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26. April 2009 Johannes Langhoff
Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch, nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn Gottes Brot ist dasjenige, das vom Himmel herabkommt und der Welt Leben gibt. Da sagten sie zu ihm: Herr, gib uns dieses Brot allezeit! Jesus sagte zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird nicht mehr Hunger haben, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben. Joh. 6,32-35
Liebe Gemeinde, liebe Kinder! Das gab eine Aufregung. Das war ein aufregender Tag. Und er war noch nicht zu Ende. So schnell konnte sich die Aufregung nicht legen. Erst die Erwartung, den großen Meister einmal leibhaftig sehen zu können, ihn reden hören und vielleicht etwas mitzuerleben von den wundersamen Ereignissen, die man sich erzählte. Und dann: Es ist passiert. So etwas hat es noch nicht gegeben. Das muss man gesehen haben. Sie waren ihm nachgelaufen. Kaum dass die Neuigkeit umging, Jesus, der Mann aus Nazareth, käme in diese Gegend, sammelten sich die Leute, viele Leute. Am Ende waren es Tausende, die auf ihn warteten. Er kam. Er musste einfach kommen. Das hätte Ärger gegeben, wenn sie alle vergeblich gewartet hätten. Also kam er und redete. Ganz still wurde es trotz der Menschenmassen, der vielen Kinder und all der aufgeregten Leute. Er redete, sprach ruhig, geradezu sanft. Seine Stimme beruhigte alle. Auch wenn er schimpfte, die Bosheit geißelte und die Rücksichtslosigkeit niedermachte. Ja, nicht nur die reichen Pfeffersäcke und die hochnäsigen Eliten kriegten ihr Fett ab. Eigentlich verteilte er an alle die Schelte, dass sie hartherzig, geizig und raffgierig seien. Und dann malte er die schönen Bilder einer paradiesischen Welt von Wohlstand für alle, Zufriedenheit und Freundlichkeit. Man konnte träumen von einer heilen Welt ohne Unterdrücker und Besatzer, ohne eine ausbeuterische Obrigkeit und eine abgehobene Geistlichkeit, die eine staatsgefällige Moral predigte. Es war herrlich, ihm einfach zuzuhören und sich die Welt ganz anders vorzustellen. Wie doch die Zeit darüber verging. Einige wurden unruhig. Seine Begleiter redeten auf ihn ein. Es müsse was geschehen, denn die Leute würden bald hungrig werden. Man muss die Veranstaltung beenden und die Leute nach Hause schicken, oder in die Lokale in der Nähe. Doch irgendwie war er gut drauf und wollte wohl nicht aufhören. Also ließ er nachfragen, wie viel denn da wäre, um hier an Ort und Stelle für alle etwas zum Essen austeilen zu können. Das war peinlich. Keiner wollte was rausrücken. Ein paar Brot und ganze zwei Fische gab einer her. Der Rest hielt die Taschen zu. Typisch. Wie immer. Wer weiß, was noch passiert? Warum soll ich anfangen? Soll doch erst einmal eine andere was hergeben. Am Ende habe ich allen abgegeben und es bleibt nichts für mich übrig. Wer würde mir schon etwas geben. Schau dir die Hungerleider an. Dick und fett, aber haben nichts dabei. Die warten nur, anderen die Leckereinen wegzufuttern. Das kenne ich. So ist das immer. Das ist heute noch nicht anders. Sie kriegen den Rachen nicht voll genug. Und dann reicht es wieder nicht. Sie müssen mit dem Geld spielen, die Umsätze hochtreiben, den Wert übertreiben und plötzlich ist alles futsch. Die Banken haben kein Geld mehr. Die Fabriken machen zu. Die überflüssige Ware vergammelt in den Regalen. Aber alle wollten sie mitmachen, dabei sein, sich ihr Stück vom Kuchen herausschneiden. Überstunden bis keiner mehr zu Hause wartet. Teure Kredite, man gönnt sich ja sonst nichts. Eine Reise ans andere Ende der Welt, obwohl da die gleichen Hotels und die