03.
Jänner 2010
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Und als acht Tage vorüber waren und er beschnitten werden sollte, da wurde ihm der Name Jesus gegeben, der von dem Engel genannt worden war, bevor er im Mutterleib empfangen wurde. Und als für sie die Tage der Reinigung, die das Gesetz des Mose vorschreibt, vorüber waren, brachten sie ihn nach Jerusalem hinauf, um ihn dem Herrn zu weihen, wie es im Gesetz des Herrn geschrieben steht: Alles Männliche, das den Mutterschoss öffnet, soll als dem Herrn geheiligt gelten. Auch wollten sie ein Opfer darbringen, wie es im Gesetz des Herrn geschrieben steht: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben. Und da war in Jerusalem einer mit Namen Simeon, und dieser Mann war gerecht und gottesfürchtig; er wartete auf den Trost Israels, und heiliger Geist ruhte auf ihm. Ihm war vom heiligen Geist geweissagt worden, er werde den Tod nicht schauen, bevor er den Gesalbten des Herrn gesehen habe. Nun kam er, vom Geist geführt, in den Tempel. Und als die Eltern das Kind Jesus hereinbrachten, um an ihm zu tun, was das Gesetz des Herrn vorschreibt, da nahm er es auf die Arme und pries Gott und sprach: Nun lässt du deinen Diener gehen, Herr, in Frieden, wie du gesagt hast, denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor den Augen aller Völker bereitet hast, ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zur Verherrlichung deines Volkes Israel. Und sein Vater und seine Mutter staunten über das, was über ihn gesagt wurde. Und Simeon segnete sie und sagte zu Maria, seiner Mutter: Dieser hier ist dazu bestimmt, viele in Israel zu Fall zu bringen und viele aufzurichten, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird - ja, auch durch deine Seele wird ein Schwert dringen -, damit aus vielen Herzen die Gedanken offenbar werden. Und da war eine Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuëls, aus dem Stamm Asser, die war schon hochbetagt. Nach ihrer Zeit als Jungfrau war sie sieben Jahre verheiratet und danach Witwe gewesen bis zum Alter von vierundachtzig Jahren. Sie verließ den Tempel nie, weil sie Tag und Nacht Gott diente mit Fasten und Beten. Zur selben Stunde trat auch sie auf und pries Gott und sprach von ihm zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten. Lukas 2,21–38
“Als sich aber die Zeit erfüllet hatte, sandte Gott seinen Sohn, zur Welt gebracht von einer Frau und dem Gesetz unterstellt“, so schreibt Paulus im Galaterbrief, und er beschreibt damit gewissermaßen die Situation, in der wir nach dem Weihnachtsfest beim Jahresanfang stehen, zumal wenn wir aus dem Weihnachtsfest im Sinne Calvins keinen Götzen machen, in dessen Rausch wir uns flüchten zu können glauben. Und was Paulus in theologische Begriffe gießt, das erzählt hier Lukas, wenn er wie die anderen Evangelisten – aber jeder auf seine Weise – das Leben Jesu des Christus und den Anfang des Laufes des Evangeliums in der Welt beschreibt. Dabei weiß Lukas als kultivierter Schriftsteller seiner Zeit, dass zu einer solchen Beschreibung des Lebens die bedeutungsvollen Kindheitserzählungen gehören, die auf die Eigenart des sich entwickelnden Lebens hinweisen, es deuten und Schwerpunkte vorwegnehmen und nennen. „Unter das Gesetz getan“ – so vielleicht der Wortlaut, den wir im Hinterkopf haben, waren beide, der kleine Moses, von dem wir in der Lesung hörten, und der kleine Jesus, von dem in unserem Predigttext die Rede ist. Und Mose, der Gesetzgeber, den wir in Kirchen und Museen so oft mit seinen wuchtigen