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02. April 2009 Harald Kluge/Johannes Langhoff
"Brot und Wein für
alle"
Denn mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsherrn, der am frühen Morgen ausging, um Arbeiter für seinen Weinberg einzustellen. Nachdem er sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag geeinigt hatte, schickte er sie in seinen Weinberg. Und als er um die dritte Stunde ausging, sah er andere ohne Arbeit auf dem Marktplatz stehen, und er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in den Weinberg, und was recht ist, will ich euch geben. Sie gingen hin. Wiederum ging er aus um die sechste und neunte Stunde und tat dasselbe. Als er um die elfte Stunde ausging, fand er andere dastehen, und er sagte zu ihnen: Was steht ihr den ganzen Tag hier, ohne zu arbeiten? Sie sagten zu ihm: Es hat uns niemand eingestellt. Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in den Weinberg! Es wurde Abend und der Herr des Weinbergs sagte zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den Letzten bis zu den Ersten. Und als die von der elften Stunde kamen, erhielten sie jeder einen Denar.
Und als die Ersten kamen, meinten sie, dass sie mehr
erhalten würden; und auch sie erhielten jeder einen Denar. Als sie ihn
erhalten hatten, beschwerten sie sich beim Gutsherrn und sagten: Diese
Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns
gleichgestellt, die wir die Last des Tages und die Hitze ertragen haben.
Er aber entgegnete einem von ihnen: Freund, ich tue dir nicht unrecht.
Hast du dich nicht mit mir auf einen Denar geeinigt? Nimm, was dein ist,
und geh! Ich will aber diesem Letzten gleich viel geben wie dir. Oder ist
es mir etwa nicht erlaubt, mit dem, was mein ist, zu tun, was ich will?
Machst du ein böses Gesicht, weil ich gütig bin? Liebe Gemeinde! „Gegen die Armut muss man heute etwas machen. Wir können nicht noch 20 Jahre warten und diskutieren. Wir müssen jetzt handeln.“ So hat es der evangelisch-lutherische Bischof von Namibia gesagt und man hat was getan. Seit letztem Jahr gibt es in einem kleinen Dorf im Osten Namibias, in Otjivero, ein erfolgversprechendes Pilotprojekt zum Kampf gegen die Armut. Die evangelische Kirche Namibias hat gemeinsam mit dem Gewerkschaftsdachverband und NGOs dieses 985-Seelen Dorf Otjivero ausgewählt und beschlossen, für zwei Jahre jedem Mann und jeder Frau Geld in die Hand zu drücken. Es ist eine Form von bedingungslosem Grundeinkommen für alle. Jede Person bekommt unabhängig vom Alter und bereits vorhandenem Einkommen 100 Namibia Dollars, ca. EUR 7,50 pro Monat. Damit würde eine Familie gut und gern über die Runden kommen. Keiner müsste arbeiten und alle könnten, wie man es sich leicht ausmalen möchte, sich in die soziale Hängematte legen. Zwei Jahre nichts tun und die Seele baumeln lassen. Logisch, allzu menschlich wäre es zu meinen: Die Leute nehmen ihr Geld und geben es aus. Bei uns würden sie vor ihren Flatscreens, den Flachbildschirmen mit Cola und Chips herumhängen. Sie würden das Geld beim Shoppen verprassen oder in der Spielhölle verzocken. Vife Strategen würden vielleicht noch das Geld gut investieren und veranlagen. Niemand muss mehr arbeiten. Für die derzeit Arbeitslosen würde sich nur ändern, dass sie nun eben etwas mehr Geld im Portemonnaie haben und teuren Rotwein Chardonnay saufen statt billigem Fusel im Doppler. Wenn es ein bedingungsloses Grundeinkommen gibt, wenn also wie im Gleichnis vom Weinbergsbesitzer und seinen Tagelöhnern, alle einen Silbergroschen bekommen würden, egal wie lange, und ein wenig weiter gedacht, ob sie überhaupt gearbeitet haben, dann gibt es aber doch wohl keinen Leistungsanreiz mehr. Das