Weltgebetstag
7. März 2003

Geist Gottes
erfülle uns

 

 

Frauen aus dem Libanon laden ein

 

Der Weltgebetstag der Frauen  ist die größte internationale ökumenische Basisbewegung von Frauen. In unzähligen christlichen Gemeinden weltweit wird jeweils am ersten Freitag im März ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert. Die Liturgie wird jedes Jahr von Frauen eines anderen Landes verfasst, heuer von Frauen aus dem Libanon. In Wien Innere Stadt wude der Gottesdienst von Frauen aus der Altkatholischen Kirche, der Pfarre St. Thekla, der Lutherischen Stadtkirche und der Reformierten Stadtkirche vorbereitet und in der gut gefüllten Reformierten Stadtkirche gefeiert.

 


Ahlan wa sahlan - Willkommen im Libanon.

Diese Begrüßungsworte drücken libanesische Gastfreundschaft aus. BesucherInnen werden dazu eingeladen, sich niederzulassen und sich wie ein Familienmitglied zu fühlen.
Ein Gruß, der Sehnsucht und Hoffnung ausdrückt, denn Libanon, biblisches Land der Zedern und das kleinste Land im Nahen Osten, hat Bürgerkriegs- und Besatzungszeiten hinter sich. Durch die Konflikte im Nahen/Mittleren Osten bleibt die Situation auch weiterhin sehr angespannt. Und dabei wollen die LibanesInnen - allen voran die jüngere Generation - gerne in eine bessere, friedliche Zukunft schauen! Wie ihre Wünsche für die Zukunft lauten und auf welch reiche und schwierige Geschichte die Menschen im Libanon zurückschauen, davon erzählt die Gottesdienstordnung der Frauen des Libanesischen Weltgebetstagskomitees. Sie bringt auch die Glaubenserfahrung und Hoffnung zum Ausdruck, dass Menschen mit der Kraft des Heiligen Geistes ihren Alltag bewältigen und sich für ein gutes und friedvolles Leben aller Menschen einsetzen können.

 

 

Kontraste und Vielfältigkeit kennzeichnen die Geografie Libanons - von den schneebedeckten Bergen über die fruchtbare Bekaa-Ebene bis zur dicht besiedelten Mittelmeerküste. Sie kennzeichnen auch die Menschen, ihre religiösen und kulturellen Traditionen sowie ihre politische, soziale und wirtschaftliche Situation.
Gerade auch das Leben der Frauen im Libanon gestaltet sich je nach Zugang zu Bildung, Religionszugehörigkeit und städtischem oder ländlichem Lebensumfeld verschieden. Vielfältigkeit und Unterschiedlichkeit tragen zur Schönheit und zum Reichtum Libanons bei, aber auch zu Spannungen und Konflikten, die gewaltvoll werden können.
So bekämpften sich im Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 muslimische, christliche und drusische Gruppen und Milizen gegenseitig und auch untereinander. Beirut, die wohlhabende, traditionsreiche und moderne Hauptstadt, die in den 60er Jahren vielen Intellektuellen anderer arabischer Staaten künstlerische und politische Heimat bot und das Handelszentrum der gesamten Region war, wurde geteilt und zu großen Teilen zerstört. Der Aufbau - ein umstrittenes Großprojekt - hält bis heute an.
Auch nach dem Abzug des israelischen Militärs, das den Süden des Landes von 1982 bis 2000 besetzt hatte, kehrt im Libanon kein beständiger Friede ein, denn die politische und wirtschaftliche Situation wird wesentlich mitbestimmt von den benachbarten Staaten Israel und Syrien. Der Nahostkonflikt wurde und wird auch im Libanon ausgetragen, wo über 500 000 palästinensische Flüchtlinge zum Teil schon seit drei Generationen in Flüchtlingslagern unter schwierigsten Bedingungen leben müssen.
Auch dem bestehenden politischen System der demokratischen Republik Libanon gelingt es nur zum Teil, das empfindliche Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Religionsgemeinschaften zu halten: die Mandate sind zu gleichen Teilen unter Christen und Muslimen aufgeteilt; ebenso die die wichtigsten Ämter wie Präsident, Premierminister und Parlamentspräsident.
Viele junge Menschen entscheiden sich aufgrund der politisch unsicheren Situation und der schlechten wirtschaftlichen Lage - vor allem im Süden und in den ländlichen Regionen - dazu auszuwandern. Ca. 16 Mio. leben inzwischen im Ausland - schwierige Bedingungen für den Wiederaufbau des Landes.
Von diesen Problemen berichten die Frauen des Libanesischen Weltgebetstagskomitees in ihrer Gottesdienstordnung aus eigener Erfahrung. Gleichzeitig geben sie als Christinnen Zeugnis für ihren Glauben - in ökumenischer Vielfalt.
Es ist ihnen ein großes Anliegen, als Christinnen im Nahen Osten wahrgenommen zu werden, die in einem Land leben, das sich an der Schnittstelle zwischen Orient und Okzident befindet.
Libanon kann sich - trotz des Bürgerkrieges - auch auf die Fahnen schreiben, ein Land zu sein, in dem gelebte alltägliche religiöse und kulturelle Toleranz zur Tradition gehört - an diese Tradition gilt es anzuknüpfen.

 


Texte von Frauen aus dem Libanon wurden vorgetragen...

 

Apostelgeschichte 2, 1-4: Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.




Die Liturgie befasste sich mit der Hoffnung und Zuversicht der Frauen des Libanon, dass sie die Kraft erfahren, Schwierigkeiten zu bewältigen, den Weg der Wahrheit, Geduld, Frieden und Stärke im Leiden zu finden; dass die Jugendlichen ihren Weg finden, die Älteren Güte und Freundlichkeit nicht verlieren, dass die Regierenden gerecht handeln und die Menschenrechte wahren...

Galaterbrief 5, 22f: Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung; dem allen widerspricht das Gesetz nicht.

 


Das Bild zum Weltgebetstag malte Mireille Samir Chaker, geb. 1976 in Zahle/Libanon. Sie entstammt einer syrisch-orthodoxen christlichen Familie.

 

"Auf meinem Bild erscheint der heilige Geist in Form von drei Flammen, die auch für die Dreieinigkeit Gottes, die Trinität, stehen...wenn man es quer hält, bilden die Flammen gleichzeitig die Umrisse einer Zeder: Die Farben und die Formen erinnern dann an die libanesische Flagge."

 

 

Die Verwendung der Spendengelder des Weltgebetstages wird nach den Kriterien des Österreichischen Spendengütesiegels überprüft. Zahlreiche Projekte in aller Welt werden unterstützt.

 

 

In der Reformierten Stadtkirche wurde u.a. für MAIZ (Sozialpädagogische Begleitung von Migrantinnen der zweiten Generation) und für Jugendheime in Armenien gesammelt. Die Kollekte betrug € 407,-.
Der Weltgebetstag 2004 wird von Frauen aus Panama vorbereitet.

 

Teile des Textes entstammen der Seite www.weltgebetstag.de.
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