| Gewalt in der Familie |
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Podiumsdiskussion des Reformierten Klubs am 28. 11. 2002 in der Evangelisch-Reformierten Pfarrgemeinde Wien-Süd
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Am
28. November 2002 fand in der Pfarre Wien Süd eine Veranstaltung des
Reformierten Klubs zum Thema "Gewalt in der Familie" statt. Die
Veranstaltung wurde von Frau Elfriede Kirnbauer, Kuratorin der Pfarre Wien West,
moderiert. Frau Dr. Irene Kornauth, Presbyterin der Pfarre Wien Innere Stadt und
Juristin, und Frau Dr. Sylvia Löw, Psychologin, Psychotherapeutin und
langjährigen Mitarbeiterin im Verein Wiener Frauenhäuser, gaben in zwei kurzen
Referaten einen Überblick über die rechtlichen und praktischen Möglichkeiten
für Opfer von Gewalt in der Familie, Hilfe zu finden. In Ergänzung wurden
schriftliche Informationen über die einschlägigen Gesetze und eine Liste
wichtiger Adressen und Telephonnummern verteilt.
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Frau Dr. Kornauth wies einleitend darauf hin, dass rund 90% der Opfer von Gewalt in der Familie Frauen sind, jede 5. Frau ist davon betroffen. Die Gewaltbereitschaft wächst im Gegensatz zu einem verbreiteten Klischee mit Bildungsniveau und Lebensstandard. Das Thema wurde überhaupt erst in den letzten 30 Jahren als Problem zur Kenntnis genommen. Die Bibel und das römische Recht, auf dem unser Rechtssystem aufbaut, räumen dem (männlichen) Familienoberhaupt weitgehende Rechte ein. Auch in der Öffentlichkeit wird das Problem vielfach nicht in seiner ganzen Tragweite zur Kenntnis genommen oder verharmlost; wenn ein Mann sein Frau umbringt, so hat sich eine "Familientragödie" abgespielt (schicksalhaft!), nur sehr selten wird von Mord oder Totschlag gesprochen. In den siebziger Jahren begann die Frauenbewegung, die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren, 1978 wurde das 1. Frauenhaus in Wien eröffnet. Derzeit gibt es in Österreich 25 Frauenhäuser. Das Familienrecht wurde reformiert, 1997 wurde das Gewaltschutzgesetz beschlossen. Durch dieses Gesetz können gewalttätige Familienmitglieder für begrenzte Zeit aus der Wohnung gewiesen werden, durch eine vom Gericht auszusprechende einstweilige Verfügung kann ein längerfristiges Verbot, eine Wohnung zu betreten (selbst wenn es die eigene Wohnung des Gewalttäters ist) verfügt werden. Seit 1997 wurden mehr als 13000 Wegweisungen ausgesprochen.

Trotz dieser wesentlichen Verbesserungen werden Frauenhäuser weiterhin benötigt, die bestehenden sind meist belegt. Einige Gründe, warum Frauen in Frauenhäuser gehen, sind:
- Zu große Angst vor dem
Gewalttäter
- Die Wohnung, die mit vielen negativen
Erinnerungen verbunden ist, wird nicht mehr ertragen.
- Die Polizei konnte nicht gerufen werden.
- Es gibt keine ausreichenden Beweise.
- Es wird Unterstützung
gesucht.
Die Frauenhäuser bieten:
- Wohnmöglichkeiten für
eine Übergangszeit
- Psychosoziale Betreuung
- Hilfe bei Amtswegen, Rechtsberatung, Prozessbegleitung
- Kinderbetreung.
Frau Dr. Löw betonte, dass jede Hilfe für betroffene Frauen auf den einzelnen Fall abgestimmt sein muss. Ängste der Frauen müssen ernst genommen werden, es gibt keine Patentlösungen. Betroffene Frauen leiden sehr oft auch unter dem geringen Verständnis der Umwelt, "Was hast Du denn getan, das er so ausgezuckt ist?". Die Kinder sind auf alle Fälle mitbetroffen, selbst wenn sie persönlich nicht Opfer der Gewalt und auch nicht direkt anwesend sind. Auch sie brauchen Hilfe, der Zugang kann allerdings sehr schwierig sein.

In
der Diskussion wurde mehrfach die Frage des Zugangs zu Betroffenen aufgeworfen,
die oft abblocken und nicht bereit sind, über ihre Probleme zu sprechen. Es
gibt eine Initiative des Ökumenischen Rates der Kirchen und eine UNO-Dekade
gegen Gewalt, es ist wichtig, dass das Problem besser bewusst gemacht wird.
Viele Männer haben Schwierigkeiten, Gewalt als ernsthaftes Problem
anzuerkennen, Gewaltprävention sollte auch in der Erziehung und im Unterricht
stärker betont werden. Die Täter sind nicht immer Männer, die selber Gewalt
in der Familie erlebt haben. Es ist klar, dass auch die Täter
Hilfe brauchen, es gibt Beratungsstellen und eine Initiative "Männer
gegen Gewalt".
Der Abend bot viel Information über einen Teil unserer Wirklichkeit, von dem die meisten von uns nicht persönlich betroffen sind und dessen - zumindest was mich betrifft- wir uns auch nur begrenzt bewusst sind. Es war auch ein eindringlicher Appell, Signale zu beachten und deutlicher gegen die latente Gewaltbereitschaft, der wir immer wieder begegnen, aufzutreten.
Text:
Margund Belke
Fotos: Johannes Langhoff
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