www.reformiertestadtkirche.at

Ich glaube an die eine katholische Kirche

Welche ist das?

 

Podiumsdiskussion des Reformierten Klubs

am 30. 10. 2003

mit Bischof Dr. Kurt Krenn

 

 

Am Vorabend des Reformationstages 2003, dem 30. Oktober, fand in dem sehr gut besuchten Gemeindesaal der Reformierten Stadtkirche ein Gesprächsabend des Reformierten Klubs mit dem Bischof von St. Pölten Dr. Kurt Krenn statt. Die Diskussion wurde von Pfarrer Langhoff geleitet. Pfarrer Langhoff betonte einleitend, dass Religionskriege in Europa schon lange vorbei sind, im vergangenen Jahrhundert gab es verstärkte Bemühungen um Ökumene, es wichtig ist, zu wissen, "was uns eint und was uns trennt".

 


Gespannt lauschende Gemeinde...

Bischof Dr. Krenn betonte, dass die katholische Kirche die ältere Kirche sei. Kirche sei ein Instrument, um Menschen mit Gott zu vereinen und auch die Menschen untereinander zu verbinden. Sie wurde durch das auserwählte Volk Israel vorbereitet, von Jesus gestiftet und ist ein Instrument des Heiligen Geistes. Die Kirche kommt von Christus, das verbindet uns. Bischof Krenn betonte, dass Kirche auch in anderen christlichen Konfessionen irgendwie verwirklicht sei, aber "Wir sagen nicht, dass sie eine Kirche sind." Kirche ist dort, wo die Eucharistie gefeiert wird und wo eine apostolische Sukzession besteht. Im weiteren Verlauf zeigte sich immer deutlicher, dass die Frage des Abendmahls im Mittelpunkt steht. Nach Ansicht von Bischof Krenn ist es durchaus zulässig, wenn Evangelische gelegentlich eingeladen werden, an dem katholischen Abendmahl teilzunehmen, ein Katholik kann jedoch nicht das evangelische Abendmahl empfangen.  "Es ist der Leib Christi, ich würde mich sehr freuen, wenn die Evangelischen Kirchen von diesem bloßen Symbol weggehen könnten. Die Wirklichkeit der Eucharistie ist in Nöten bei Ihnen, nicht bei uns."

Zaghafte Versuche einer inhaltlichen Diskussion brachten trotz der Bemühungen von Pfarrer Langhoff und Pfarrer Karner wenig Ergebnis. Die Betonung des verbindlichen Lehramts der römisch katholischen Kirche wirkte wenig überzeugend, Hinweise auf Änderungen der offiziellen Lehre auch in der römisch katholischen Kirche, die Kirche wandelt sich um gleich zu bleiben, konnten keine Öffnung der Diskussion bewirken. Die Wahrheit sei die mündliche Überlieferung und die Bibel (in dieser Reihenfolge). "Wir geben niemals etwas auf, das wir als wahr erklärt (sic!) haben."

 


Skeptische reformierte Pfarrer...

 Der Ausschluss der Frauen vom Priesteramt wird mit dem Hinweis begründet, dass Jesus nur Männer als Apostel berufen hat, leider hat niemand nachgefragt, wieso Priester im Zölibat leben müssen, die Apostel waren verheiratet.

Die mehrfach ausgesprochene bzw. angedeutete Einladung, dass die Tür offen steht, wir können jederzeit zurückkommen fand wenig Echo. Am Ende des Abends hatte ich den etwas deprimierenden Eindruck, dass der Glaube an Jesus Christus und, wenn ich Bischof Krenn richtig verstanden habe, die Bibel nur begrenzt,  eine recht dünne gemeinsame Basis sind. Das Trennende schien so groß wie schon lange nicht.  

 


Frohsinn trotz großer Gegensätze!

Am Montag habe ich in einem ORF-Bericht über den Kommentar von Bischof Krenn zur aktuellen Diskussion über die österreichische Asylpolitik und die Rolle der Caritas gelesen:  Krenn beantwortet die Frage, ob sich die Kirche gesellschaftspolitisch einmischen soll, grundsätzlich: "Wir sind nicht eine Lehranstalt der Soziallehre. Wir müssen den Glauben verkünden. (...) Wir sind nicht Wertedebattierer, wir verkünden die Wahrheit."

Text: Margund Belke
Fotos: Irene Kornauth

zum Anfang