Ende der Leistungsgesellschaft und der Leistungsgerechtigkeit wäre eingeläutet. Das Ende der Marktwirtschaft, des Kapitalismus, der wirtschaftlichen Grundordnung. Schüler würden fragen: Wozu soll ich noch etwas Gescheites lernen? Die Unis wären leer. Nur ein paar wenige Idealisten und Wissenshungrige und Leistungswillige würden noch all die angebotenen Kurse zur Weiterbildung besuchen. Eine Schreckensvision oder eine Utopie? Für all jene, die heute gut und gern, oder weniger gern, 40, 50, 60, 70 Stundenwochen in ihrem Job absolvieren, könnte es nicht ungerechter zugehen. Wer wie die ersten vom Arbeitsstrich geholten Weinbergarbeiter im Gleichnis 11 oder 12 Stunden in der prallen Sonne in ungesunder Haltung schuften muss, der sieht bestimmt nicht ein, warum die Kurzarbeiter auch den gleichen Lohn erhalten sollen. Es ist – wie immer - eine Frage der Perspektive und des Neids. Aus Sicht der Langarbeiter machen sie unbezahlte Überstunden. Wer 11, 12, 13, 14 Stunden im Akkord hakelt und diese Mehrstunden nicht gerecht entgolten bekommt, sondern nach dem ausgemachten Tarifvertrag bezahlt wird, der regt sich zurecht auf. Die Arbeitsbedingungen sind miserabel und es gibt keinerlei Sonderzahlungen und Prämien. Ob ich drei oder dreißig Körbe voll Trauben ernte, macht am Ende des Tages für den Dienstgeber anscheinend keinen Unterschied. Wer aber wie die am Schluss geholten Arbeiter nur 1 oder 2 Stunden am Feld steht, sieht nicht ein, warum die Langzeitarbeiter sich so echauffieren müssen. Warum regen sich die Arbeiter von der ersten Stunde an dermaßen beim Gutsherren auf, dass sie mehr bekommen wollen. Oder der Chef solle den Kurzarbeitern gefälligst weniger zahlen, sagen sie. Wir erleben in der Geschichte die Grenzen der solidarischen Gesellschaft. Gerechtigkeit und Wohlstand für jene, die es sich erarbeitet und verdient haben. Ja. Aber warum nicht für alle? „Machst du ein böses Gesicht, weil ich gütig bin?“, fragt der Unternehmer. Der Gutsbesitzer denkt wie ein moderner Unternehmer. Er vereinbart mit den ersten Arbeitern einen Mindestlohn. Einen Silbergroschen, 4 bis 5 Sesterzen, das Existenzminimum für eine Familie zur damaligen Zeit sollen sie erhalten. Nicht gerade großzügig, aber auch vor 2.000 Jahren konnten sich die meisten Menschen ihre Arbeit nicht aussuchen. Die Jobs für einen Tagelöhner waren extrem schlecht bezahlt, ruinös für die Gesundheit und extrem unsicher. Tagelöhner wurden noch schlechter behandelt als Sklaven, weil man immer neue auf den Marktplätzen finden konnte. Der Weinbergbesitzer sagt: „Ich will euch geben, was recht ist.“ Nicht mehr und nicht weniger. Also bekommen die ersten Arbeiter gleich viel wie die letzten Arbeiter. Ist das gerecht im Arbeitsleben? Nein, auf keinen Fall. Aber es ist ein Vorgeschmack auf die Gerechtigkeit im Himmelreich. Es stellt sich hier die Grundsatzfrage: Arbeitet man und bekommt dafür Geld? Oder bekommt man Geld, um zu arbeiten? Und das führt uns zurück nach Otjivero in Namibia. Dort wird seit Einführung des Grundeinkommens jede Tätigkeit gesellschaftlich anerkannt. Ob jemand in der Schule unterrichtet, ob ein Mann die Fußballmannschaft trainiert, ob manche Geschäfte eröffnen, einen Frisör, eine Bäckerei, eine Wäscherei, einen Ziegelherstellerbetrieb. Ob manche nähen, malen, töpfern oder andere einstellen und als Lehrlinge ausbilden oder ein System für die Medikamentenanlieferungen und Arztbesuche im Dorf ersinnt. Ob es manche gibt, die Häuser, Gärten, Felder, Straßen und alles mögliche andere aufbauen und gestalten. Ob Frauen oder Männer sich um die Kinder oder um die kranken oder gebrechlichen Familienangehörigen kümmern. All das wird als wichtige Tätigkeiten