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31. Oktober 2005 -

Enthüllung der Gedenktafel
für Opfer des Nationalsozialismus
aus der Gemeinde
 

Am Reformationstag 2005 - 60 Jahre nach der Befreiung von den Nationalsozialisten - wurde im Rahmen des Gottesdienstes in der Reformierten Stadtkirche eine Gedenktafel enthüllt, die an Mitglieder unserer Pfarrgemeinde erinnern soll, die in Konzentrationslagern ermordet wurden.
Die Feier wurde in Zusammenarbeit mit den Pfarrern von unserer früheren Kuratorin Evelyn Martin vorbereitet, die auch durch die Veranstaltung führte. Die Predigt hielt LSI Mag. Wolfram Neumann.  Die Historikerin Christine Karner stellte anschließend in einem Vortrag im Gemeindesaal Forschungsarbeiten über Gemeindemitglieder jüdischer Abstammung vor.
Unter den Gästen der Feier waren u.a. die Gründerin und frühere Parteiobfrau der Grünen, Freda Meissner-Blau, die Historikerinnen Sophie Lillie, Brigitte Hamann und Helene Maimann und für das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes Heinz Arnberger.
 

 


Klaus Hehn spielte an der Orgel:
J.S. Bach "Ein feste Burg
ist unser Gott" BWV 720
M. Reger: Choralfantasie
"Ein feste Burg ist unser Gott" op. 27

 

Evelyn Martin las aus Matthäus 20,
Pfarrer Langhoff aus dem Heidelberger Katechismus.

 

Predigt
gehalten von LSI Wolfram Neumann

 

 

 


Abendmahl

 


Ansprache zur Enthüllung
der Gedenktafel

Ein Ergebnis des neuen Denkens in der Reformation war der Aspekt der Würde des einzelnen Menschen...

Der Nationalsozialismus hat den Menschen die Würde genommen , Opfern und Tätern...

Wir haben drei Tafeln in unserer Kirche – eine für die Gründer unserer Gemeinde (1822, also auch 50 Jahre „danach“ angebracht), eine zur Erinnerung an den  Umbau nach dem Protestantenpatent (vom Bethaus zur Kirche), und eine zur Erinnerung an die Gefallenen im I. Weltkrieg aus unserer Gemeinde.

Mit der vierten Tafel soll beispielhaft  an die Opfer des Nationalsozialismus gedacht werden: Einerseits an Zsigmond Varga, der Pfarrer für die Reformierten Ungarn in Wien war. Er ist, nachdem er von den Nazis ins KZ Mauthausen-Gusen gebracht wurde, kurz vor Kriegsende 1945 ermordet worden.

Mit der Auswahl der Familie Pollack hat es eine andere Bewandtnis: Sie waren konvertierte Juden unserer Gemeinde, die – vermutlich schon aus ihrer jüdischen Tradition - ein besonderes Engagement für Arme und Benachteiligte mitbrachten und wohltätig in unserer Gemeinde wirkten. Das Ehepaar Pollack wurde, nachdem sie allen Eigentums beraubt worden waren, nach Theresienstadt gebracht, wo sie 1942 umgekommen sind. Der Spruch: „Wir aber gehören nicht zu denen, die zurückweichen und verloren gehen, sondern zu denen, die glauben und das Leben gewinnen“ stammt aus der christlichen Bibel, nicht aus der hebräischen, allerdings vom Juden Paulus, im Hebräerbrief.  Er gilt sozusagen für beide Namen, für Zsigmond Varga, der aus dem Glauben heraus in der Predigt Widerstand leistete, für das Ehepaar Pollack, das ebenfalls nicht zurückgewichen ist und bis zuletzt an alle anderen gedacht hat, aber nicht an sich selbst.

Marmortafeln sind kalt und glatt, mich erinnern sie immer ein bisschen an den Tod. Hier sollen sie der Versuch sein, Menschen beispielhaft ihre Würde wieder zu geben, die man ihnen genommen hat. Ob wir ihnen damit gerecht werden, weiß ich nicht. Aber es ist wenigstens der Versuch die Erinnerung an sie lebendig zu halten.

 

 


Nach der Enthüllung -
Evelyn Martin, Johannes Langhoff, Wolfram Neumann

 

Die Geschichtsforscherin Christine Karner referierte über den Stand der Forschungsarbeiten über Gemeindemitglieder jüdischer Abstammung am Beispiel der Familie Pollack. Dies ist Teil ihrer noch nicht veröffentlichten Diplomarbeit.

 


Christine Karner mit Publikum

 

 

 

 


Christine Karner im Gespräch mit Brigitte Hamann,
Sophie Lillie und Evelyn Martin

 

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