in Silo. Dort wächst er in der Schule des Priesters Eli allerdings zum bedeutendsten Richter Israëls heran und wird zum Königsmacher von Saul und David. Das Kind Samuël, der Erstgeborene, wird geweiht, Gott JAHWE geweiht und von diesem in Dienst genommen. Seine Weihe und Heiligung sind Aussonderungen aus dem normalen Leben. Samuël ist der Familie entzogen und er ist von dem freien Leben der übrigen Heranwachsenden ausgeschlossen. Freiheit möchte ich mir anders vorstellen. Wenn das das Urbild der biblisch überlieferten Form der Befreiung, der Ablöse und des Freikaufs ist, dann bedanke ich mich aber. Das ist eine neue Abhängigkeit. Das ist eine extra Bindung und erhebliche Einschränkung. Skrupellosigkeit dagegen gewinnt. Der Brave zahlt drauf. Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich recht ungeniert. Freiheit ist Grenzenlosigkeit. Du darfst alles, nur dich nicht erwischen lassen. Rücksichtnahme und Moral machen sauertöpfisch und sind lustfeindlich. Sie haben sich damals mühsam durch die Wüste gekämpft und wollten oft die Freiheit, die sie Gott hörig machte, wieder eintauschen gegen die bekannten, gewohnten und handhabbaren Zwänge unter der fremden Herrschaft. Am Ende brauchte es 40 Jahre bis sie reif waren für das gelobte Land, bis sie das Gottvertrauen gelernt hatten, das trägt und frei macht. Joseph und Maria weihen ihren Erstgeborenen Gott und sie werden ihn verlieren. Mitte 30 wird er das Elternhaus und die Geschwister verlassen und kein Jahr später nach Hoffnungen und Ängsten in aller Öffentlichkeit hingerichtet werden. Für den sie ein Ersatzopfer, ein Ablöse- und Weiheopfer brachten, der wird geopfert werden und damit das Ende einleiten. Das Ende aller Opfer. Kein Mensch soll mehr geopfert werden müssen. Auch nicht, wenn er schuldig ist, und nicht, weil andere schuldig sind. Freigekauft, Gott geweiht. Der Apostel Paulus hat es auf den Punkt gebracht: "Für alle ist er gestorben, damit die Lebenden nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferweckt worden ist."(2.Kor.5,15) So deutlich gesprochen, gibt das doch ein unangenehmes Gefühl. "Christus für mich gestorben." Das hätte er sich nicht antun müssen. In meiner Selbsteinschätzung sehe ich mich nicht so schlimm, dass ein anderer für mich geopfert werden muss. Und wäre ich ein ganz Schlimmer, umso weniger hätte er sterben sollen. Dann hätte ich die Strafe verdient und nicht er. Die Bibel redet in diesem Zusammenhang immer von Sünde. Damit sind nicht die vielen verharmlosenden Sünden gemeint wie ein Sahnetörtchen zu viel, eine kleine Notlüge oder ein feuchter Traum. Es geht schon um die Selbstüberschätzung der Menschen, die meinen, ohne Gott und anstelle Gottes die Welt beherrschen zu können und zu müssen. Die Pannen dabei sind pure Katastrophen und Gemeinheiten eines eifersüchtigen und ungerechten Gottes. Die Mängel sind Folgen von Einschränkungen und Abgrenzungen separater Interessen. Die Freiheit des Marktes bringt Wohlstand und gerechten Ausgleich. Die Freiheit der Forschung garantiert Fortschritt und Entwicklung. Diese Freiheit muss mühsam erkämpft werden. Ethikkommissionen müssen die Argumente für politische Entscheidungen liefern, die das Kapital frei geben. Wenn wir unsere Bedenken nicht zurückstellen, macht es wer anderes und wird den Erfolg und Gewinn einstreichen. Wir haben derzeit ein überdeutliches Bild von der Schädlichkeit grenzenloser Freiheit. Wir erleben die Folgen des globalen Spiels mit dem Geld. Der Schaden nimmt inzwischen Größenordnungen an, die wir in Zahlen fast nicht mehr ausdrücken können. Doch die Freiheit muss grenzenlos sein. Abenteuerreisen in die entlegendsten Winkel der Welt, unter den schwierigsten Bedingungen. Der Rettungshubschrauber wird mich schon rausholen. Die Regierung muss mich freikaufen. Das ist ihre Pflicht gegenüber ihren Staatsbürgern. Schließlich zahle ich Steuern. Der Leichtsinn hat keine Zukunft. Er verführt zu zwanghafter Sucht. Er kostet viele Opfer. Irgendeine oder irgendeiner, meist sehr viele zahlen immer drauf. Und dennoch: Die Zahl der Opfer konnte gesenkt werden. Viele haben sich freikaufen lassen. Viele haben sich seit jenen Tagen von Golgatha auf die Freiheit in Christus eingelassen und sich ihm verschrieben: die vielen Menschen, die erkannt haben und erkennen, dass die Selbstüberschätzung keine Zukunft hat. Denn die Befreiung von der bedrückenden Wahrnehmung einer opferreichen Welt, ist die Annahme des einen Opfers. Es betrifft mich. Ich sollte es nicht leichtfertig und überheblich zurückweisen. Er hat mich losgekauft von aller Schuld und mich unabhängig gemacht von allen Zwängen. Er hat mir eine Lebensperspektive gegeben ist, in der ich offen auf andere zugehen kann, wo ich bereit bin, zu verzeihen und zu versöhnen, die mich befähigt zu teilen und miteinander den Reichtum von Gottes guter Schöpfung zu genießen. Der Heidelberger Katechismus, das Bekenntnis unserer Kirche, beantwortet die Frage nach dem Glauben so: "Wahrer Glaube ist nicht allein die sichere Erkenntnis, in der ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, sondern auch ein herzliches Vertrauen, welches der Heilige Geist durch das Evangelium in mir wirkt, dass nicht allein anderen, sondern auch mir Vergebung der Sünden, ewige Gerechtigkeit und Seligkeit von Gott geschenkt sei, aus lauter Gnaden, allein um des Verdienstes Christi willen." (Frage 21) Amen. |