anerkannt und wird eben auch entlohnt. War die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens der Tod der solidarischen Gesellschaft? Nicht in Otjivero. Hat es die Menschen demotiviert? Nein, im Gegenteil. Es hat die Chancen für viele erst geschaffen, sich entfalten und etwas aufbauen zu können. Die Unterernährung der Kinder konnte von 42 auf 17 % gesenkt werden. Die Kriminalität ging drastisch zurück. Und die Schulabbrecherstatistik ist von 40 auf marginale 5 % gesunken. Denn alle Familien, selbst Alleinerzieherinnen können sich nun das Schulgeld und auch Schuluniformen und viele erstmals auch Schuhe leisten. Die Kinder kann man zum Zahnarzt schicken. Wie man dort heute sagt: „Jetzt kommen nur noch die Hunde betteln.“ Ich träume davon, dass wir in Österreich auch so weit denken, dass wir Armut und Armutsgefährdung im Land als unerträglich empfinden. Sofort, nicht erst nach der vieldiskutierten Krise – wann immer das auch sein mag – müssen wir in unserer Gesellschaft dahin kommen, dass niemand in Armut leben muss, dass ab sofort alle Menschen Chancen auf ein menschenwürdiges Einkommen und Auskommen haben sollten, dass auch bei uns nur mehr die Hunde betteln müssen. Das muss nicht in Form eines Grundeinkommens geschehen, aber jedenfalls darf nicht noch 20 Jahre diskutiert werden, sondern man muss jetzt handeln. Übrigens: Das Projekt bedingungsloses Grundeinkommen will man eventuell in ganz Namibia umsetzen. Nicht erst im Himmelreich sollen wir gescheiter werden oder wie es Johannes Calvin formuliert: „Gott will, dass ein Verhältnis und eine Gleichheit zwischen uns besteht, das heißt: dass jeder mit dem Nötigen zu versorgen ist entsprechend dem Umfang seiner Mittel, so dass niemand zu viel und niemand zu wenig hat.“ AMEN
Als aber einer der Tischgenossen das hörte, sagte er zu ihm: Selig, wer im Reich Gottes essen wird. Er aber sagte zu ihm: Ein Mensch gab ein großes Essen und lud viele ein. Und zur Stunde des Mahls sandte er seinen Knecht aus, um den Geladenen zu sagen: Kommt, alles ist schon bereit! Da begannen auf einmal alle, sich zu entschuldigen. Der erste sagte zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muss unbedingt hingehen, um ihn zu besichtigen. Ich bitte dich, betrachte mich als entschuldigt. Und ein anderer sagte: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft und bin unterwegs, sie zu prüfen. Ich bitte dich, betrachte mich als entschuldigt. Und wieder ein anderer sagte: Ich habe geheiratet und kann deshalb nicht kommen. Und der Knecht kam zurück und berichtete dies seinem Herrn. Da wurde der Hausherr zornig und sagte zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Strassen und Gassen der Stadt und bring die Armen und Verkrüppelten und Blinden und Lahmen herein. Und der Knecht sagte: Herr, was du angeordnet hast, ist geschehen, und es ist noch Platz. Und der Herr sagte zum Knecht: Geh hinaus auf die Landstrassen und an die Zäune und dränge sie hereinzukommen, damit mein Haus voll wird! Lukas 14,15-23
Liebe Gemeinde! Brot und Wein für alle. Die andere Geschichte. Die Geschichte von der ausgeschlagenen Einladung hat einen moralischen Touch. Ich liebe diese Anekdoten, in denen die Keule geschwungen und der Zeigefinger gehoben wird. Das sind Texte für viele Predigten, in denen die Predigerinnen ihren jeweils aktuellen Frust abbauen und "Du, Du" sagen können. Allerdings bringt das zumeist nicht viel und frustriert eher die Hörerinnen. Reumütig an die Brust schlagen und sich fragen, wann ich denn die Einladung ausgeschlagen hätte. Bin ich zu wenig in die Kirche gegangen? Oder habe ich gar das Himmelreich schon verpasst? Aber wann und wie? Ja und überhaupt: Muss ich erst Sandler