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Schöpfer der
Unsterblichkeit
Fortpflanzung unter der
Kontrolle des Menschen
Podiumsdiskussion des
Reformierten Klubs
am 13. Oktober 2005
mit Carl Djerassi
"Mutter der Pille"
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Carl Djerassi wurde 1923 als Sohn eines Ärzteehepaares in
Wien geboren, verbrachte seine Kindheit in Rumänien, die Jugend dann
wieder in Wien und musste 1938 in die USA emigrieren, wo er Chemie
studierte und einen Lehrstuhl an der University of Stanford
innehatte.
1951 gelang ihm die Synthetisierung des Schwangerschaftshormons
Gestagen, was zur Entwicklung des oralen Kontrazeptivums "die Pille"
führte. Er wird daher als "Vater der Pille" bezeichnet; er selbst
bezeichnet sich als "Mutter der Pille".
Auch die Synthetisierung des Hormons Cortison geht auf Djerassi
zurück.
Darüber hinaus ist er Kunstsammler, insbesondere von Werken Paul
Klees, und seit den 1980er Jahren auch Schriftsteller. Er erfand die
Romangattung "Science-in-fiction", die in der Tetralogie
"Cantors Dilemma", "Das Boubaki Gambit", "Menachems Same" und "No"
zur Anwendung kam.
Djerassi wurde mehrfach als Nobelpreiskandidat genannt; diese Ehrung
blieb ihm bis jetzt jedoch verwehrt.
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Djerassis
2001 erschienenes Buch
„This Man's Pill“ (Essays zur Wissenschaftsgeschichte) war
Angelpunkt der Diskussion, zu deren Einleitung Pfarrer Langhoff
einen Bogen vom Baum der Erkenntnis im Garten Eden bis zu den
heutigen Methoden der kontrollierten Fortpflanzung spannte. Mit der
Methode einer sicheren Empfängnisverhütung wie der "Pille" hatte der
Mensch erstmals die Möglichkeit, "in die Schöpfung einzugreifen".
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Mit einem großteils jugendlichen Publikum, darunter
etlichen Medizinstudentinnen und -studenten, die Djerassi zuvor bei
einem Vortrag im Rathaus gehört hatten, konnte dieses Thema diesmal
in kleinerem Rahmen nicht nur referiert, sondern auch diskutiert
werden.
Gesellschaftliche Veränderungen im Sinne eines "Eingreifens in die
Schöpfung" wurden und werden nicht nur durch die "Pille", sondern
ebenso durch die in jüngerer Zeit geschaffenen Möglichkeiten zur
künstlichen Befruchtung in Gang gesetzt. Hier wurden ICSI (intrazytoplasmatische
Spermieninjektion) und PID (präimplantative Diagnostik)
genannt. Gibt das eine (neben anderen Methoden) die Möglichkeit, Paaren,
denen dies auf "natürlichem" Weg verwehrt bleibt, einen Kinderwunsch zu erfüllen, so geht das andere noch
darüber hinaus: Zellen eines Embryos werden vor Einpflanzung in den
Mutterleib auf mögliche Anomalien untersucht, nur "gesunde"
Embryonen werden eingepflanzt, die restlichen vernichtet.
Angesichts dieser Entwicklungen vertrat Djerassi den Standpunkt, dass
Wissenschaft auf Ethik und Moral wenig Bedacht nimmt - der/die Einzelne
kann sich nur entscheiden, mitzureden - was Information voraussetzt - oder
nicht mitzureden.
Das Interesse und Engagement des Publikums und die faszinierende
Persönlichkeit des Gastes machten diesen Abend zu einem besonders
spannenden. Wer Djerassis Bücher noch nicht gelesen hat, sollte dies
nachholen.
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