Gesetzestafeln sehen, und seine Familie umgehen das Gesetz. Der, der dann die Tora gibt, verweigert das ägyptische Gesetz. Die wunderbare, man kann aber auch sagen listenreiche Rettung des Mosesknaben führt letztendlich zum Gesetzgeber am Sinai als prophetischer Vermittler von Gottes Gebot, wie wir es in den zehn Geboten fassen. Dabei leuchtet in der Verweigerung des Gehorsams, in der Weigerung, dem ägyptischen Gesetz zu gehorchen, schon etwas auf von der Güte und Menschenfreundlichkeit, die Gott mit seinem Gesetz in die Welt bringen will: Der Ungehorsam dem rassistischen und völkermörderischen Gesetz gegenüber rettet ein Menschenleben genauso wie später der Auszug aus Ägypten ein Volk retten wird. Kindesmord und Versklavung eines Volkes sind überdeutlich nicht Gottes Gesetz. Das sollte bei allem, was wir zu Asyl und Schubhaft zu sagen haben, uns eine deutliche Richtschnur sein. Und es sollte uns auch darüber nachdenklich machen, dass wir sehen, wie wir Menschen es schaffen, aus jedem Gesetz und Recht, nennen wir es das Gesetz Gottes oder der Natur, des Volkes oder der Vernunft das Gesetz des Stärkeren zu schaffen - und der Stärkere, das sind wir, das wovon wir meinen es sei richtig, opportun und geboten, das einzige Heilmittel heute und die Lösung aller Probleme der Zukunft. Auch unter das Gesetz getan - aber ihm nicht listenreich entflohen: der im Stall geborene und in die Krippe gelegte, dessen Name, wie es der Engel Gabriel verkündet hatte, lauten sollte: Jesus - wie Josua, der nach Moses Israel ins Gelobte Land gebracht hatte: Jesus, das Bekenntnis. Der Ausruf: Jahwe mit uns, Jahwe hilft! Nach acht Tagen beschnitten und benannt – nach uns sehr fremden und archaischen oder zumindest seltsamen Vorstellungen von frommen Eltern, die dem Gesetz, aber auch den Vorstellungen ihres Glaubens genüge taten. Ja die darüber hinaus zum – wiederum nach dem Frauen diskriminierenden und tabuisierenden Gesetz frühest möglichen Zeitpunkt – nach Jerusalem pilgerten, um den erstgeborenen Sohn, wie es das Gesetz befahl, dem Herrn zu weihen, wie eine Erstlingsfrucht vom Felde. Und zu diesem ganzen Ritus gehörte noch ein Taubenopfer. Das alles machte man damals, ja es gehörte sich so für eine fromme Familie, wie für viele Österreicher die Wallfahrt nach Mariazell und das, was mit ihr zusammenhängt. Wir könnten hier anfangen zu spekulieren, was die Eltern dabei dachten und empfanden. Lassen wir es dabei, dass Joseph einfach nur dabei war, typisch Mann, und Maria weiter so, wie wir es Weihnachten gehört haben „alle diese Worte“, auch die, mit denen wir es heute zu tun haben werden, „behielt und in ihrem Herzen bewegte“. Lassen wir sie also beiseite und kommen zu den zwei Hauptpersonen unseres Textes, einen Propheten und eine Prophetin, die mehr, so die Hanna, sie verlies den Tempel nie, oder weniger, Simeon, der nun vom Geist geführt in den Tempel kam, ihr Leben im Tempel verbrachten. Unter all den frommen Juden, die dort zu finden sind und den Tempel füllen, konzentrieren sich beide, die Greisin und der Greis, die nach allem, was wir wissen, nichts miteinander zu tun haben, auf diese ihnen unbekannte junge Familie aus Nazaret. Und sie erregen Aufmerksamkeit, ja sie wollen sogar Aufmerksamkeit erregen. Die stillen Frommen im Lande haben ihren Auftritt am Beginn des Lebens Jesu und mit überquellendem Mund verkünden sie: ja es ist wahr, was der Name des Kindes sagt: Gott ist mit uns, Gott hilft! Und wie ein glücklich Träumender fängt der alte Mann zu singen an vom Frieden und