gleiche schlechte Küche geboten werden. Ein teures Auto, das viel schneller fahren kann als es darf. Eine Hightech, die ich gar nicht bedienen kann. Aber ich muss dabei sein und vorsorgen und… Am Ende kümmert sich niemand um mich, wenn ich nicht genug zusammengekratzt habe. Sollen sie gefälligst in ihren Ländern bleiben, die Hungerleider und Streithälse, die nicht friedlich zu Hause miteinander leben können. Das Boot ist voll. Wenn die anderen dauernd unsere Sachen haben wollen, was bleibt für uns? Ja die Fische haben eine eigene Symbolik. Früher wurde in kleinen Booten vor der Küste gefischt und der frische Fisch gleich an Land verkauft. Längst fahren große Fabrikschiffe vor jede Küste der Welt und räumen das Meer leer. Was sie nicht brauchen geht über Bord, wird zu Futter verarbeite oder als Fischmehl für die Felddüngung. Der wertvolle Rest kommt gleich in Dosen. Die Fischerboote gehen leer aus. Die Fischerfamilien gehen leer aus. Jetzt jagen die Fischer Touristenschiffe, Öltanker und Handelstransporter, erbeuten Waffen und erpressen viel Lösegeld. Nun sind sie reich, fahren auch die teuren Autos, haben schnelle Boote und furchtbar viele Waffen. Und die kommen mit ihrer Kriegsmarine aus aller Herren Länder und jagen sie nun wiederum als Piraten. Eine irre Situation. Eben noch träumen wir alle bei seinen überzeugenden Worten von einer heilen Welt mit zufriedenen Menschen. Und kaum soll es ans Eingemachte gehen, herrschen schon wieder Angst, Neid und Geiz. Nicht dass sie auch noch aufeinander losgingen und sich gegenseitig ihre Gemeinheiten um die Ohren schlugen. Die kann doch sowieso nicht richtig kochen und ihr Brot ist ständig angebrannt. Der stopft soviel in sich hinein, dass er ein richtiges Schweinsgesicht hat. Und wenn die erst anfangen zu grillen, stinkt das wieder meilenweit. Mit ihrem Zwiebel- und Knoblauchgestank verpesten sie die ganze Gegend. Er blieb ruhig. Er sagt zu seinen Begleiterinnen und Begleitern: Lasst die Leute sich setzen und zum Essen vorbereiten. Als sie ihre Decken ausgebreitet, ihre Sachen abgestellt und sich hingesetzt haben, spricht er das Tischgebet. Als würde jetzt ein großes Festessen beginnen. Er dankt Gott für die reichen Gaben, spricht ein Segenswort über den 5 kläglichen Broten und zwei mickrigen Fischen und lässt sie verteilen. Wie weit hätte das reichen können? Was wäre passiert, wenn die hinteren Plätze nach vorn gestürmt wären, um etwas abzubekommen. Nichts ist passiert. Doch ist was passiert. Alle haben gegessen und alle haben reichlich gegessen. Das Resteeinsammeln ergab mehr als die paar Brote und zwei Fische. Die Leute waren völlig verwirrt. Niemand wusste, wie das passieren konnte. Außer? Natürlich, das war er. Der Mann aus Nazareth, dieser Jesus von dem schon so viel erzählt wurde, hatte das getan. Das war ein richtiges Wunder. Der muss gezaubert haben. Wie in dem Märchen vom süßen Brei, der nicht ausgeht. Wie in der alten Geschichte vom Propheten Elia, der sich von der halbverhungerten Witwe mit ihrem sterbenskranken Sohn den letzten Bissen geben lässt und dabei wird auch der Krug nicht leer, geht das Mehl nicht aus und sie werden alle drei satt. Jesus ist ein Prophet. Jetzt kommen sie die Zeiten, die neuen Zeiten, die lang ersehnten Zeiten. Aber er läuft weg, als fürchte er, sie wollten ihn zu ihrem Anführer, ihrem König machen. Die Aufregung blieb. Die Hoffnung keimt. Es sprach sich herum. Die Geschichte wuchs über sich selbst hinaus. Wie ein Lauffeuer ging die Botschaft herum, die Zukunft würde beginnen. Das war ein Wunder. Das hat es noch nie gegeben. Er hat sich zurückgezogen. Er ist vor den aufgeregten