|
Sie schweigt nicht mehr Frauen in geistlichen Ämtern Podiumsdiskussion des Reformierten Klubs am 15. 4. 2004 mit Rabbinerin Irit Shillor
Am 15. April 2004 fand ein Reformierter Klub mit Rabbinerin Irit Shillor statt. Da der Gemeindesaal gerade ausgemalt wurde, versammelten sich ca. 25 Leute in der Kirche. Die Veranstaltung wurde von Vikar Kluge moderiert, der einleitend darauf hinwies, dass Frauen in vielen Gemeinden für die laufenden Tagesarbeiten zuständig sind, aber auch die evangelischen Kirchen noch immer Schwierigkeiten mit Frauen in geistlichen Ämtern haben. Das Judentum war in dieser Beziehung fortschrittlicher, in Deutschland gab es bereits in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts eine Rabbinerin.
Frau Rabbinerin Shillor erläuterte die beiden großen religiösen Bewegungen im Judentum: die Orthodoxie und das Reformjudentum. Die Frage nach der Rolle und den Aufgaben der Frau ist ein wesentlicher Unterschied zwischen den beiden Gruppen. Die Gesetze sind die gleichen, aber Traditionen, die oft schon als Teil der Religion angesehen werden, werden in Frage gestellt; "Es ist immer erlaubt, Fragen zu stellen". Nicht die Religion hat sich geändert, sondern die Art, wie wir sie leben.
Die Bewegung des Reformjudentums begann am Anfang des 19. Jahrhunderts, es war auch ein Versuch, Assimilierte wieder besser in jüdische Gemeinden zu integrieren. Die Bewegung war vor dem 2. Weltkrieg sehr stark in Deutschland vertreten, durch die Vernichtung des deutschen Reformjudentums und die starke Einwanderung aus Osteuropa nach dem 2. Weltkrieg ist jetzt die Orthodoxie stärker vertreten. In Österreich war das orthodoxe Judentum auch vor dem 2. Weltkrieg dominierend. Or Chaddasch ist die einzige Reformgemeinde in Wien.
Der Untertitel für die Veranstaltung war insofern nicht ganz zutreffend, als sich die Ausführungen von Frau Shillor und auch die zahlreichen Fragen in der Diskussion hauptsächlich auf die jüdische Glaubenslehre und die Möglichkeiten für Frauen innerhalb jüdischer Gemeinden bezogen. Angesprochen wurden u.a. die Rolle des Rabbi in einer Gemeinde, die Beziehungen zwischen Orthodoxen und Reformjudentum. Die Notwendigkeit, den christlich - jüdischen Dialog weiterzuführen und zu intensivieren wurde betont, Dialog kann helfen, Fremdheit und Angst abzubauen, Bekehrung sollte nicht das Ziel sein. Der Dialog ist in Österreich noch in einem Anfangsstadium, in US und UK ist er schon viel weiter.
Für mich bot der Abend - abgesehen von der Begegnung mit einer sehr interessanten Frau - viele Informationen über die unterschiedlichen Formen des geistlichen Lebens im Judentum. Frau Shillor betonte nachdrücklich, dass trotz aller Unterschiede das Gemeinsame im Judentum als wesentlich betrachtet wird, an eine Spaltung wird nicht gedacht. Es war ein durchaus hoffnungsvoller Beginn eines Dialogs, der fortgesetzt werden sollte.
|