"Niemand anders bestimmt, dass wir leben"
Selektion durch Fortpflanzungsmedizin?

Diskussionsabend des Reformierten Klubs
am 30.1.2003
mit
Theresia HAIDLMAYER,
Abgeordnete zum Nationalrat,
Behindertensprecherin, DIE GRÜNEN



 

„Selbstbestimmt leben“ ist das Motto und Programm zugleich, dem sich Frau Haidlmayer verschrieben hat. „Wir brauchen keine Integration, sondern Gleichberechtigung“, so die Grüne Abgeordnete, die sich mit beeindruckendem Engagement dafür einsetzt, dass im „Jahr der Menschen mit Behinderungen 2003“ der österreichische Staat sich zu einem Gleichstellungsgesetz für Behinderte durchringt. Erst wenn ein solches Gesetz existiert, werden zwangsläufig alle öffentlichen Einrichtungen so beschaffen sein müssen, dass niemand mehr diskriminiert wird, nur weil er/sie sich nicht so bewegen kann wie Gesunde. Davon geht Haidlmayer aus. In den 60er Jahren waren in Österreich körperlich Behinderte – wie sie selbst - aus dem Regelschulwesen ausschlossen. Diese Erfahrung und das Bewusstsein von ihrer eigenen Mutter vorbehaltlos und uneingeschränkt als Kind und daher gleichgestellter Mensch akzeptiert und geliebt zu sein, stehen hinter dem Engagement der Abgeordneten:

Im Zuge der Diskussionsreihe über die Problematik der Biomedizin lud der Reformierte Klub Frau Haidlmayer zur Diskussion ein. Die Gesellschaft muss endlich lernen, dass das Menschenrecht auf Leben für alle und bedingungslos gelten muss. Behinderte sind keine „Sozialfälle“ sondern gleichberechtigte Menschen in unserer Gesellschaft, so Haidlmeier.

Dies muss auch für die Reproduktionsmedizin gelten, die von Haidlmeier schwer angegriffen wird, da bereits in der Selektion der zu befruchtenden Eizellen in der Präimplatantionsdiagnostik ein diskriminierender Akt besteht.

Die Entwicklungen in Richtung einer „leidensfreien Gesellschaft“ hält die Abgeordnete für Kulturverlust und eine Fehlentwicklung unserer Zeit. Menschen so annehmen zu können wie sie sind, ist das Ziel der Behinderteninitiative, gerade in einem Land wie Österreich, das lange genug Menschen mit Behinderungen bewusst aus der Gesellschaft ausgegrenzt hat. Ein Gleichstellungsgesetz für Behinderte könnte der Ausweg sein.

Evelyn Martin

zum Text von Peter Brockhaus

Siehe auch: "PID - Was kann? Wer darf?"

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