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Ansprache zur
Enthüllung
der Gedenktafel
Ein Ergebnis des neuen Denkens in der Reformation war der Aspekt der
Würde des einzelnen Menschen...
Der Nationalsozialismus hat den Menschen die Würde genommen , Opfern
und Tätern...
Wir haben drei Tafeln in unserer Kirche – eine für die Gründer
unserer Gemeinde (1822, also auch 50 Jahre „danach“ angebracht),
eine zur Erinnerung an den Umbau nach dem Protestantenpatent (vom
Bethaus zur Kirche), und eine zur Erinnerung an die Gefallenen im I.
Weltkrieg aus unserer Gemeinde.
Mit der vierten Tafel soll beispielhaft an die Opfer des
Nationalsozialismus gedacht werden: Einerseits an
Zsigmond Varga, der Pfarrer für die
Reformierten Ungarn in Wien war. Er ist, nachdem er von den Nazis
ins KZ Mauthausen-Gusen gebracht wurde, kurz vor Kriegsende 1945
ermordet worden.
Mit der Auswahl der Familie Pollack hat es eine andere Bewandtnis:
Sie waren konvertierte Juden unserer Gemeinde, die – vermutlich
schon aus ihrer jüdischen Tradition - ein besonderes Engagement für
Arme und Benachteiligte mitbrachten und wohltätig in unserer
Gemeinde wirkten.
Das Ehepaar Pollack wurde, nachdem sie allen Eigentums beraubt
worden waren, nach Theresienstadt gebracht, wo sie 1942 umgekommen
sind. Der Spruch: „Wir aber gehören nicht zu denen, die
zurückweichen und verloren gehen, sondern zu denen, die glauben und
das Leben gewinnen“ stammt aus der christlichen Bibel, nicht aus der
hebräischen, allerdings vom Juden Paulus, im Hebräerbrief. Er gilt
sozusagen für beide Namen, für Zsigmond
Varga, der aus dem Glauben heraus in der Predigt Widerstand
leistete, für das Ehepaar Pollack, das ebenfalls nicht
zurückgewichen ist und bis zuletzt an alle anderen gedacht hat, aber
nicht an sich selbst.
Marmortafeln sind kalt und glatt, mich erinnern sie immer ein
bisschen an den Tod. Hier sollen sie der Versuch sein, Menschen
beispielhaft ihre Würde wieder zu geben, die man ihnen genommen hat.
Ob wir ihnen damit gerecht werden, weiß ich nicht. Aber es ist
wenigstens der Versuch die Erinnerung an sie lebendig zu halten.
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