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Freier Journalismus als Krone der Demokratie?

Diskussion mit Richard Nimmerrichter, „Staberl“

im Reformierten Klub

23. Mai 2002

 

 

von Margund Belke*

Am 23. Mai 2002 war der bekannte österreichische Journalist Richard Nimmerrichter, seinen zahlreichen Lesern besser bekannt unter dem Namen „Staberl“, Gast im Reformierten Klub. Er hatte rund 37 Jahre täglich eine Kolumne in der Krone, der auflagenstärksten österreichischen Tageszeitung, veröffentlicht.  

Der Schwerpunkt der Diskussion war durch den Titel der Veranstaltung vorgegeben. Nach der Begrüßung wies Herr Stumfoll in einer kurzen einleitenden Erklärung auf die Chancen und Gefahren hin, die durch die Presse gegeben sind: Probleme durch Manipulation und Meinungsmache sind bekannt und werden sehr unterschiedlich bewertet, wie werden diese Fragen von einem Journalisten gesehen?

Herr Nimmerrichter erzählte kurz von seinem beruflichen Werdegang. Er hatte als Sportjournalist begonnen und dann 37 Jahre praktisch jeden Tag eine Kolumne in der Kronenzeitung geschrieben. Er hatte das Glück, daß ihm vertraglich völlige Freiheit bei der Ausarbeitung seiner Texte zustand. Seiner Ansicht nach wird die Macht der Presse weit überschätzt. Zahlreiche Pressekampagnen, auch solche der Kronenzeitung, brachten keinen oder bei weitem nicht den angestrebten Erfolg, als Beispiel nannte er das Temelin Volksbegehren.

Zu der Entwicklung der Rechten in Europa meinte er, dass die Situation in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich ist, Haider hat nichts mit Le Pen zu tun und hat auch ein Treffen mit Letzterem abgelehnt. Die Stimmengewinne vieler als populistisch und rechtsextrem eingestuften Parteien hängen auch mit zahlreichen Protestwählern zusammen, die mit den etablierten Parteien unzufrieden sind. Populistisch heißt eigentlich „Im Namen des Volkes“, der Begriff sollte positiv besetzt sein. Zu dieser Definition wurde in der Diskussion darauf hingewiesen, dass „populistisch“ sehr wohl auch als „Missbrauch des Volkes durch Beeinflussung“ definiert werden kann.  

Er betonte, dass Demokratie viele Probleme aufwirft, er stimmt mit Churchill überein, dass es aber keine bessere Staatsform gibt, da ein allgütiger, allweiser, allgerechter, etc.... Diktator, der alle Probleme lösen kann, nicht verfügbar ist.

Eine Zeitung, die wirtschaftlich überleben will, muß „dem Volk nach dem Maul“ schreiben, Zeitungen einzelner Parteien sind alle eingegangen, Zeitungen für intellektuelle Minderheiten sind nur in großen Ländern möglich. Die Frage, wieso dann in der Schweiz, die kleiner als Österreich ist, eine sehr niveauvolle Zeitung schon viele Jahre existiert, blieb unbeantwortet.  

Es blieben überhaupt viele Fragen unbeantwortet, oder wurden mit mehr oder minder humorvollen Anekdoten abgebogen. Auf die Frage, was er als Journalist hatte erreichen wollen bzw. nach seiner Verantwortung gegenüber den Lesern, betonte Herr Nimmerrichter, daß er sich nie als Missionar gesehen habe, sein Bestreben war, aktuellen und vergnüglichen Lesestoff zu bieten. Er hatte nur sein Kolumne zu schreiben, mit der eigentlichen redaktionellen Arbeit in der Zeitung hatte er nichts zu tun. Seiner Ansicht nach haben Zeitungen  nur geringen Einfluss auf Polarisierungen und Gewaltbereitschaft, andere Medien, wie z.B. Filme oder Videospiele wirken viel stärker.  

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*Dr. Margund Belke, Mitglied des Presbyteriums der Reformierten Stadtkirche