vom großen Licht, das alles, was das Gesetz trennt, vereinigt, Juden und Heiden, Israel und die ganze Welt, allen Völkern, und in seiner Wärme leben lässt Da kann man glücklich sterben und bei Gott sein. Mit diesem Kind, das sich in nichts von den tausenden Kindern unterscheidet, die täglich in den Tempel gebracht werden, ist das Heil der Welt, das Heil aller Menschen verbunden. Auch wenn dessen Eltern noch so sehr darüber staunen, ja vielleicht befremdet sind, - aber wie sollten sie befremdet sein nach ihren Erfahrungen in Bethlehem-, die Welt soll sich durch diesen Menschen ändern, weil Gott sein Versprechen wahr macht, weil Gott nun Menschen auf einer neuen, ja unaussprechlichen Weise das Heil bereitet. Gottes Licht bringt einen neuen Schein in die Welt und was das Gesetz an Grenzen und Ausgrenzungen vorsah, gilt nicht mehr im neuen verwandelnden Gotteslicht. So etwas zu hören macht natürlich die Eltern staunen – und betroffen. Denn da ist nicht nur der Segen für das kleine Kind und für sie. Sie bekommen auch von Schwert und Leiden, von Fall und Widerspruch zu hören. Der alte Mann ist nicht trunken von greisenhaftem Enthusiasmus. Er stellt ebenso die Verbindung dieses Kindes mit Gottes umfassender Güte und Liebe heraus und den Frieden, den sie geben, wie den Widerspruch, den sie finden. Diese Schwert, von dem der Prophet spricht, weist ebenso wie der Kindermord beim Evangelisten Matthäus auf Golgatha und das Kreuz voraus. Ohne diese gibt es Jesus nicht, ohne Kreuz ist die Krippe nicht zu denken. Jesus unter das Gesetz getan. Der kein Gesetz nötig hat, geht unter das Gesetz des Todes. Weil Gott selbst unter das Gesetz geht, kann Simeon sein Lied singen und in Gottes Zukunft schauen. Deshalb geht der frommen alten Hanna, die nach der weise frommer alter Frauen ihren Mund sonst nur für ein Gebet öffnete, ihr Mund über. Sie tritt auf. Verkehrung aller Dinge – sind doch fromme alte Frauen, auch wenn sie Prophetinnen sind und aus einer berühmten frommen Familie stammen, normalerweise in ihre Ecke verbannt. Hier aber durcheilt sie den Tempelbezirk und wie die Geliebte des Hohenliedes spricht sie zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten, von diesem Kind. Gottes neue Welt, so weiß sie und so verkündet sie, steht mit diesem Kind in innigster Verbindung. Der Anfang des Evangeliums nach Lukas weitet auf eine raffinierte Art und Weise unsere Perspektive. Von den intimen Szenen der Verkündigung und dem Idyll der Hirten vor dem offenen Himmel geht nun der Blick in die große Stadt Jerusalem und zu ihrem wichtigsten Bau, dem Tempel als dem Symbol des Gesetzes. Jesus - unter das Gesetz getan, und die Geistträger reagieren aus der Weisheit Gottes heraus, weil sie das Heil sehen, das Gott vor den Augen aller Völker bereitet hat – für alle Völker. Damit wird der unter das Gesetz getane Jesus im Tempel zum Symbol des Aufbrechens, des Endes von all dem, was wir unter Gesetz verstehen. Auch für uns, wenn wir lernen, unsere Gesetze vom Lichte Gottes her zu machen und auszulegen. Dabei sind wir alle gefragt, dabei geraten wir alle auch auf Irrwege und machen uns schuldig. Und doch dürfen wir alle uns und unsere Schuld in die Hand dessen gaben, der uns mit seinem Namen zuruft: Gott hilft auch dir in deiner Schuld, und du kannst weiter, so wie du es verstehst, helfen, denn wir haben einen Helfer. Liebe und tu, was du willst. Amen. Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in diesem Helfer Jesus Christus.
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