Reformierter Frauentag 
24. Oktober
2009
 

"Calvin - Frauen - Freiheit"

 

Am 24. Oktober 2009 fand der Reformierte Frauentag in der Reformierten Stadtkirche statt. Passend zum „Calvin Jahr 2009“ lautete das Thema „Calvin – Frauen – Freiheit“. Bei dem Frauenforum HB im März 2009 hatte Marise Bom über das Thema „Calvin und die Frauen“ referiert, wobei es vor allem um die Rolle der Frauen und deren Rechte (und Plichten) ging, referierte beim Frauentag Eva-Maria Fontana-Hübner, Co-Präsidentin der evangelischen Frauen Schweiz, über Frauen in der Reformation und besonders weibliche Reformatorinnen. Rund 60 Frauen aus den 3 Wiener Gemeinden, Oberwart und Linz nahmen an der Veranstaltung teil.

In dem Referat ging Frau Fontana-Hübner ausführlich auf die Entwicklung der Reformation ein. Die Reformation war ja ursprünglich nicht als Abspaltung von der katholischen Kirche gedacht, sondern sollte eine Reform bestehender Missstände bringen. Reformatorische Bewegungen hatte es schon früher gegeben, Franz von Assissi wurde integriert, andere wurden hingerichtet (Huss, Savanarola), bzw. Massenbewegungen gewaltsam unterdrückt (Albigenserkreuzzug). Ohne Frauen – in der Oberschicht und im Volk und an der Seite der Reformatoren – hätte es wohl kaum eine erfolgreiche Reformation gegeben. Ein weiterer wichtiger Beitrag für die rasche Ausbreitung der Reformation war die Buchdruckerei: so konnten Bibeln in der Landessprache in großer Anzahl hergestellt und verbreitet werden.

Die Umwälzungen der Reformation brachten für Frauen wesentliche Änderungen in ihren Aufgaben und Möglichkeiten, sie konnten für Frauen auch einen Verlust von Selbständigkeit bedeuteten durch die Aufhebung der Köster, die ein Refugium und ein Ort der Bildung waren, und Einschränkungen in der wirtschaftlichen Selbständigkeit, z.B. verwitwete Meisterinnen.

In der Reformation spielten Frauen eine wichtige Rolle, wenn auch nur wenige Namen bekannt sind. Katharina von Bora dürfte den meisten von uns bekannt sein, vielleicht auch Idelette de Bure, die Frau von Calvin. Wer kennt aber Anna Reinhart, verheiratet mit Zwingli, Widbrandis Rosenblatt, die mit drei bekannten Theologen (Oekolompad, Cato, Butzer) verheiratet war? In den meisten Fällen waren es gebildete Frauen, die auch aktiv an der Reformation teilnahmen und natürlich das oft sehr schwierige Leben ihrer Ehemänner teilten. Von den Frauen der Reformatoren sind keine Briefe erhalten, aber aus den Antworten der Ehemänner geht hervor, dass sie auch aktiv an den theologischen Diskussionen der Reformation teilnahmen. Die Frauen der Reformatoren trugen auch dazu bei, das Bild des evangelischen Pfarrhauses für die nächsten Jahrhunderte zu prägen: Pfarrhaus als Zentrum des geistigen und geistlichen Lebens mit der Hausfrau die nicht nur dem Haushalt vorsteht.

Als eigentliche Reformatorin, von der auch namentlich gekennzeichnete Schriften vorhanden sind, ist Marie Dentière bekannt. Sie betonte, dass Paulus den Frauen zwar das Sprechen in der Kirche verboten hatte, nicht aber das verfassen theologischer Schriften. Das bekannteste Werk von ihr ist „Epitre très utile“, in dem sie u.a. für die Gleichbehandlung von Männern und Frauen in ihrer Fähigkeit eintritt, die Heilige Schrift zu lesen und auszulegen. Es wurde auch eine Folie des Titelblatts des Buches gezeigt, mir hat besonders unter dem Titel die Aufforderung „Lisez et puis jugez“ (Lest und urteilt danach) gefallen. Wie nicht anders zu erwarten kam es in Genf zu Differenzen mit Calvin, Marie Dentière und ihr Mann verließen Genf, 1540 wird der Ehemann von Marie Dentière Antoine Froment Pfarrer in Massongy im Chablais.

Nach dem Mittagessen teilte sich die Gruppe. Einige gingen mit Gerda Mlady durch die Innenstadt, es gab eine Gesprächsrunde, bei der im kleinen Kreis die Eindrücke des Vormittags diskutiert wurden und eine Bastelgruppe, die aus Blätttern und anderen Pflanzenteilen Dekorationen für den abschließenden Gottesdienst herstellten.

Ich glaube und hoffe, dass der Reformierte Frauentag in unserer Gemeinde allen unseren Gästen in schöner Erinnerung geblieben. Die technische Betreuung durch Hern Fekete funktionierte auch wunderbar, ich möchte ihm auch noch einmal für all die Mühe danken.

Weitere Informationen zu den Evangelischen Frauen der Schweiz gibt es unter: http://www.efs-fps.ch/

Text: Margund Belke
Fotos: Maria Hennefeld

 


zum Anfang