02.
April 2010
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Dann sangen sie die Dankpsalmen und gingen hinaus
zum Ölberg.
Liebe Gemeinde,
Was sollen wir noch sagen? Wir haben heute vor allem die Bibel sprechen lassen, die ganze, lange Geschichte vom Leiden und Sterben Jesu. Zwei ganze Kapitel sind es, und wenn wir bedenken, dass das ganze Markusevangelium nur 16 Kapitel hat, können wir ahnen, wie wichtig diese Geschichte dem Evangelisten ist. So viel wird erzählt:
Jesus, der weiß, was an jenem Abend passieren wird. Die Jünger, die schwören, ihn nicht zu verlassen. Die Angst Jesu in Getsemani. Die Jünger, die alle einschlafen und es dann schon nicht aushalten, Jesus nahe zu sein. Die Festnahme Jesu und die Jünger, die alle fliehen. Jesus, der ganz alleine sich vor den Hohen Rat verteidigen muss, der beschimpft und verprügelt wird. Der Verrat des Petrus. Pilatus. Barabbas. Simon aus Kyrene. Die Kreuzigung. Die Beschimpfung. Die vielen, vielen Bibelzitate. Das Sterben Jesu. Der Hauptmann. Josef von Arimatäa. Die Frauen, die alles sehen. Das Grab.
Was soll ich noch sagen? Was kann ein Mensch sagen, wenn er hört von unfassbarem Leid, von Angst und Einsamkeit, von Verhöhnung und brutaler Gewalt, von Demütigung, Schadenfreude, Schmerzen, Tod? Da bleibt ein Mensch still. Und er denkt blitzschnell nach: kann ich nicht irgendwie doch noch etwas Gutes sagen, etwas Tröstendes, etwas das wirklich hilfreich ist?
Allzuschnell neigen wir dazu, das Leid schönzureden. Wegzuputzen. ‚Natürlich ist es schlimm, dass ein geliebter Mensch gestorben ist, aber das Leben zusammen war doch schön? Nicht denken an das, was uns fehlt, nur an das, was gewesen ist.’ Diese gut gemeinten, tröstenden Worte, die eher die totale Hilflosigkeit ausdrücken als wirklich tröstend zu sein.
Das Leid einfach auszuhalten und nichts zu sagen: keine Erklärungen, keinen Trost zu geben, das ist schwer. Sehr schwer. Aber für die Leidenden ist gerade das der beste Trost.
Ich glaube, das finde ich am beeindruckendsten in den Evangelien. Sie erklären nichts. Sie erzählen. Sie lassen nichts weg. So lange, so detailliert erzählen sie, dass es kaum auszuhalten ist.
Aber sie erzählen doch weiter, könnten Sie jetzt sagen. Die Geschichte endet hier doch nicht? Wir wissen doch alle, dass noch etwas folgt? Wieso sollten wir heute das Leiden aushalten, wenn wir alle wissen, dass Jesus auferstanden ist? Dazu gibt es doch Ostern? Wieso sollten wir uns quälen mit Leid und Tod, wenn wir wissen von Befreiung und Auferstehung?
Ja, wieso tun wir uns das an, am Karfreitag? Wieso tue ich Ihnen das an? Nicht weil ich eine Masochistin bin, die das Leiden verherrlicht. Nicht weil ich so gerne traurig bin. Sondern weil ich davon überzeugt bin, dass wir nicht richtig Ostern feiern können, wenn wir den Karfreitag nicht aushalten können. Wir können nicht das Leben feiern, wenn wir den Tod ignoriert haben. Es gibt keine Auferstehung ohne das Sterben.
Gerade darum will ich heute nichts schönreden. Und nichts erklären. Keine theologischen Gedanken hineinschleppen wie: Genugtuung. Für unsere Sünden. Versöhnung durch das Blut Christi. Nein. Das sind alles Versuche, das Unfassbare fassbar zu machen. Paulus tut das, und viele folgen ihm. Die Evangelisten aber nicht. Sie zeigen nur das Unfassbare. Das unfassbare Leid und das unfassbare Wunder der Auferstehung. Ganz ohne Worte können wir allerdings nicht bleiben. Denn wir wollen heute das Abendmahl feiern. Und da wird gesagt: für uns gebrochen. Für uns vergossen. Für uns, alle Menschen der Welt. Weil es der einzige Weg war, den Jesus gehen konnte, um Gottes Liebe für die Menschen zu zeigen. Die absolute Wehrlosigkeit. Die Hingabe bis in den Tod. Und Liebe, die stärker ist als der Tod. Das wird gesagt. Und das reicht völlig. Amen.
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