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09. Mai 2010 Konfirmandinnen und Konfirmanden
„Hilf
dir selbst, so hilft dir Gott“
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| Teil 1 |
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Liebe Gemeinde!
Ein Mann steckt bis zu den Knöcheln im Treibsand, ein Feuerwehrmann kommt vorbei und fragt ihn bestürzt: „Oh, Gott. Brauchen Sie Hilfe?“ Der Mann im Treibsand antwortet gelassen: „Nein Danke, ich warte bis Gott mir hilft.“
Einige Zeit später steckt der Mann schon bis zum Bauch im Treibsand. Abermals kommt ein Feuerwehrmann vorbei und fragt: „Geht es Ihnen gut? Brauchen Sie Hilfe?“ Der Mann im Treibsand antwortet abermals seelenruhig: „Nein, nein. Ich warte auf Gottes Hilfe.“
Es ist wieder Zeit verstrichen und der Mann steckt bis zum Mund im Treibsand und kann kaum noch atmen. Wieder kommt ein Feuerwehrmann vorbei und sagt panisch: „Ich hole Sie da raus keine Sorge!“ Der Mann antwortet: „Nein danke, ist schon in Ordnung. Ich warte auf Gottes Hilfe.“
Kurze Zeit darauf stirbt der Mann und kommt in den Himmel, wo er vor Gott stehen bleibt und fragt: „Warum hast du mir keine Hilfe geschickt und mich einfach sterben lassen?“ Gott antwortet: „Im Gegenteil. Ich habe dir sogar drei Mal Hilfe geschickt, du hast sie nur nicht erkannt…..“
| Teil 2 |
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Haben auch Sie schon einmal Gottes Hilfe vorbeigehen lassen? Sie nicht wahrgenommen oder ignoriert? Ja? Wieso haben Sie seine Zeichen nicht erkannt? Etwa weil Sie darauf vertraut haben, dass Gott die ganze Arbeit für uns macht oder unsere Probleme löst? Nur weil Sie denken, dass Ihr Glaube Ihre Sorgen und Probleme lindert, sollen Sie trotzdem nicht weiterhin auf der faulen Haut liegen und die Fäden von oben ziehen lassen.
Denn dann wird Gott, sollten die Ängste und Sorgen nicht automatisch gelöst werden, als Sündenbock verwendet. Er ist es dann, der beschuldigt wird, tatenlos zugesehen zu haben. Er ist es dann, der die erwartete Hilfe nicht gewährleistet hat. Als Folge daraus schiebt man ihm mehr und mehr Anschuldigungen in die Schuhe. So sieht man nur noch die negativen Aspekte in seinem Wirken! Und eben genau dieses Denken führt einen dazu, dass man Gott für alles Schlechte in der Welt verantwortlich macht.
So stellt sich allerdings ein Widerspruch dar. Denn wird Gott auf der einen Seite als „guter Gott“ vorausgesetzt (er hilft ja), so schafft er doch auf der anderen Seite mehr Ängste und Probleme als er löst! Der Gedanke, dass einem nichts Schlechtes widerfahren kann, da Gott nur Gutes vollbringt, unterstreicht diesen Widerspruch noch mehr. Genau das erklärt, wieso Vertreter dieser Standpunkte von der Hilfe Gottes einfach das Falsche erwarten.
Aber stellt sich nicht zuerst die Frage, was dieser Gott eigentlich ist?
| Teil 3 |
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Niemand kann wirklich beweisen, dass Gott existiert. Trotzdem unterstützt er uns in schwierigen und vielleicht schmerzhaften Zeiten. In der Medizin würde man dieses Phänomen ein Placebo nennen.
Doch inwiefern hilft er uns eigentlich? Und ist es wirklich Gott der uns hilft?
Eigentlich ist es doch egal, ob Gott existiert oder nicht. Es geht einfach nur darum an etwas zu glauben was einem Kraft gibt. Banal gesagt ist Gott ein simpler Glücksbringer. Nicht anders als ein Hufeisen oder (extrem gesagt) ein „heiliger Bleistift“.