werden und ein armes Schwein, dass ich in den Himmel komme? Ist Wohlstand und bürgerliches Leben nebst gut gefülltem Terminkalender und reichlichen Anlässen zu Feiern unter Freunden und in der Familie falsch? Seit unserer letzten Predigtreihe, in der wir Jesus als Rabbi entdeckt haben, sind wir sensibler für die Gleichnisgeschichten geworden. Kann sein, die Fragestellung ist eine andere als sich die kleinen Moralapostel so wünschen. Lukas sortiert diese Erzählung Jesu unter eine Reihe Bemerkungen und Gleichnisse Jesu bei Empfängen. Er kitzelt Eitelkeiten bei der Tischordnung heraus oder eben hier die brüskierenden Antworten auf Einladungen. Also nehme ich die Geschichte einmal für den Umgang mit der Einladung an den Tisch des Herrn, der Feier des Heiligen Abendmahls, der Eucharistie. Das hat bei uns einen besonderen Klang. Die offene Einladung. Seit Jahrzehnten wiederholen wir es in beinahe jedem Abendmahlsgottesdienst, lassen es unsere Konfirmanden lernen als etwas Typisches für H.B. und prahlen damit in der Öffentlichkeit. Irgendwie schon wieder peinlich. Und nicht nur eine Besonderheit der Reformierten Kirche. Seit ein paar Jahren praktiziert auch die Lutherische Kirche in Österreich das offene Abendmahl für alle Getauften. Und, ohne jemanden denunzieren zu wollen, ich habe es schon in römisch-katholischen Kirchen hier in Wien erlebt, dass alle Gottesdienstbesucherinnen ausdrücklich zum offenen Abendmahl eingeladen wurden, welches darüber hinaus die Möglichkeit anbot, auch vom Kelch zu nehmen. Doch keine falsche Harmonie. Nicht nur von offizieller Seite aus ist klar, dass die Tischgemeinschaft ein ökumenisches Problem ist. Die zwei Sakramente, bei denen wir überhaupt mittun, sind nicht gleichermaßen anerkannt. Die Taufe wird zwischen allen Kirchen, außer den Baptisten, gegenseitig anerkannt, ohne dass sie auch nur annähernd gleich verstanden und gelehrt würde. Das Abendmahl dagegen trennt die Kirchen, obwohl sich da die wirkliche Differenz fast nur auf das Amtsverständnis konzentriert, also wer die Eucharistie verwalten darf. Ich habe den Verdacht, es könnte den Kirchen passieren, dass sie sich bei der nächsten und dann wohl letzten Einladung in die himmlische Festgemeinschaft wegen dringenderer Geschäfte in eigenen Angelegenheiten entschuldigen müssten. Wenn denn die Boten kämen, die zum letzten Mahl rufen wollen, dann wären einige Kirchen vielleicht gerade dringend damit beschäftigt, auf Visitation zu gehen. Sie müssen neu hinzu gewachsene junge Kirchen vor dem Wildwuchs bewahren und ihnen die rechte Moral verpassen. Andere Kirchen wären gerade damit beschäftigt, sich um ihre Zugpferde zu kümmern. Oder wie Jesus die Geschichte erzählt, die Arbeitsochsen abzuschätzen. So sind manche Kirchen mit Evaluierung und Erfindung neuer Organisationsmodelle voll ausgelastet und verbrauchen mehr Energien und Gelder dafür als für ihren Verkündigungsauftrag. Die Ausrede mit der Hochzeit gefällt mir besonders gut. Sie passt direkt zu uns. Das Thema Trauungen und Segnungen von unverheirateten Paaren also auch homosexuellen Paaren hat jahrelang unsere Kirche beschäftigt. Es hat uns mehr öffentliche Bekanntheit verschafft, als unsere Sorge um die reine Verkündigung des Evangeliums. Die ökumenischen Kirchen, uns eingeschlossen, katapultieren sich selbst aus der Tischgemeinschaft heraus. Da kann man direkt ins Grübeln kommen. Ich suche mir Trost bei Johannes Calvin. In diesem Jahr öfter gefragt. Ich schaue auf die umstrittene Besonderheit in der Theologie von Calvin, seine Erwählungslehre. Das Schöne und Tröstliche an Calvins Prädestinationslehre ist, dass ich nicht weiß, wer zu den Erwählten und wer zu den Verdammten