Massen geflohen. Erst einige Zeit später gesellt er sich wieder zu den Seinen. Auch sie reden ganz aufgeregt. Und auch sie machten sich ihren Reim auf die Geschichte. Allerdings begriffen sie, dass das kein ganz einmaliges Ereignis war. Sie erinnerten sich. Sie erinnerten an die alten Geschichten, die von ihren Vorfahren überliefert wurden. An Mose erinnerten sie. Der Mann vom Berg in der Wüste. Hat sich nicht Jesus auch auf den Berg gesetzt als er seine Reden hielt? An Mose erinnerten sie, der den unzufriedenen Massen mitten in der Wüste Nahrung beschafft hatte. Dabei hätten sie damals glücklich sein sollen. Schließlich hatte Mose sie aus den unerträglichen Lebensbedingungen in Ägypten herausgeholt und ein Schlaraffenland versprochen. Doch kaum war dass Essen knapp, schlug die Stimmung um. Besser in Ägypten das schwere Los erdulden als in der Wüste zu verhungern. Kann man doch verstehen. Und Mose hatte ihnen Essen verschafft. Genug für alle und jeden Tag genug. Einige konnten nicht genug kriegen und haben kräftig gehamstert. Aber das ist ihnen doch bloß in ihrem Versteck verschimmelt. Am Morgen konnte man riechen, wer da wieder einmal extra bunkern wollte. Das muss das Zeichen sein. Jesus ist der neue Mose. Aber er lässt sie das gar nicht erst aussprechen. Nicht Mose hat das Brot vom Himmel regnen lassen, sondern mein Vater hat es ihnen gegeben, sagt er. Gott hat das Brot vom Himmel gegeben und er gibt es auch jetzt. "Ich bin das Brot des Lebens." Na da haben sie geschaut. Viel hat er ihnen erklären müssen. Und langsam haben sie verstanden. Manche haben überhaupt erst viel später verstanden, was er da getan und gesagt hatte. Dann haben sie es weitererzählt und ein paar sogar aufgeschrieben. So dass wir die Geschichte und die Wort heute noch nachlesen und uns wundern können. Es gibt genug in Gottes weiter Schöpfung, genug für alle. Alle könnten davon satt werden und damit zufrieden sein. Aber die Angst, der Neid und Geiz machen die Menschen krank. Ihnen fehlt das Gottvertrauen, um das Mose geworben hat. Ihnen fehlt der Blick auf Gott, der Blick nach oben zu dem der alles für alle bereit hält. Sie lassen Gott keinen Platz in ihrer Welt. Sie sorgen für sich selbst und sind sich selbst der Nächste. Sie trauen niemanden und fühlen sich misstrauisch von den anderen beäugt und verfolgt. "Ich bin das Brot des Lebens." Jesus weckt Vertrauen. Jesus nimmt das Misstrauen. Jesus öffnet uns den Himmel. Er gibt uns Gott zurück. Er lässt Gott wieder in unser Leben ein. Davon handelten die schönen Reden. Das waren die Bilder der heilen Welt zufriedener Menschen. Wer sich auf Gott verlässt, gewinnt die Fülle des Lebens zurück, der gewinnt Menschen. Wer Gottes Zuwendung und Hingabe wahrnimmt, kann sich auf andere Menschen einlassen und für sich gewinnen. Wer von Gott nimmt, kann anderen weitergeben und es ist immer noch genug da. So wie damals bei den vielen Leuten. Plötzlich war genug da für alle und noch mehr. Er hat es seinen Anhängerinnen und Nachfolgern mitgegeben. Sie sollten immer wieder Tischgemeinschaft halten und dabei an ihn erinnern. Wir tun es bis heute, auch heute. Wir lassen uns von Christus Jesus einladen zu seinem Mahl, wo er das Brot gibt und den Gemeinschaftskelch reicht. Jesus Christus wird unter uns lebendig, das Brot des Lebens. Wir kommen zusammen an seinen Tisch, damit nicht vergessen wird, was er getan hat, welchen Neuanfang er gesetzt hat und wie er Menschen aus ihre Lebensangst befreit hat und allen denen, die auf ihn vertrauen neue Lebensperspektive gegeben hat. Menschen, die miteinander teilen und entdecken, dass man dabei reich werden kann.
Amen. |