Das klingt vielleicht ein bisschen ketzerisch oder kindlich (kindisch?), aber eigentlich schöpfen viele Kraft aus dem Glauben an Gott. Durch diesen Glauben geht man oft schon viel selbstbewusster an die Sache heran. Man weiß: Gott hilft mir und er fängt mich, wenn ich stürze.
Jeder mag sich seinen Gott anders vorstellen: Als bärtigen Mann, als mollige Frau mit langen Ohrläppchen, als allgegenwärtiges Bewusstsein, oder als Stift. - Aber das Ergebnis ist dasselbe. Egal an wen oder was ein Mensch glaubt, ohne den ersten Schritt zu wagen kann er nicht auf die Lösung der Probleme hoffen. Dieser Helfer kann allerdings nie die Konflikte des Bedürftigen lösen. Er kann lediglich eine Stütze sein, wie eine Krücke bei einem gebrochenen Bein!
Man hat viele Probleme im Leben, doch mit den meisten wird man auch selbst leicht fertig! Es wäre egoistisch, seine Probleme immer von Gott lösen zu lassen. Und doch kann man sich in schweren Zeiten immer zu ihm wenden. Gott ist immer für einen da, egal wie verrückt oder unlösbar die Probleme erscheinen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass du dich ihm öffnest. Niemand wird einfach kommen und deine Probleme für dich lösen, während du nur dasitzt und tatenlos zuschaust.
| Teil 4 |
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Doch wie soll man jetzt mit Gottes Hilfe umgehen? Auf der einen Seite darf man sich nicht alleine auf die Hilfe Gottes verlassen, und darauf, dass schon alles gut wird. Auf der anderen Seite, soll Gott immer für einen da sein?
Schauen wir uns das doch einmal anhand einer metaphorischen Geschichte an. Einem Menschen wird nach seinem Tod sein Lebensweg gezeigt. Er stellt sich ihm dar als Fußspuren die im Sand entlang einer Küste verlaufen. Nahezu den ganzen Weg über sieht man zwei Fußspuren. Doch in der Zeit, wo das Leben wirklich schwer für den Menschen war, ist nur eine einzige Spur im Sand. „Siehst du“, meinte jener nun zu Gott. „Wie ich es wirklich schwer hatte warst du nicht an meiner Seite!“. Worauf Gott ihn nur lächelnd darauf aufmerksam macht, dass die verbleibenden Spuren tiefer in den Sand gedrückt sind und dass der Mann in dieser Zeit von Gott getragen wurde.
Ha, da ist es ja wieder, sagen jetzt manche! Gott hilft uns ja doch, und darauf kann ich mich ja doch verlassen! Aber lesen sie doch die Geschichte! Gott ist nicht unser gleißender Retter in schillernder Rüstung, der sich für uns und für alle sichtbar vor das herankommende Auto wirft. Er ist vielmehr unser Schatten. Immer da und doch geben wir die Richtung vor. Er ist wie der Vater, der seinen Kindern die Verantwortung für ihr Leben selbst in die Hand gibt.
Der Mensch in der Geschichte weiß von der Hilfe Gottes nicht einmal etwas. Er weiß nicht, wie sie ausgesehen hat. Er glaubt nicht einmal daran, dass es sie überhaupt gegeben hat. Es bleibt uns nichts anderes übrig als genau so unwissend durch die Welt zu gehen! Wir suchen uns nicht aus, wie Gottes Hilfe aussieht! Aber wir können darauf vertrauen, dass sie da ist wenn wir unseren Weg gehen. So wie ein Kind darauf vertrauen sollte, dass der Vater hinter seinen Entscheidungen steht und es auf seinem Weg unterstützt auch wenn es im Vorfeld nicht weiß, wie und auf welche Art! Aber wie kommen wir zu diesem Vertrauen?
| Teil 5 |
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Wir lesen in Zeitungen, sehen im Fernsehen und hören im Radio von Krieg oder Naturkatastrophen, und davon, dass Leute aus Verzweiflung anfangen zu beten. Wenn Krieg herrscht, füllen sich die Kirchen, die im Frieden nur gering besucht werden. Eltern beten um ihre kranken Kinder, Frauen und Männer beten um Heilung ihrer kranken Partner oder Freunde.