gehört. Wehe der Kirche, die sich anmaßt das zu wissen und das zu verwalten. Ich möchte mir wünschen, zu den Erwählten zu gehören. Na klar will ich Anerkennung, will geliebt werden. Und ich habe so meine Kandidaten, die ich für verdammenswert halte. Doch es ist nicht an mir zu urteilen. Ich kann mich raushalten. Ich kann die große offene Einladung weitergeben. Und wenn es denn den ökumenischen Frieden stört und unsere Amtsfähigkeit und Amtsberechtigung für die anderen Kirchen in Frage stellt. Ich gebe die Einladung ohne Einschränkung weiter. In einigen reformierten Kirchen ist allerdings eine Einschränkung üblich, nämlich die Warnung vor dem falschen Gebrauch des Abendmahls. "Die Unbußfertigen und Heuchler essen und trinken sich selbst das Gericht." (HK 81) Das bezieht sich ursprünglich auf Paulus, der den schlechten und würdelosen Umgang mit dem Mahl und seinen Teilnehmern anprangert. In der Gemeinde in Korinth hatte sich gewissermaßen eine Zweiklassengesellschaft entwickelt. Die reichen Müßiggänger, die ausgiebig und üppig tafelten, haben anschließend die später kommenden Gemeindeglieder billig abgespeist. Diese hatten erst arbeiten gehen müssen, ehe sie zum Gottesdienst kommen konnten. (1.Kor.11,20ff) Die Warnung, kein Ausschluss – niemand wird vom Tisch verwiesen –, gilt dem Missbrauch des heiligen Erinnerungsmahles für ordinäre Gelage. Unser Auftrag ist es, hinauszugehen und einzuladen. Immer wieder hinauszugehen. Denn es ist genug für alle da, die die Einladung annehmen wollen. Wir haben keine Bedingungen zu stellen. D.h. wir fragen nicht, ob die, die kommen wollen, einer Kirche angehören, irgendeiner vielleicht. D.h. wir fragen nicht einmal, ob sie überhaupt getauft sind oder welcher Religion und Anschauung. Wir haben die Konsequenz bisher stillschweigend im Raum stehen gelassen. Normalerweise hakt keiner nach. Vor kurzem bin ich aber doch direkt gefragt worden. "Können bei uns Muslime zum Abendmahl kommen und haben schon einmal Muslime bei uns am Abendmahl teilgenommen?" Wie offen und einladend ist meine Kirche der Toleranz? Ich musste einen Moment überlegen. 1. Frage: Wir laden ohne Einschränkung ein, also Ja. Bei der 2.Frage musste ich länger nachdenken. Ich weiß nicht von allen, die an den Tisch kommen, wer sie sind und ob sie etwa einer anderen Religion angehören. Wir weisen niemanden ab, obwohl wir sie nicht kennen, Gäste oder seltene Teilnehmerinnen. Und dann habe ich mich erinnert, dass ich schon von Muslimen, die mit ihren christlichen Familienangehörigen zu uns kommen, gefragt wurde, ob sie am Abendmahl teilnehmen dürften. Ich habe Ja gesagt und nur darauf hingewiesen, dass meines Wissens die muslimische Gemeinschaft das nicht haben will. Der Rückfall ins Christentum, wie das gesehen wird, ist negativ besetzt und wird regional unterschiedlich schwer bekämpft und verfolgt. Das wollten sie aber nicht von mir hören. Sie haben dankbar die Tischgemeinschaft angenommen. Ich wüsste nicht, wann Jesus jemals gefragt hätte. Er hat uns ein Gedächtnismahl gestiftet. Es ist kein schweigendes Essen und Trinken. Es soll geredet und erinnert werden. Es ist für Fremde eine Einladung, das Evangelium zu hören und die Gemeinschaft der Erlösten zu teilen. Brot und Wein für alle. Amen.
So aber, wie ihr nun
zusammenkommt, ist das Essen gar kein Mahl des Herrn. Denn jeder nimmt
beim Essen sein eigenes Mahl vorweg, und der eine hungert, der andere ist
schon betrunken. Habt ihr denn keine Häuser, in denen ihr essen und
trinken könnt? Oder missachtet ihr die Gemeinde Gottes und wollt die
beschämen, die nichts haben? Was soll ich euch sagen? Soll ich euch loben?
In diesem Fall kann ich euch nicht loben.
1.Kor.11,20-22(Z
07) |