Politisches Nachtgebet

21.4.2004

 

Die Tradition des Politischen Nachtgebets geht auf Dorothee Sölle zurück. Das Politische Nachtgebet verknüpft Spiritualität mit politischem Handeln, schafft so den notwendigen Raum für Austausch, Vernetzung, Feiern. Daraus entsteht Stärkung und Ermutigung.

Veranstalterin des diesjährigen Politischen Nachtgebets war das Ökumenische Forum christlicher Frauen in Österreich.

 

 

 

Überlegungen zu Jesaja 42,14:
Ich schwieg wohl eine lange Zeit, war still und hielt an mich. Nun aber will ich schreien wie eine Gebärende, ich will laut rufen und schreien.

gaben dem Politischen Nachtgebet 2004 den Titel:
Lauter Frauen? Lauter! Frauen.

 

Barbara Heyse-Schaefer, Direktorin der Evang. Frauenarbeit in Österreich und Sprecherin des Ökumenischen Forums hielt die Predigt zu Römer 8,18-23a

 

 

Schon am Eingang wurden die Besucherinnen symbolisch an die Enge des Geburtskanals erinnert, durch den das Kircheninnere betreten wurde.

 

 

 

Im Arbeitskreis zum Thema „atmen - schreien - bewegen“ leitete Marie-Therese Escribano die Teilnehmerinnen an, ihrer Stimme Raum zu geben.

Mag. Michaela Moser diskutierte im 2. Arbeitskreis über das „ausgehende Patriarchat“.

 

Mag. Barbara Kampf und Hedwig Gründler-Pepelnik beschäftigten sich in einer Bibelarbeit zu Ps.126 mit dem „Geburtsschrei einer neuen Welt“.

 

 

 

 

 

Etwa 40 Frauen folgten der Einladung und erlebten einen spannenden Abend mit engagierten Diskussionen im politischen Nachdenken.

 

Evelyn Martin

 

Und ist noch nicht erschienen, was wir sein werden

Ein Gebet nach Dorothee Sölle/ 1.Joh.3,2

 

Und ist noch nicht erschienen, was wir sein werden,

o Gott, der du auftust und offenbar machst,

wann wir es soweit sein?

Wann wird man an unseren Städten sehen:

 

Hier wohnen die Söhne und Töchter Gottes,

die nicht ein Alibi-Ministerium einrichten,

um Frauenanliegen bequemer schubladisieren zu können,

sondern die kreativ politisches Engagement einsetzen um in unserer Gesellschaft Geschlechtergerechtigkeit populär zu machen und Diskriminierung zu einem Makel.

 

 

Wann wird man an unseren Städten sehen:

Hier wohnen Töchter und Söhne Gottes,

die soziale Anliegen nicht nur in Vorwahlzeiten wichtig finden,

sondern denen Grundversorgung und Altersvorsorge für alle wichtig sind,

so wichtig, dass es auch etwas kosten darf.

Denn diese Steuern sind zum Wohle aller, die hier leben.

 

 

Und ist noch nicht erschienen, was wir sein werden

Gott wie du Leben hervorbringst und Lachen wann wird es soweit sein?

Wann wird man aus unseren Medien erkennen:

Hier wohnen Frauen und Männer,

sie sind nicht mehr jung, aber trotzdem schön,

sie arbeiten nicht, aber trotzdem sind sie stolz auf ihr Leben

sie konnten zwar nicht in private Pensionsvorsorgekassen einzahlen

und kennen trotzdem keine Existenz-Ängste,

denn für sie ist gut vorgesorgt.

 

 

Hier wohnen die Freunde und Freundinnen Gottes,

die niemanden abschrecken oder hindern in unserem Land zu wohnen,

sie laden ein sie spielen Handball mit denen die sie früher Feinde nannten

und trauen ihnen, die deine Kinder sind wie wir

Wann werden wir sichtbar, Gott als deine Töchter und Söhne?

 

Und ist noch nicht erschienen, was wir sein werden o Gott,

die du uns besser kennst als wir uns selber kennen

Wann müssen wir unser Gesicht nicht mehr verstecken vor den Verhungernden?

Wann wird man an unsern Handelsbeziehungen sehen, dass wir in einer gerechten Welt leben, ohne Ausbeutung von Menschenkraft oder Ressourcen:

hier wohnen die neuen Menschen, die schwesterlichen

wann wird die Sonne der Gerechtigkeit über uns aufgehen

und die Ausplünderungen zu Ende gehen?

wann werden wir sichtbar, Gott, Söhne und Töchter in deinem Reich?

 

 

Und ist noch nicht erschienen, was wir sein werden 

Gott, der du alles geschaffen hast,

wann wird es soweit sein dass wir es sehr gut nennen wie du?

wann werden wir sichtbar? wann wird die Wahrheit. scheinen?

wann wird Titan an unsern Gärten und Feldern sehen:

hier wohnen die sanften Kinder der Erde die das Vergewaltigen nicht gelernt haben und das Plündern verlernten

hier wohnen kleine Menschen die die Türme nicht in den Himmel bauen und die Tiere nicht zu Tode testen Gott, Freundin der Menschen. Freund der Erde komm bald!

Maranatha beeil dich mach uns sichtbar Töchter und Söhne in deinem Reich.

 

  

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