Warum beten sogar die ungläubigsten Menschen, die, wenn es ihnen gut geht, oft über Gott und die Kirche lästern? Ja, dann, wenn das Schicksal zuschlägt, werden sie ganz klein, und ängstlich. Dann, wenn sie an den Punkt gekommen sind, wo sie selber nicht mehr weiter wissen, wo keine super Ausbildung, kein toller Job, kein fettes Bankkonto hilft, wenn alle geistigen Mittel versagen, ja, dann suchen sie Hilfe im Gebet. Dann denken sie, dass es vielleicht doch eine übergeordnete Kraft gibt, nennen wir sie ruhig Gott, die uns in unserer Not weiter hilft. Das Gebet verleiht den Menschen Kraft, beruhigt und tröstet. Jedoch kann ein Gebet alleine keine Wunder wirken oder Krankheiten heilen.
Der Raucher zum Beispiel, der aufhören will aber immer wieder anfängt, betet schließlich zu Gott, er solle ihm den Willen und die Kraft geben aufzuhören. Und während er noch darauf wartet, dass Gott ein Zeichen sendet, beginnt er vielleicht darüber nachzudenken, warum er überhaupt raucht und es fällt ihm leichter, das Problem dann bei der Wurzel zu packen und selber auszureißen.
Schafft er das nicht, hat das Gebet in seinen Augen versagt, und wie viele vor ihm, wendet er sich enttäuscht von Kirche und Gott ab. Wird die Sucht jedoch wie durch ein Wunder geheilt, dann wächst der Glaube an Gott. Aber wie lange? Der Mensch vergisst schnell und der Alltag tritt ein. Wozu betteln wenn eh alles gut ist? Und schließlich beten sie wieder nur mehr zu besonderen Ereignissen, wie an Weihnachten.
Trotzdem hat das Gebet nicht nur „negative Aufgaben“, sondern auch positive, denn es hilft den Menschen, zu sich selbst zu finden, wenn sie inneren Halt in der Not suchen. Vielleicht könnte man fast sagen, dass es ein Hilferuf ist, ein SOS-Signal an Gott oder ähnlich einem Karabiner beim Klettern, der einen kurz vor dem Aufprall auffängt und einen vor dem Absturz schützt. Doch wenn man dann einfach nur mit dem Kletterseil, mit dem einzigen Faden, an seinem Leben hängt, und nichts tut, wird einen die Wirklichkeit so sicher einholen, wie ein Auto einen Läufer.
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KONKLUSION
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Ich hoffe, dass nun viele von Ihnen eingesehen haben, dass man nicht nur tatenlos dasitzen kann und abwartet, bis die Probleme sich von selbst lösen. Wir leben in keiner Traumwelt, in der plötzlich ein Held erscheint und dich von deinem Leid befreit. Man muss allein den ersten Schritt wagen und für sein Ziel kämpfen. Nur dann wird einem auch geholfen und nur dann erreicht man etwas. Der Glaube spielt dabei eine immense Rolle. Er ist wie eine Stütze, denn er gibt uns Kraft, hält die Hoffnung am Leben und gibt uns Selbstvertrauen. Wir sind der Meinung, dass jeder auf dieser Welt glaubt, egal in welcher Form. Manche glauben, wie wir, an Gott, und andere eben an Buddha oder Vishnu. Dieser persönliche Gott hilft immer und in jeder Situation. Viele glauben, in schweren Zeiten auf sich selbst gestellt zu sein, aber genau in dieser Zeit unterstützt uns Gott am meisten.
Egal ob wir noch mal an die Geschichte mit den Fußspuren im Sand denken, oder zum Beispiel an die Geschichte von Hiob. Wir können nicht hinterfragen, wieso was in der Welt passiert. Gottes Wege sind unergründlich, und doch können wir im Glauben darauf vertrauen, dass die Wege die wir uns aussuchen, auch jene sind, mit denen Gott einverstanden ist. Dass es auch jene sind, auf denen Gott für uns da ist solange wir sie aus eigenem Willen heraus gehen!
„Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott“. Wofür steht das also? Was heißt das also?
Unserer Meinung nach nichts anderes als: Geh deinen Weg, und Gott hilft dir dabei! So schließe ich unsere Predigt mit einem Bibelzitat:
Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen. (1.Thessalonicher 5,16-18)
Amen.